Brandschutz damals und heute  Die bewegte Geschichte zweier Brookmerlander Feuerwehren in Buchform

| 16.10.2025 18:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Foto aus dem Jahr 1952, als die Einsatzkräfte der Feuerwehr Osteel noch mit einem Pkw der Marke Wanderer unterwegs waren. Im Hintergrund die Warnfriedkirche. Foto: privat
Ein Foto aus dem Jahr 1952, als die Einsatzkräfte der Feuerwehr Osteel noch mit einem Pkw der Marke Wanderer unterwegs waren. Im Hintergrund die Warnfriedkirche. Foto: privat
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Was die Brandbekämpfer aus Osteel und Leezdorf seit 90 Jahren verbindet. Norbert Müller hat es in einer Chronik aufgearbeitet.

Osteel/Leezdorf - Am 9. Oktober wurde im neuen Feuerwehrgerätehaus am Adeweg in Osteel ein bedeutendes Kapitel Brookmerlander Feuerwehrgeschichte geschlossen und zugleich neu aufgeschlagen: Die Feuerwehren Osteel und Leezdorf vereinen sich zur künftigen Feuerwehr Brookmerland Nord. Damit kehren sie zu ihren Wurzeln zurück, denn bereits am 9. Oktober 1935 wurde der Feuerlöschverband Osteel–Leezdorf gegründet. Eine Kooperation, die nun nach fast einem Jahrhundert wiederbelebt wird. Feuerwehrmann Norbert Müller aus Osteel hat die Geschichte der Feuerwehr Osteel-Leezdorf in einer Chronik dokumentiert.

1969 wurde in Osteel die erste Brookmerlander Jugendfeuerwehr gegründet. Das Bild zeigt einige Mitglieder vor dem Einsatzfahrzeug Opel-Blitz. Foto: privat
1969 wurde in Osteel die erste Brookmerlander Jugendfeuerwehr gegründet. Das Bild zeigt einige Mitglieder vor dem Einsatzfahrzeug Opel-Blitz. Foto: privat

Die Ursprünge des Brandschutzes in Osteel reichen bis um 1900 zurück. Damals existierte eine Pflichtfeuerwehr, die mit einfachen Mitteln wie handbetriebenen Spritzen und Pferdefuhrwerken Brände bekämpfte. Strenge Vorschriften der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse regelten die Ausrüstung und Alarmierung. Ein Blitzschlag auf dem Hof Steenblock im August 1900 ist einer der ersten dokumentierten Einsätze. Für den erfolgreichen Einsatz erhielt die Spritzenmannschaft eine Prämie.

Status einer technischen Hilfspolizei

Mit der Gründung des Feuerlöschverbandes Osteel–Leezdorf 1935 wurde aus der Pflichtgemeinschaft eine organisierte Einheit. 47 Feuerwehrmänner aus Osteel und 19 aus Leezdorf schlossen sich zusammen. Der erste Ortsbrandmeister war Schmiedemeister Friedrich Abegg, gefolgt von Gerd Edenhuizen, der die Wehr über Jahrzehnte prägte. Die Feuerwehr erhielt den Status einer technischen Hilfspolizei, die Kameraden verpflichteten sich schriftlich zu Dienst und Kameradschaft. Das Motto lautete: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“

Der Zweite Weltkrieg brachte große Veränderungen. Viele Männer wurden eingezogen, sodass in Osteel erstmals Frauen den Feuerwehrdienst übernahmen. Unter Leitung von Edenhuizen meisterten sie die Herausforderungen, modernisierten die Technik und beschafften 1939 eine Motorspritze sowie 1943 ein Löschfahrzeug. Während der Bombennächte von Emden rückten die Kameraden mehrfach aus, um Brände zu löschen – oft unter Lebensgefahr. Nach dem Krieg kehrten viele Männer zurück, die Frauenwehr wurde aufgelöst. Der Löschverband bestand bis 1951, dann gingen Osteel und Leezdorf als eigenständige Ortsfeuerwehren getrennte Wege.

Im Zweiten Weltkrieg übernahmen Frauen den Feuerwehrdienst in Osteel. Foto: privat
Im Zweiten Weltkrieg übernahmen Frauen den Feuerwehrdienst in Osteel. Foto: privat

Die Nachkriegszeit war geprägt von Improvisation und Gemeinschaft. In Osteel diente zunächst ein Scheunentrakt als Feuerwehrhaus, bis 1967 ein neues Gerätehaus eingeweiht wurde. Auch in Leezdorf entstand ein eigenes Feuerwehrhaus, die technische Ausstattung wurde stetig verbessert. Mit dem Opel Blitz und später einem modernen Mercedes LF 8 begann das Zeitalter motorisierter Einsatztechnik. 1969 wurde in Osteel die erste Jugendfeuerwehr gegründet – ein wichtiger Schritt für die Nachwuchsarbeit.

Die 1970er und 1980er Jahre waren von großen Einsätzen wie der Sturmflut 1962, der Schneekatastrophe 1979 und zahlreichen Großbränden geprägt. Der Zusammenhalt wurde durch Feste, Wettkämpfe und gemeinsame Aktionen gestärkt.

Elbeflut und Tornado

Ab den 1990er-Jahren hielt die Digitalisierung Einzug: Funkgeräte, neue Fahrzeuge und ein wachsender Ausbildungsstand machten die Wehren zu leistungsfähigen Einheiten. Einsätze bei der Elbeflut 2002, beim Tornado in Berumerfehn 2021 oder bei Sturm „Nadörst“ 2022 zeigen, dass die Feuerwehr auch heute mit moderner Technik und großem Engagement zur Stelle ist. Die Corona-Pandemie stellte die Wehr vor neue Herausforderungen, doch der Teamgeist blieb ungebrochen.

„Mit der Wiedervereinigung zur Feuerwehr Brookmerland Nord entsteht nun eine schlagkräftige Einheit mit modernem Gerätehaus, zukunftsfähiger Technik und starker Nachwuchsarbeit“, schreibt Müller.

Norbert Müller hat die Chronik verfasst. Foto: privat
Norbert Müller hat die Chronik verfasst. Foto: privat

Müller, Jahrgang 1967, ist seit seinem zehnten Lebensjahr Mitglied der Feuerwehr Osteel. Er war nicht nur aktiver Feuerwehr, sondern auch Pressewart und Schriftführer der Wehr und entwickelte ein großes Interesse an der historischen Dokumentation des Feuerwehrwesens, das in der Erstellung der jetzt erschienenen Chronik mündete. Wer sich für das Werk interessiert, kann sich per E-Mail an norbert.mueller@ewetel.net wenden.

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