Premiere steht vor der Tür „Timmel unner Strom“ entfacht neue Gemeinschaft
Nach einem Jahr Vorbereitung steht das Theaterprojekt „Timmel unner Strom“ kurz vor der Premiere. 273 Menschen haben mitgearbeitet – alle wissen, dass dieses Stück das Dorf nachhaltig verändern wird.
Timmel - Ludwig Soeken, Wilhelm Buschmann und Regisseurin Elke Münch wirken ein wenig verloren auf der riesigen leeren Bühne in der großen Reithalle des Reitsport-Touristik-Centrums (RTC) in Timmel. Die acht Kulissen-Häuser für das Theaterstück „Timmel unner Strom“ sind fertig, der Endspurt steht bevor. „Es kommen nur noch die Blumen“, sagt Soeken und erklärt, dass er sich eigentlich ein Bett in die Halle stellen könnte, so oft, wie er hier ist.
Der Countdown läuft: Bühne frei für ein ganzes Dorf
Am Mittwoch, 22. Oktober 2025, steht die Generalprobe an. Dann kommt das ganze Stück noch einmal auf den Prüfstand. „Beim letzten Mal haben wir im Anschluss noch eine komplette Szene geändert“, erinnert sich Ludwig Soeken. Nur einen Tag später setzten die Darsteller sie, genau wie besprochen, bei der Premiere um. „Es war unglaublich“, sagt er. Für die meisten Helferinnen und Helfer ist die Generalprobe die einzige Gelegenheit, das Stück in aller Ruhe und in voller Länge zu genießen.
Der wahre Gewinn: Zusammenhalt und Leidenschaft
So viel Aufwand für 15 Aufführungen? Ludwig Soeken muss nicht lange über die Antwort nachdenken. Für ihn und die anderen Organisatoren ist die Antwort längst klar: Die Mühe hat sich schon gelohnt, bevor überhaupt die erste Aufführung beginnt. „Das Ziel, das Dorf mit diesem Projekt enger zusammenzubringen, ist längst erreicht“, sagt Soeken: „Es ist fantastisch zu sehen, wie sich viele unterschiedliche Menschen für eine gemeinsame Sache begeistern und ihre Stärken einbringen.“
Was das Publikum zu sehen bekommt, ist nur das sichtbare Ergebnis von unzähligen Stunden gemeinsamer Arbeit, von Begegnungen, Freundschaften und einem Gemeinschaftsgefühl, das weit über das Theaterprojekt hinausreicht. Dieses Engagement bei Stücken wie „Timmel unner Strom“ ist zum Lebensinhalt der Regisseurin Elke Münch geworden. Nachdem sie mehr als 20 Jahre selbst auf der Bühne gestanden hatte, fand die Wilhelmshavenerin ihre Bestimmung: Seit mehr als 30 Jahren führt sie Regie – am liebsten bei Stücken mit Laiendarstellern wie in Timmel.
Gemeinsam wachsen: Theater als Dorfleistung
„In einer Stadt wäre das in dieser Form gar nicht möglich. So ein Projekt funktioniert nur, wenn die Leute sich einbringen wollen und jeder bereit ist, Verantwortung zu übernehmen“, ist sie überzeugt. „Es geht hier nicht um Eitelkeiten oder darum, einzelne Egos unter einen Hut zu bekommen, wie bei Profis“, sagt Münch und lacht. „Hier zählt das Stück, also die Geschichte, die wir gemeinsam erzählen wollen.“
Für Münch ist es etwas Besonderes zu erleben, wie die Darsteller über sich hinauswachsen und gemeinsam etwas Großes schaffen. 80 Proben haben sie hinter sich. Seit Samstag, 18. Oktober 2025, sind noch einmal tägliche Proben dazugekommen – bis zur Premiere. Ein Jahr lang haben die Darsteller mit Münch an dem Stück gearbeitet. „Ich lasse alle erst einmal ihre Rolle finden. Wenn sie auf der Bühne sicher sind und ihren Text können, fängt meine Arbeit an. Dann können wir gemeinsam an den Feinheiten feilen“, sagt Münch.
Vom ersten Lesen bis zur Premiere: Entstehung eines Stücks
Vor einem Jahr hat alles mit gemeinsamen Lesungen begonnen. Damals trafen sich die Darsteller, um mit Elke Münch das Stück Szene für Szene durchzugehen. „Am Anfang arbeiten wir die Szenen beim gemeinsamen Lesen durch – als Hörbuch sozusagen“, erklärt Münch. Dabei ordnet sie die Rollen ein und erklärt den historischen Kontext. Wenn sie selbst einmal keine genaue Vorstellung davon hat, wie eine Szene gespielt werden soll, lässt sie die Darsteller improvisieren. Viele Szenen sind auf diese Weise bei den Proben entstanden.
Jetzt hat sich Elke Münch für die letzten zwei Wochen vor dem Beginn der Vorstellung in Timmel in eine Ferienwohnung einquartiert. Hier konzentriert sie sich ohne Ablenkung, ohne Termine, ohne Pendeln zwischen Timmel und Wilhelmshaven ganz auf das Stück. „Das ist für mich Urlaub vom Alltag“, sagt sie. „Nicht einmal meine Katzen sind hier, um mich morgens aufzuwecken.“
Theater, das Spuren hinterlässt
An das Ende des Projekts mag Elke Münch gar nicht denken. „Ich weiß gar nicht, was ich dann machen soll. Das ist mein Leben“, sagt sie. Die intensive Zeit in Timmel, das gemeinsame Arbeiten, das Wachsen der Darsteller und das Miteinander im Team – all das ist für sie mehr als nur ein Job. Es ist ein Stück Heimat auf Zeit, ein Gemeinschaftserlebnis, das sie nicht missen möchte.
Gerade weil viel Herzblut und Leidenschaft in „Timmel unner Strom“ stecken, fällt der Gedanke an den letzten Vorhang schwer. Doch noch ist es nicht so weit: Die letzten Proben laufen, die Vorfreude wächst – und mit ihr die Gewissheit, dass dieses Projekt Spuren hinterlassen wird. Nicht nur auf der Bühne, sondern im ganzen Dorf.
Tickets
Der Vorverkauf für „Timmel unner Strom“ läuft sehr gut: Von den insgesamt 15.000 verfügbaren Karten sind bereits 12.000 verkauft. Wer noch dabei sein möchte, sollte sich beeilen – Restkarten gibt es, solange der Vorrat reicht, auch an der Abendkasse. Die Tickets kosten 25 Euro und sind erhältlich bei Nah und Gut Timmel, Immobilien Soeken, allen Nordwest Ticket-Vorverkaufsstellen sowie online.
Anfahrt und Parken
Für die Besucherinnen und Besucher von „Timmel unner Strom“ wird die direkte Zufahrt zum Reitsport-Touristik-Centrum (RTC) trotz Baustelle wieder möglich sein. Allerdings ausschließlich von Timmel aus. Die Straße aus Richtung Ulbargen bleibt gesperrt. Am RTC stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung, und die Gäste werden vor Ort zum Veranstaltungsort geleitet.
Kulissen abzugeben
Schon jetzt laufen die Planungen für die Zeit nach den Aufführungen: Wer Interesse an einem der acht Kulissenhäuser hat, kann sich melden. Die Häuser werden gegen eine kleine Spende abgegeben. Die Fenster können gegen eine Gebühr ausgeliehen werden. Auch die Moltonbahnen, die für die Bühne verwendet wurden, sind nach dem letzten Vorhang abzugeben.
Termine und Markt
Die Premiere von „Timmel unner Strom“ ist am Donnerstag, 23. Oktober 2025, im RTC Timmel. Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 24. Oktober, Samstag, 25. Oktober, Sonntag, 26. Oktober, Mittwoch, 29. Oktober, Freitag, 31. Oktober, Samstag, 1. November, Sonntag, 2. November, Mittwoch, 5. November, Freitag, 7. November, Samstag, 8. November, Sonntag, 9. November, Mittwoch, 12. November, Freitag, 14. November und Samstag, 15. November. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Der historische Markt im Zelt vor der Halle ist an den Veranstaltungstagen ab 18 Uhr auch ohne Ticket zugänglich.Wichtige Infos zur Aufführung