Osnabrück  So teuer sind Mieten im Landkreis Osnabrück – der Überblick für alle Gemeinden

Frank Wiebrock
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Von Frank Wiebrock
| 16.10.2025 15:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Teuer und ganz sicher kein Vergnügen: Wer aktuell eine neue Wohnung sucht, muss sich mit weiter gestiegenen Mietforderungen arrangieren. Foto: dpa/Oliver Berg
Teuer und ganz sicher kein Vergnügen: Wer aktuell eine neue Wohnung sucht, muss sich mit weiter gestiegenen Mietforderungen arrangieren. Foto: dpa/Oliver Berg
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Im Landkreis Osnabrück steigen die Angebotsmieten für Wohnungen weiter. Aber es gibt große Unterschiede zwischen Nord und Süd, zwischen stadtnah und stadtfern. Und Bad Rothenfelde festigt seinen Ruf als schöner, aber auch teurer Wohnort.

Nicht nur in der Stadt Osnabrück, auch im Landkreis steigen die Mieten weiter – aktuell sogar schneller als in der Stadt. Die guten Nachrichten: Immerhin liegen die aufgerufenen Preise pro Quadratmeter bei Neuvermietungen im Landkreis im Durchschnitt immer noch teils deutlich unter dem Stadtschnitt. Und während die Entwicklung in der Stadt immer noch ungebrochen nach oben zeigt, haben die Mietforderungen im Landkreis Mitte des Jahres einen Zenit überschritten und sind seitdem leicht gesunken. Trotzdem: Sie liegen erneut deutlich über Vorjahresniveau.

Für diese Analyse haben wir das Datenmaterial des Immobilienportals Immoscout24 ausgewertet. Wichtig: Es geht um die sogenannten Angebotsmieten, also um die Quadratmeterpreise, die Vermieter für auf dem Portal angebotene Wohnungen pro Quadratmeter fordern.

Die Zahlen spiegeln das Preisniveau bei Neuvermietungen wider. Nicht berücksichtigt wird also, was Menschen bezahlen, die seit Jahren in derselben Wohnung leben. Und noch etwas lässt sich aus den Zahlen des Immobilienportals nicht ablesen: Beruhen die Werte auf vielen oder eher wenigen Offerten? Und wie ist eigentlich die Größenverteilung und Altersstruktur der Wohnungen? Denn nach wie vor gilt, dass große oder alte Wohnungen in der Regel pro Quadratmeter günstiger vermietet werden als kleine oder neue Wohnungen. Und natürlich werden Wohnungen, die nicht über das Portal angeboten wurden, nicht berücksichtigt. All das erklärt auch, warum die Angebotsmieten in der Regel über den in Mietpreisspiegeln genannten Vergleichsmieten liegen, die statistisch ohnehin ein Blick in die Vergangenheit sind.

Wie sieht es also im Landkreis aus? Die Durchschnitts-Angebotsmieten sind im dritten Quartal 2025 bei 7,80 Euro angekommen. Zwölf Monate zuvor lagen sie noch bei 7,55 Euro, ein Plus von 3,3 Prozent. Gegenüber der Durchschnittsforderung von vor vier Jahren (drittes Quartal 2021: 6,65 Euro) ist das eine Steigerung von 14,7 Prozent. Insgesamt hat sich die Preisentwicklung bei den Angebotsmieten derzeit etwas abgeflacht, tatsächlich liegen die Forderungen der Vermieter aktuell sogar etwas unterhalb derer zur Mitte des Jahres.

Wenig überraschend liegen die Mietforderungen im Landkreisschnitt auch deutlich unterhalb der Angebotsmieten in der Stadt Osnabrück. Dort werden aktuell im Schnitt 8,52 Euro, also rund 1,70 Euro mehr pro Quadratmeter aufgerufen. Allerdings sind in Osnabrück die Angebotsmieten im vergangenen Jahr „nur“ um 2,2 Prozent gestiegen. Verkleinert hat sich der Abstand zwischen den Mietpreisen in Stadt und Land trotzdem nicht, er hat sich sogar minimal vergrößert: Im Durchschnitt sind es aktuell 1,72 Euro pro Quadratmeter mehr, die in der Stadt bei Neuvermietungen gegenüber dem Landkreis verlangt werden.

Auch im Vergleich zum Landesschnitt steht der Kreis vergleichsweise gut da: In Niedersachen werden im Durchschnitt aktuell 8,25 Euro pro Quadratmeter gefordert, 1,45 Euro mehr als im Kreis. Und die Kurve zeigt deutlich stärker nach oben: Niedersachsenweit stiegen die Angebotsmieten in den vergangenen zwölf Monaten um 4,4 Prozent, in den vergangenen vier Jahren sogar um 15,6 Prozent.

Wie sieht es in den Nachbarkreisen aus? Im Emsland werden aktuell durchschnittlich 7,81 Euro gefordert, im Kreis Cloppenburg 7,64 Euro, im Kreis Vechta 8 Euro, im Kreis Diepholz 8,45 Euro, im Kreis Minden-Lübbecke 7,66 Euro, im Kreis Herford 7,53 Euro, im Kreis Gütersloh 8,51 Euro, im Kreis Warendorf 8,27 Euro und im Kreis Steinfurt 8,15 Euro. Nur in drei Kreisen (Cloppenburg, Minden-Lübbecke, Herford) ließe sich – immer bezogen auf den Durchschnittswert – aktuell günstiger eine Wohnung mieten als im Kreis Osnabrück.

Der Blick auf den Kreisdurchschnitt verschleiert aber, dass es auch im Landkreis signifikante Unterschiede zwischen den Kommunen gibt. Das Spektrum reicht von durchschnittlich 6,48 Euro in Fürstenau bis zu 8,66 Euro in Bad Rothenfelde – ein Unterschied, der bei einer 100-Quadratmeterwohnung 218 Euro pro Monat ausmachen würde. In dieser Beziehung sind beide Kommunen alte Bekannte: Fürstenau ist schon häufiger mit vergleichsweisen günstigen Durchschnittsmieten aufgefallen, Bad Rothenfelde gilt für Mieter dagegen schon lange als teures, wenn nicht sogar das teuerste Pflaster im Landkreis.

Apropos Bad: Mit einer durchschnittlichen Angebotsmiete von 8,47 Euro erreichte Bad Iburg fast Bad Rothenfelder Niveau, mit 7,87 Euro sind die Durchschnittsmieten im nahen Bad Laer schon deutlich günstiger. Bad Essen fällt dagegen mit 7,01 Euro deutlich ab, möglicherweise aufgrund der Entfernung zum Oberzentrum Osnabrück.

Denn generell gilt: Im Nordkreis ist das Wohnen oft günstiger als im Süden. Und im Osnabrücker Speckgürtel schlägt die unmittelbare Nähe zur Hasestadt deutlich auf die geforderten Mieten durch. So liegen die aktuell durchschnittlich geforderten Mieten in Alfhausen, Ankum, Bad Essen, Badbergen, Berge, Bersenbrück, Bippen, Eggermühlen, Fürstenau, Glandorf, Hilter, Kettenkamp, Menslage, Merzen, Neuenkirchen, Nortrup, Ostercappeln, Rieste und Voltlage unter dem Kreisschnitt und in Gehrde, Quakenbrück, Melle, Bohmte, Bramsche und Bad Laer annähernd auf Kreisschnitt. Acht Euro und mehr werden dagegen aktuell schon im Durchschnitt nicht nur in Bad Rothenfelde, sondern auch in Bad Iburg, Belm, Bissendorf, Dissen, Georgsmarienhütte, Hagen, Hasbergen und Wallenhorst aufgerufen.

Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren durchschnittliche Angebotsmieten von über sieben Euro noch die Ausnahme, die nur in Bad Rothenfelde deutlich und in Bad Iburg, Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hasbergen und Wallenhorst knapp erreicht wurden. Inzwischen sind durchschnittliche Angebotsmieten von über sieben Euro pro Quadratmeter in fast allen Kommunen die Regel.

Wo geht es besonders günstig? Sucht man nach den günstigsten Offerten, markiert Merzen mit 6,41 Euro pro Quadratmeter aktuell die untere Grenze. Angebote unter sieben Euro pro Quadratmeter fanden sich nach den Daten von Immoscout24 ebenfalls in Ankum (6,95 Euro), Berge (6,94 Euro), Bippen (6,46 Euro), Bohmte (6,55 Euro), Bramsche (6,98 Euro), Eggermühlen (6,77 Euro), Fürstenau (6,30 Euro), Hilter (6,76 Euro), Melle (6,80 Euro), Neuenkirchen (6,98 Euro), Ostercappeln (6,92 Euro) und Voltlage (6,52 Euro). Auf der anderen Seite ist Bad Rothenfelde die einzige Kommune im Kreis, in der unter acht Euro gar nichts geht.

Die teuersten Angebote fanden sich dagegen in Georgsmarienhütte mit 12,71 Euro pro Quadratmeter. Ebenfalls über zwölf Euro pro Quadratmeter werden zumindest gelegentlich auch in Bad Rothenfelde, Belm, Bissendorf, Hasbergen und Wallenhorst verlangt. Lediglich in Merzen, Eggermühlen und Fürstenau blieben auch die teuersten Offerten noch unter zehn Euro pro Quadratmeter.

Auffällig ist dabei, dass die prozentuale Preissteigerung in den vergangenen vier Jahren mit 14,2 bis 14,9 Prozent in allen Kommunen im Kreis annähernd identisch war. Das bedeutet aber auch, dass der Abstand zwischen den Quadratmeterpreisen zwischen den günstigen und den teuren Kommunen aktuell langsam wächst.

Werfen wir einen Blick auf die Spreizung, also den Abstand zwischen der höchsten und der niedrigsten geforderten Miete pro Quadratmeter. Sie liefert zumindest ein Indiz, wie homogen oder vielfältig die Mietforderungen in den einzelnen Kommunen sind. Sie ist in Kettenkamp mit 2,97 Euro am geringsten und in Belm mit 5,19 Euro und Georgsmarienhütte mit 5,12 Euro am höchsten. Dabei fallen die Hüttenstadt und Belm nicht durch besonders günstige, sondern durch zumindest vereinzelt sehr teurer Angebote jenseits der zwölf Euro pro Quadratmeter auf. Solche Preise scheinen in Kettenkamp aktuell nicht durchsetzbar zu sein

Zwei Kommunen tauchten in dieser Analyse bislang nicht auf: Lotte und Westerkappeln. Auch wenn sie zum Kreis Steinfurt und damit zu Nordrhein-Westfalen gehören: Sie sind Teil des Osnabrücker Speckgürtels. Und das merkt man an den Mieten: In beiden Kommunen liegt der Durchschnitt der Angebotsmieten bei über acht Euro pro Quadratmeter. Mit knapp über 13 Euro für die teuerste Offerte überbietet Lotte auch Georgsmarienhütte. Und erreicht damit städtisches Niveau.

Zumindest was die Angebotsmieten angeht, lohnt das Ausweichen nach Nordrhein-Westfalen also nicht zwangsläufig.

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