Klinik-Standort stabil  So ist die Entwicklung im RGZ Norden

| | 16.10.2025 18:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
RGZ-Leiterin Veronika Bernhardt-Wilts und der Chefarzt der Klinik-Notaufnahmen, Dr. Alexander Dinse-Lambracht, führten durch die Räume des RGZ in Norden, hier ein Zimmer der Notaufnahme. Foto: Aiko Recke
RGZ-Leiterin Veronika Bernhardt-Wilts und der Chefarzt der Klinik-Notaufnahmen, Dr. Alexander Dinse-Lambracht, führten durch die Räume des RGZ in Norden, hier ein Zimmer der Notaufnahme. Foto: Aiko Recke
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Im Jahr 2023 wurde die Ubbo-Emmius-Klinik in Norden in ein Regionales Gesundheitszentrum umgewandelt. Jetzt zogen die Verantwortlichen eine Bilanz und geben einen Ausblick.

Norden - Wie geht es mit dem Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) am früheren Klinikstandort Norden weiter? Geht es überhaupt weiter? Diese Frage trieb monatelang Politik und Förderverein der UEK Norden um. Auch die Sorge in der Bevölkerung war groß, ab 2026 ganz ohne Versorgung dazustehen. Jetzt hat die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden Entwarnung gegeben. Mehr noch: Gut zwei Jahre nach Umwandlung des Norder Krankenhauses in ein RGZ wurde eine durchweg positive Bilanz gezogen. Alle wichtigen Kennzahlen hätten sich positiv entwickelt, berichteten RGZ-Leiterin Veronika Bernhardt-Wilts und der Chefarzt der Notaufnahmen, Alexander Dinse-Lambracht, am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Demnach haben sich sowohl die Anzahl der Fälle als auch die durchschnittliche Auslastung deutlich nach oben entwickelt. Waren es im zweiten Halbjahr 2023 noch 533 Fälle, die im RGZ behandelt wurden, stieg die Zahl im vergangenen Jahr 2024 auf 1034 Fälle und wird nach derzeitiger Hochrechnung am Ende des Jahres 2025 bei 1135 Fällen liegen. Die Auslastungsquote stieg von 67 Prozent im zweiten Halbjahr 2023 auf 76 Prozent im Jahr 2024 und sogar 80 Prozent Ende dieses Jahres, sagte Bernhardt-Wilts.

„Das Konstrukt funktioniert“

Auch der sogenannte Case-Mix-Index (CMI) habe sich deutlich verbessert. Der CMI ist eine wichtige Kennzahl im Gesundheitswesen, die die durchschnittliche Schwere der Fälle über einen bestimmten Zeitraum darstellt. Der CMI dient als Indikator für die Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses oder einer Fachabteilung und hilft bei der Bewertung des Ressourcenaufwands, ist also wichtig für die Planung und Finanzierung. Außerdem bildet dieser Wert ab, wie krank die Menschen sind, die im RGZ behandelt werden. Einfach gesagt: Je höher der Wert ist, desto besser ist es wirtschaftlich gesehen für das Krankenhaus. Der CMI-Wert stieg von 278 Punkten im zweiten Halbjahr 2023 über 557 im vergangenen Jahr auf prognostizierte 650 Punkte Ende 2025.

„Wir haben das Gefühl, dass das Konstrukt, das wir uns ausgedacht haben, funktioniert – gerade auch im Vergleich mit anderen Regionalen Gesundheitszentren“, fasste Dinse-Lambracht die Zahlen zusammen. Er geht davon aus, dass das im Jahr 2026 so weitergehen wird – auch wenn der Förderbescheid des Landes Niedersachsen für den sicheren Fortbestand des RGZ noch nicht vorliegt. „Wir haben die mündliche Zusage des Ministers“, sagte Veronika Bernhardt-Wilts. Der Antrag aus Norden liege gerade beim Minister und werde dort bearbeitet. Sie rechnet im kommenden Monat mit dem Bescheid über die Förderung. „Wir werden in jedem Fall eine Förderung für das kommende Jahr bekommen“, bekräftigte Dinse-Lambracht. Weil das so ist, gebe es auch keinen Plan B, fügte er hinzu.

Chefarzt hofft auf Fortsetzung des RGZ bis zur Eröffnung der Zentralklinik

Wie es darüber hinaus weitergeht, sei angesichts der anstehenden Krankenhaus- und Gesundheitsreform nicht vorhersehbar. „Natürlich wäre es schön zu wissen, dass wir alles sicher haben bis zur Eröffnung der Zentralklinik“, räumte Dinse-Lambracht ein. Es sei aber auch spannend, die Krankenhaus- und Gesundheitsreform hier live mitzuerleben. Der Wechsel der Bundesregierung habe noch einmal gesetzliche Veränderungen ergeben. Das sei wie eine Operation am offenen Herzen. „Momentan haben wir aber das Gefühl, wir haben im Griff, was da operiert wird“, sagte Dinse-Lambracht.

Hell und freundlich: Leitender Arzt Patrick Hofmann zeigte einen Gemeinschaftsraum auf der Palliativstation. Foto: Aiko Recke
Hell und freundlich: Leitender Arzt Patrick Hofmann zeigte einen Gemeinschaftsraum auf der Palliativstation. Foto: Aiko Recke

Geht es nach dem Chefarzt der Klinik-Notaufnahmen, geht der Betrieb des RGZ bis zur geplanten Eröffnung der Zentralklinik im Jahr 2029 weiter. „Mit dem, was wir hier jetzt haben, haben wir das Gefühl, dass wir das Richtige tun“, betonte Dinse-Lambracht. Ob das mit den vom Bund geplanten sektorenübergreifenden Versorgungszentren auch funktionieren wird, ist noch unklar. Für die Zeit danach ist laut Dinse-Lambracht völlig klar: „Der Feststellungsbescheid unserer Förderzusage für das Zentralklinikum ist, dass danach keine stationäre Versorgung andernorts stattfindet.“ Das ist gleichbedeutend mit dem Aus für das Regionale Gesundheitszentrum Norden inklusive der Notfallambulanz.

Dinse-Lambracht: RGZ Norden hilft auch Aurich und Emden

Dass dieses Aus den Förderverein der UEK Norden veranlasst hat, am Sonnabend, 25. Oktober, zu einer Demonstration zur Gesundheitsversorgung in Norden aufzurufen, kann Dinse-Lambracht nur bedingt verstehen. „Ich verstehe, dass die Menschen Angst um ihre Versorgung haben“, sagte er. Auch die Tatsache, dass sich die Menschen eine wohnortnahe Versorgung wünschen, ist aus Sicht des Arztes nachzuvollziehen. „Wenn diese wohnortnahe Versorgung aber nicht verlässlich ist, ist sie auch keine gute Versorgung“, betonte der Chefarzt. Es sei aber das gute Recht, für die eigenen Interessen auf die Straße zu gehen und seine Meinung kundzutun und das sei auch gut so, sagte Dinse-Lambracht.

Viel wichtiger sei es für ihn, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die er beeinflussen kann. Wie etwa die Tatsache, dass der Rettungsdienst ein Fahrzeug mehr hat, dass der Krankentransport von der Notfallrettung getrennt ist, so dass es mehr Verfügbarkeit für Notfallrettungen gibt. „Ich kann dafür sorgen, dass unsere Notaufnahmen in Aurich und Emden so optimiert werden, dass wir die Patienten aufnehmen können, die dahin müssen, weil sie die schweren Erkrankungen haben, dass wir die Herzkatheter-Untersuchung 24 Stunden am Tag zur Verfügung haben, dass die Stroke-Unit für einen Schlaganfall offen ist“, sagte Dinse-Lambracht.

Im RGZ Norden sei es so, dass etwa die Hälfte der Patienten nach der ambulanten Behandlung wieder nach Hause gehen kann, die andere Hälfte werde stationär aufgenommen, davon werden etwa acht Prozent mit dem Rettungswagen nach Aurich oder Emden gebracht. Dabei gibt es für Aurich und Emden mittlerweile eine klare Dienstanweisung, so der Chefarzt: „Patienten aus Norden werden aufgenommen.“ Diskussionen um freie Betten gibt es diesbezüglich nicht. Jeder Patient, der eine der drei Notaufnahmen betritt, wird laut dieser Dienstanweisung als „gemeinsames Problem“ wahrgenommen. Denn auch das habe sich laut Dinse-Lambracht in den vergangenen zwei Jahren erwiesen: „Das RGZ Norden ist total hilfreich für die Kliniken in Aurich und Emden und eine echte Entlastung für die dortigen Notaufnahmen.“

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