Osnabrück  Dieser Protest der VfL-Fans gegen das Projekt Hoffenheim landete im Fußball-Museum

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 18.10.2025 09:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Ein Transparent aus der Ostkurve ging auf Tournee durch die Stadien der 2. Bundesliga. Und eine Aktion der VfL-Fans schaffte es bis ins Deutsche Fußballmuseum. In der Saison 2007/08 trafen die beiden im Jahr 1899 gegründeten Vereine VfL Osnabrück und TSG Hoffenheim nach ihren Aufstiegen aus der Regionalliga in der 2. Bundesliga erstmals aufeinander. Erinnerungen an die Duelle vor 18 Jahren, die nicht nur auf dem Rasen ausgetragen wurden.

Der Aufstieg des Dorfklubs aus dem Kraichgau war im Sommer 2007 überregional nur verhalten zur Kenntnis genommen worden. Zusammen mit dem SV Wehen hatte sich die TSG Hoffenheim in der Regionalliga Süd durchgesetzt und mit dem dritten Aufstieg in Folge den Durchmarsch fortgesetzt. Der war möglich geworden durch die Investitionen, die der mit dem Unternehmen SAP reich gewordene Mäzen Dietmar Hopp dem Verein seiner jungen Fußballjahre zur Verfügung stellte.

Der Protest gegen dieses Modell regte sich in den Fanszenen der Traditionsvereine – und natürlich auch bei den Anhängern des VfL. Das dritte Auswärtsspiel der Saison führte die Osnabrücker am 15. September in den Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim, wo nach dem dritten Aufstieg in Folge das Dietmar-Hopp-Stadion (6.300 Plätze) ausgebaut worden war.

Um auch wirklich pünktlich zu sein, wurde die Abfahrt des Busse eine Stunde vorverlegt. 300 Lila-Weiße nutzen die Bühne des Sonntagspiels: An der Band flatterte das Transparent „Stoppt Hopp!“, das später auf Anweisung der Ordner abgenommen werden musste. Im Gästeblock wurde das Spruchband „Eure Armut kotzt uns an“ erstmals gezeigt – in den Monaten danach tauchte dieser ironische Spruch in einigen Stadien der 2. Bundesliga auf. Die Hoffenheimer Fans sangen: „Wir haben Geld, wir haben Geld – wir sind der geilste Klub der Welt.“

Bis ins Deutsche Fußball-Museum schafften es die von den VfL-Fans rund um das Stadion verteilten „Hopp Dollars“, mit einem Nennwert von „1.000 Hopps“ ausgestellt von „The United Bank of Hoffenheim“. Im Rahmen der Ausstellung zur Entwicklungsgeschichte des deutschen Fußballs im Dortmunder Museum wurden diese Scheine im Saal „Professionalisierung und Kommerzialisierung“ gezeigt.

„Das waren Dinge unter der Gürtellinie“, sagte Mäzen Hopp dazu später in der Mixed Zone nach dem ersten Saisonsieg der TSG (3:1), „und wenn wir so massiv angegangen werden, dann dürfen sich unsere Fans auch mal wehren.“ Zum Rückspiel an der Bremer Brücke kam Hopp nicht, um – wie er sagte – „persönlichen Anfeindungen“ aus dem Weg zu gehen.

Am 2. März 2008 war das Kräfteverhältnis auf dem Rasen eindeutig. Über 20 Millionen Euro hatte die TSG in den Kader investiert; brasilianische Supertalente wie Luis Gustavo, Carlos Eduardo oder der Senegalese Demba Ba prägten das Team von Ralf Rangnick, das auch an der Bremer Brücke beim 3:0-Sieg überzeugte und am Saisonende mit dem vierten Aufstieg in Folge den Durchmarsch in die Bundesliga perfekt machte.

Das hielt die Ostkurve nicht von klarer Meinungsbildung ab. „Lieber reich an Emotionen als eure Millionen“ stand auf dem Spruchband, und der ganze lila-weiße Fanblock sang: „Ihr macht unseren Sport kaputt“. Trainer Ralf Rangnick ärgerte sich: „Ich kann das alles nicht mehr hören, das interessiert mich nicht, was da gesungen wird oder auf Transparenten steht.“

VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte dagegen schon nach dem Hinspiel lobende Worte für das Retortenprojekt Hoffenheim gefunden: „Ich kenne keinen Neid, und erst recht keinen auf Hoffenheim. Die haben eine kluge Strategie und bauen etwas Bemerkenswertes auf.“ Nach dem Rückspiel sagte der Osnabrücker Coach: „Andere Vereine haben mehr Geld und mehr Zuschauer, schaffen es aber nicht, so viel daraus zu machen wie TSG Hoffenheim.“

In Interviews mit der NOZ und dem Fachmagazin Kicker hatte VfL-Präsident Dirk Rasch seine Analyse zum Modell Hopp messerscharf zusammengefasst: „Was in Hoffenheim betrieben wird, ist kein marktwirtschaftliches Sponsoring, sondern ein unkontrolliertes Mäzenatentum, das im deutschen Fußball einmalig ist, jede Dimension sprengt und die Wettbewerbsgerechtigkeit beschädigt.“ 

In diesem Zusammenhang erteilte der heute als Ehrenpräsident und Fan dem VfL unverändert verbundene Rasch der Übernahme seines Vereins durch Investoren eine Absage: „Der Fußball ist natürlich auch ein Geschäft, und fußballbegeisterte Investoren sind willkommen, wenn sie die Werte des Vereins mittragen und seine Unabhängigkeit unangetastet lassen. Der VfL darf jedoch niemals seine Seele verkaufen.“

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