Bürgermeisterwechsel im Brookmerland  Gerhard Ihmels kandidiert 2026 nicht erneut

| | 20.10.2025 18:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Brookmerlands Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) verzichtet auf eine erneute Kandidatur 2026. Foto: Thomas Dirks
Brookmerlands Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) verzichtet auf eine erneute Kandidatur 2026. Foto: Thomas Dirks
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Der langjährige Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels gibt seinen Rückzug bekannt. Wie er ihn begründet und wer als Nachfolger im Gespräch ist.

Brookmerland Seit 2006 ist er Chef im Marienhafer Rathaus, doch jetzt soll Schluss sein. Brookmerlands Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) tritt bei der Kommunalwahl im September kommenden Jahres nicht erneut an. Das teilte der 65-Jährige am Montag schriftlich mit.

„Nach intensiver Abwägung des Für und Wider bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich für das Amt des Bürgermeisters nicht mehr zur Verfügung stehe“, heißt es in der kurzen Mitteilung aus dem Marienhafer Rathaus.

Im Oktober 2026 werde er 50 Jahre bei der Samtgemeinde Brookmerland beschäftigt sein, davon 20 Jahre in führender Position. „Mit dann 66 Jahren ist die Zeit gekommen, mich aus dem Berufsleben zu verabschieden und anderen Dingen die erste Priorität zu geben“, so Ihmels.

Gerhard Ihmels (SPD, hier rechts neben Brookmerlands Kämmerer Stephan Weers in einer Sitzung des Samtgemeinderates im Jahr 2019) verlässt im kommenden Jahr das Marienhafer Rathaus. Foto: Thomas Dirks
Gerhard Ihmels (SPD, hier rechts neben Brookmerlands Kämmerer Stephan Weers in einer Sitzung des Samtgemeinderates im Jahr 2019) verlässt im kommenden Jahr das Marienhafer Rathaus. Foto: Thomas Dirks

Seit 2006 sitzt Gerhard Ihmels auf dem Chefsessel des Marienhafer Rathauses. Er hat drei Amtszeiten hinter sich.

Ihmels wurde am 15. November 1959 in Marienhafe geboren. In unmittelbarer Nähe des Rathauses wuchs er als Einzelkind „Am Olldiek“ auf. Nach dem Besuch des Kindergartens in Osterupgant und der Volksschule in Marienhafe wechselte er ans Ulrichsgymnasium Norden, verließ dieses aber noch vor dem Abitur und begann eine Lehre zum Verwaltungsangestellten bei der Samtgemeinde Brookmerland, die er 1979 abschloss. Es folgte 1981 die 1. Laufbahnprüfung. 1992 erwarb Ihmels nachträglich die Fachhochschulreife und nahm ein Studium auf, das er 1996 als Diplomverwaltungswirt beendete. 1997 wurde er Kämmerer der Samtgemeinde Brookmerland, der er bis zu seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister 2006 blieb.

Damals erhielt er knapp 52 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit hatte er die Wahl vor seinen damaligen Mitbewerbern von der Brookmer Wählergemeinschaft (BWG), Werner Knippelmeyer (37,69 Prozent), und dem parteilosen Einzelbewerber Thomas Themsfeldt (10,32 Prozent) gewonnen und stand somit als Nachfolger von Hartwig Warfsmann (parteilos) fest.

Sein dritter Wahlsieg war ein denkbar knapper

Bei der Samtgemeindebürgermeisterwahl 2014 kandidierte Ihmels ein zweites Mal. Herausforderer gab es nicht. Ihmels wurde mit rund 84 Prozent der Stimmen wiedergewählt. 16 Prozent stimmten gegen ihn. In absoluten Zahlen: Von 4528 gültigen Stimmen waren 3805 Ja- und 723 Nein-Stimmen.

Sein dritter Wahlsieg war ein denkbar knapper: Im September 2021 setzte sich Ihmels erst in einer Stichwahl gegen seine damalige unabhängige Herausforderin Ida Bienhoff-Topp durch. Am Ende trennten beide Kontrahenten nur 69 Stimmen. Ihmels kam auf 3506 Stimmen (50,5 Prozent). Auf Bienhoff-Topp entfielen 3437 Stimmen (49,5 Prozent).

Ihmels erste Wahl zum Bürgermeister: Am 20. September 2006 gratuliert ihm im Haus Dieker in Marienhafe sein Amtsvorgänger Hartwig Warfsmann (rechts, parteilos). Foto: Thomas Dirks
Ihmels erste Wahl zum Bürgermeister: Am 20. September 2006 gratuliert ihm im Haus Dieker in Marienhafe sein Amtsvorgänger Hartwig Warfsmann (rechts, parteilos). Foto: Thomas Dirks

Privat ist Ihmels in zweiter Ehe mit der früheren Marienhafer SPD-Bürgermeisterin und Ratsfrau Beate Kappher-Gruß verheiratet. Mit ihr lebt der Vater von drei erwachsenen Söhnen in Marienhafe.

Mit seiner Rückzugsankündigung ließ Ihmels sich Zeit. Andere Hauptverwaltungsbeamten wie Landrat Olaf Meinen oder die Gemeindebürgermeister Fredy Fischer (Großheide) und Uwe Redenius (Hinte) hatten sich schon früher erklärt. Auch sie wollen aufhören. Andere, wie Nordens Bürgermeister Florian Eiben Uwe Trännapp (Dornum) und Thomas Erdwiens (Südbrookmerland) rechnen fest mit einer erneuten Kandidatur. Diejenigen, die nicht wieder antreten, begründen dies vor allem mit der von fünf auf acht Jahre verlängerten nächsten Amtszeit und damit, innerhalb dieser nicht vorzeitig aus dem Amt scheiden zu wollen.

RätselhafteAndeutungen

Er sei darauf vermehrt angesprochen worden, schreibt Ihmels. Bisher hatte der Marienhafer es bei meist rätselhaften Andeutungen belassen. So zuletzt in einer Sitzung des Samtgemeinderates im Juli dieses Jahr, in der sein allgemeiner Vertreter Jochen Behrends für acht Jahre im Amt bestätigt wurde. „Ich freue mich, die nächsten Jahre mit ihm zusammenarbeiten zu können. Ihr habt gehört: Die nächsten Jahre“, wiederholte Ihmels. In welcher Konstellation, sagte Ihmels damals nicht.

Das ließ Raum für Spekulationen. Für einige klang das, als würde der Amtsinhaber mit einer erneuten Kandidatur liebäugeln. Andere haben seither eine andere Theorie: Sie vermuteten, dass Ihmels sich nach seinem Rückzug als Rathauschef für die SPD für den Samtgemeinderat kandidieren wird, um dort in den Reihen der SPD-Fraktion, womöglich sogar an deren Spitze, tätig zu werden und dabei auf einen Nachfolger Behrends an der Spitze der Verwaltung hofft.

Seit 2018 ist Jochen Behrends (links) die rechte Hand und allgemeiner Vertreter von Brookmerlands SPD-Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (rechts). Foto: Thomas Dirks
Seit 2018 ist Jochen Behrends (links) die rechte Hand und allgemeiner Vertreter von Brookmerlands SPD-Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (rechts). Foto: Thomas Dirks

Dass er viel von Behrends hält, hatte Ihmels in der Vergangenheit mehrfach betont. Behrends sei, wie er, Mitglied der SPD. Doch nicht nur deshalb sei er schon 2018 sein Wunschkandidat gewesen, sagte Ihmels im Juli. Er habe Behrends vorgeschlagen, weil dieser ein „hochqualifizierter Verwaltungsbeamter“ sei. Es gehe um die Qualität der Arbeit und nicht um Parteizugehörigkeit, unterstrich Ihmels und bezeichnete Behrends als „guten Kollegen und Freund“.

Möglicher Nachfolger überlegt im Urlaub

Zu einer möglichen Kandidatur hat sich Behrends bisher nicht öffentlich geäußert. Auf Anfrage dieser Redaktion teilte er am Montag schriftlich mit: „Ich befinde mich derzeit im Urlaub und nutze die Zeit, um mit meiner Familie und engen Vertrauten die Frage einer Kandidatur für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters eingehend zu besprechen.“

Reaktionen der Politik

In Reihen der Brookmerlander Politik hat die Ankündigung von Ihmels, 2026 nicht erneut für den Chefsessel im Marienhafer Rathaus zu kandidieren, kaum für Überraschung gesorgt. Lediglich die zweiköpfige Fraktion der Grünen habe auch eine andere Entscheidung erwartet. „Es gab unterschiedliche Signale“, so Sprecher Hans-Reiner Stroman, der Ihmels’ Entscheidung bedauerte. „Wir hätten ihn wieder unterstützt“, sagte er. Für ihn und seine Fraktionskollegin Renate Erdt habe Ihmels „immer eine offene Tür gehabt“. Beide seien „angetan“ von der bisherigen Zusammenarbeit. Er könne Ihmels’ Entscheidung aber nachvollziehen.

Hans-Reiner Stroman Foto: Thomas Dirks
Hans-Reiner Stroman Foto: Thomas Dirks

Einen Nachfolgekandidaten aus den eigenen Reihen würden die Grünen nicht stellen, so Stroman.

„Für mich war das nicht überraschend“, sagte Sprecher der Ratsgruppe SPD/ Moin, Johann Tjaden. „Er macht genau das Richtige“, so Tjaden. Man sei gut miteinander ausgekommen. „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, haben wir immer einen Konsens gefunden“, so Tjaden.

Für die SPD beginne jetzt die Suche nach möglichen Kandidaten für die Nachfolge. „Spätestens Anfang des kommenden Jahres sollte ein Name auf dem Tisch liegen“, sagte Tjaden.

Johann Tjaden Foto: Thomas Dirks
Johann Tjaden Foto: Thomas Dirks

Nicht überrascht von Ihmels Ankündigung zeigte sich auch die Sprecherin der Gruppe BWG/SEB, BfB, CDU, Ida Bienhoff-Topp. Nach so vielen Jahren sei ein Wechsel nachvollziehbar. Jetzt komme es darauf an, die verbleibende Amtszeit verantwortungsvoll zu gestalten. „Wir arbeiten weiter mit voller Konzentration an den Aufgaben, die zählen – solide Finanzen, eine verlässliche Verwaltung und den gezielten Ausbau sowie die Sanierung der Infrastruktur in allen Mitgliedsgemeinden.“

Das bekanntlich oft angespannte Verhältnis der Ratsminderheit zu Ihmels beschreibt sie folgendermaßen: „Wir arbeiten sachlich zusammen. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, aber die laufenden Themen bearbeiten wir ordentlich bis zum Ende der Legislatur.“

Ida Bienhoff-Topp Foto: Thomas Dirks
Ida Bienhoff-Topp Foto: Thomas Dirks

Zu einer möglichen erneuten eigenen Kandidatur teilte Bienhoff-Topp mit: „Ich habe mich noch nicht entschieden. Heute geht es um seine Entscheidung, nicht um meine.“

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