Berlin  DB startet Image-Offensive: Leselampen und Barrierefreiheit sollen die Wende bringen

Matti Gerstenlauer
|
Von Matti Gerstenlauer
| 18.10.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, möchte mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ ihr Image-Problem lösen. Foto: dpa/Christoph Soeder
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, möchte mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ ihr Image-Problem lösen. Foto: dpa/Christoph Soeder
Artikel teilen:

Das Image der Deutschen Bahn ist seit Jahren stark angeschlagen. Eine eigene Agenda für Kundenzufriedenheit soll das Problem lösen. Den Anfang des Plans macht der neue ICE L. Einige Neuerungen sollen Reisende wieder von der DB überzeugen.

Pünktlich wie die Eisenbahn ist schon lange kein nützliches Sprichwort mehr. Doch nicht nur ihre zeitweise Unzuverlässigkeit bereitet der Deutschen Bahn Probleme. Immer wieder klagen Reisende über mangelnden Komfort, fehlenden Mobilfunkempfang oder schlicht den beschwerlichen Zugang in die Züge für Menschen, die auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen sind. Das möchte die Deutsche Bahn mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ ändern.

Die wohl wichtigste Neuerung des von der spanischen Firma Talgo gefertigten Zuges ist der stufenlose Einstieg, womit der ICE L laut der Deutschen Bahn der erste Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland ist, der Barrierefreiheit über die gesamte Zuglänge ermöglicht. Damit reagiert die Bahn auf jahrelange Kritik. Reisende im Rollstuhl sollen zusätzlich von breiteren Türen und elektrisch höhenverstellbaren Tischen an ihren Plätzen profitieren.

Doch nicht nur die Barrierefreiheit steht im Fokus der neuen Bahnchefin Evelyn Palla. Auch der Komfort soll massiv verbessert werden: Die Fensterscheiben des ICE L sollen mobilfunkdurchlässig sein und für einen „deutlich verbesserten Mobilfunkempfang“ sorgen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. So will die Bahn vor allem Pendler zufriedenstellen.

Hinzu kommen neu entwickelte Sitze mit Steckdosen an allen Plätzen, Klapptischen und Tablethaltern. Ein neues Innendesign, kürzere Wagen und eine tageszeitabhängige Lichtsteuerung sollen zudem für ein „wohnliches Raumgefühl“ sorgen. Mit dem größten Familienbereich in deutschen Zügen (46 Plätze) und neun Plätzen im Kleinkindabteil sollen auch Familien häufiger in die Bahn gelockt werden. Um die Kunden der ersten Klasse auch bei dunklen Lichtverhältnissen die Zugfahrt zu verbessern, wurden Leselampen an den Sitzen installiert.

Die Bewährungsprobe startet ab Mitte Dezember 2025 schrittweise auf der Strecke zwischen Berlin und Köln. Ab 1. Mai 2026 soll der Zug dann auch auf touristischen Verbindungen, wie zwischen Berlin, Hamburg und Westerland (Sylt), eingesetzt werden.

Ab 11. Juli folgen weitere touristische Strecken von Frankfurt (Main) über Gießen sowie von Köln über Münster nach Westerland (Sylt). Auch von Dortmund nach Oberstdorf soll es dann mit dem ICE L gehen. Perspektivisch ist der Zug zudem für Fahrten nach Amsterdam, Kopenhagen und Wien vorgesehen.

Um ihre Agenda auch in Worten einen offiziellen Startschuss zu geben, kündigt DB-Vorstandsvorsitzende Palla an: „Wir wollen die Menschen mit unseren Zügen begeistern.“ Der neue ICE L, sowie alle anderen Projekte der Agenda sollen betonen, dass die Kundenzufriedenheit und Zuverlässigkeit die Top-Priorität der Bahn sei.

Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sieht in dem neuen Vorzeigezug ein perfektes Beispiel dafür, dass „der Kunde auf der Schiene wieder König sein muss.“ Das habe er von Beginn seiner Amtszeit an betont. Wer modernisiert, verbessere nicht nur die Technik, sondern gleichzeitig das Reiseerlebnis für Millionen Menschen. Das gelte für die Infrastruktur genauso wie für die Züge.

Ähnliche Artikel