Osnabrück  Gemeinsamer Appell: Stadt und Kreis Osnabrück fordern Erhalt der FMO-München-Verbindung

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 21.10.2025 11:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Während Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (r.) den Flughafen Münster/Osnabrück stets unterstützte, hatte Landrätin Anna Kebschull (l.) in der Vergangenheit den innerdeutschen Flugverkehr kritisch hinterfragt. Nun fordern beide gemeinsam den Erhalt der München-Verbindung. Foto: Benjamin Beutler
Während Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (r.) den Flughafen Münster/Osnabrück stets unterstützte, hatte Landrätin Anna Kebschull (l.) in der Vergangenheit den innerdeutschen Flugverkehr kritisch hinterfragt. Nun fordern beide gemeinsam den Erhalt der München-Verbindung. Foto: Benjamin Beutler
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Nach der Lufthansa-Drohung formiert sich regionaler Widerstand: Stadt und Landkreis Osnabrück appellieren gemeinsam an Lufthansa und regionale Abgeordnete – und sehen Berlin in der Pflicht. Neue Details sorgen für Brisanz.

Die Region zieht an einem Strang, um den drohenden Wegfall der Lufthansa-Verbindung vom Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) nach München abzuwenden. Gemeinsam wandten Stadt und Landkreis Osnabrück sich jetzt direkt in einem Brief an Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter sowie an die regionalen Bundestags- und Landtagsabgeordneten.

„Die geplante Einstellung der Lufthansa-Verbindung vom Flughafen Münster/Osnabrück nach München ist keine gute Nachricht für die gesamte Wirtschaftsregion Münster-Osnabrück“, erklärte der Landkreis. Solange keine verlässliche Infrastruktur-Anbindung nach Süddeutschland bestehe, sei die Linienverbindung nach München eine „wichtige Achse, die den Austausch mit dem süddeutschen Raum nach heutigen Bedarfen ermöglicht“. Daher setze sich der Landkreis – gemeinsam mit der Stadt Osnabrück – für den Erhalt der Verbindung ein.

Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) hatte bereits betont: „Nach dem Verlust der Frankfurt-Verbindung darf nicht auch noch die für unsere regionale Wirtschaft immens wichtige Anbindung an das Drehkreuz München wegfallen.“

Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr hatte der „Welt am Sonntag“ gesagt, dass wegen hoher Steuern und Gebühren in Deutschland rund 100 innerdeutsche Flüge pro Woche im kommenden Sommer gestrichen werden könnten. Auch die Verbindung von München nach Münster/Osnabrück stehe „auf dem Prüfstand“, so Spohr: „Wir fliegen auf diesen Strecken jeden Tag defizitär.“ Ohne eine Reduzierung der Standortbelastungen seien weitere Kürzungen unvermeidlich.

Bereits im September hatte Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter betont, dass Verbindungen unrentabel würden, wenn die Kosten weiter stiegen. Die Zahl der Inlandsflüge in Deutschland ist laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bereits massiv gesunken – von 238.600 im Jahr 2019 auf voraussichtlich 117.600 im laufenden Jahr.

Die Kritik am Kurs der Bundesregierung wächst. Christoph Ploß (CDU), Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, forderte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe eine Senkung der Luftverkehrssteuer – zunächst etwa für Inlandsflüge. Darüber hinaus müssten weitere Wettbewerbsnachteile abgebaut werden, so Ploß. „Dass immer mehr innerdeutsche und internationale Flugverbindungen wegfallen, ist die Folge der in ganz Deutschland viel zu hohen Standortkosten.“ Dies schade nicht nur Urlaubsreisenden, sondern gefährde auch Wirtschafts- und Tourismusstandorte.

Das sehen auch die Industrie- und Handelskammern der Region so: „Die Lufthansa-Verbindung vom FMO nach München muss dringend erhalten bleiben, um ein nationales Drehkreuz zu internationalen Märkten zu gewährleisten“, hatte Uwe Goebel, Präsident der IHK Osnabrück betont. Die IHK Nord Westfalen hatte sich angeschlossen – und forderte die Politik auf, Steuern und Gebühren auf europäisches Niveau zu senken.

Der Schulterschluss zwischen Stadt und Landkreis Osnabrück kommt nicht von ungefähr: Die Stadt hält 17 Prozent der FMO-Anteile, der Landkreis fünf Prozent. Während sich Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) schon seit Jahren hinter den FMO stellt, kam die Kehrtwende der Landrätin Anna Kebschull (Grüne) überraschend. Noch 2019 hatte sie das Finanzierungskonzept des Flughafens infrage gestellt, innerdeutsche Flüge als verzichtbar bezeichnet und auf den „gesellschaftlichen Wandel“ zur klimafreundlichen Mobilität verwiesen. Nun spricht sie sich klar für den Erhalt der Verbindung aus – und warnt bei einem Aus für die München-Flüge vor den Folgen für die regionale Wirtschaft.

Mit dem möglichen Aus für die München-Verbindung würde der FMO seine letzte Anbindung an ein internationales Lufthansa-Drehkreuz verlieren. In diesem Jahr werden nach Angaben des Flughafens voraussichtlich rund 230.000 Passagiere die Strecke nutzen – das entspricht etwa jedem fünften Flug vom Grevener Airport.

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