Berlin  Millionen Menschen protestieren gegen Trump: Die USA kommen aus der Lethargie

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 19.10.2025 14:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
An mehr als 2700 Orten sollen Menschen am Samstag gegen Präsident Donald Trump demonstriert haben. Es sind die größten Proteste in der Geschichte des Landes. Foto: Gene J. Puskar/AP/dpa
An mehr als 2700 Orten sollen Menschen am Samstag gegen Präsident Donald Trump demonstriert haben. Es sind die größten Proteste in der Geschichte des Landes. Foto: Gene J. Puskar/AP/dpa
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Lange konnte man sich fragen, wo der Widerstand gegen die Trump-Regierung bleibt. Jetzt ist die US-Zivilgesellschaft erwacht. Der autokratische Machtanspruch des Präsidenten bekommt Risse.

Neun Monate nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit schreitet der Umbau der weltweit ältesten Demokratie voran. Die MAGA-Regierung hat ganze Behörden zerschlagen, die Justiz ausgehöhlt, die Pressefreiheit geschwächt. Sie erpresst Universitäten und nutzt die Einwanderungsbehörde ICE, um Migranten mit demonstrativer Härte zu verfolgen. Die Bevölkerung schien lange wie gelähmt, gefangen in einer Mischung aus Schock und Resignation. Wo blieb der Widerstand?

Jetzt regt sich etwas. Das zeigen die landesweiten Massenproteste am Samstag: Unter dem Motto „No Kings“ gingen schätzungsweise sieben Millionen Menschen auf die Straße, zwei Millionen mehr als noch im Juni. Protestaktionen fanden längst nicht nur in den liberalen Metropolen New York, Los Angeles oder Chicago statt. Auch in etlichen kleinen Orten in MAGA-Hochburgen wie Florida oder Texas schlossen sich Einwohner an. Es sind die größten Demonstrationen seit Jahrzehnten und ein Signal, dass die US-Zivilgesellschaft wieder erwacht.

Man sollte sich keine Illusionen machen: Die Kundgebungen werden Trump und seine Gefolgsleute nicht aufhalten. Wenig überraschend versuchte das Weiße Haus, die Teilnehmer als „Amerika-Hasser“ zu diffamieren. Zugleich wird die Trump-Administration immer häufiger in die Schranken gewiesen. Gerichte kippten zuletzt den Stopp von Fördermitteln für Harvard, die geplante Entlassung tausender Beamter und den Einsatz der Nationalgarde in demokratisch regierten Bundesstaaten. Zusammen mit den Protesten entstehen erste Risse im autokratischen Machtanspruch des Präsidenten.

Wer jetzt noch aus der Lethargie erwachen muss, ist die Führung der Demokraten. Seit Kamala Harris’ Wahlniederlage im November 2024 wirkt die Partei wie traumatisiert. Sie braucht dringend einen Shootingstar – vielleicht ja der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom – wenn sie den Republikanern bei der nächsten Präsidentschaftswahl in drei Jahren etwas entgegensetzen möchte. Trump darf dann nicht mehr antreten. Vorausgesetzt, diese Vorgabe der amerikanischen Verfassung hält bis dahin.

Auf die Proteste reagierte der Präsident mit einem absurden KI-generierten Video, das er auf seiner Plattform „Truth Social“ teilte: Darin fliegt er mit einer Krone auf dem Kopf in einem Kampfjet über eine amerikanische Stadt. In der nächsten Einstellung wirft er eine große Menge Fäkalien auf Demonstranten. Die Botschaft ist eindeutig. Für Trump bedeuten die „No-kings”-Märsche aber auch: heute kein König!

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