Wölfe Norderneyer Wolf gehört jetzt zum Friedeburger Rudel
Der neue Chef im Friedeburger Wolfsrudel machte im vergangenen Jahr durch seine Ausflüge nach Norderney Schlagzeilen. Eigentlich kommt er aber ganz woanders her.
Friedeburg - Der neue Rüde im Friedeburger Wolfsrudel hat eine gewisse Prominenz: Es ist das im Sommer 2024 als „Norderneyer Wolf“ bekannt gewordene Tier. Das geht aus den Daten des Wolfsmonitorings hervor, mit dem die Landesjägerschaft Niedersachsen den Bestand der Raubtiere dokumentiert. Der ursprüngliche Rüde des Friedeburger Rudels taucht im Monitoring seit einiger Zeit nicht mehr auf. Sein Verbleib ist unklar.
Seit Kurzem wird dort nun ein Wolf mit der Kennung GW3824m als Rüde des Rudels geführt. Also eben jener Wolf, der im Juni 2024 mehrfach in einer Fotofalle auf der Insel Norderney auftauchte und auch nachweislich an der Küste hin und her wanderte. „Dieser Rüde ist jetzt territorial“, bestätigt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft. Dabei verweist er auch auf die jüngsten Nutztierrisse im Umfeld des Friedeburger Rudels. Wie aus den öffentlich einsehbaren Daten der niedersächsischen Umweltkarte hervorgeht, hinterließ GW3824m bei vier der fünf Nutztierrisse im August und September 2025 seine DNA an den toten Tieren. Die Vorfälle ereigneten sich in der Gemeinde Friedeburg und im Umfeld der nahen Stadt Wittmund.
Woher kommt der Rüde?
Dass dieser spezielle Wolf so bekannt ist, hat auch damit zu tun, dass die niedersächsische Nationalparkverwaltung sich mit ihm beschäftigte. Als das Tier im Juni 2024 überraschend auf der Insel Norderney auftauchte, sammelten Nationalparkranger Haarproben ein und schickten sie für eine genetische Analyse an ein Labor. Ergebnis: Es handelte sich um einen männlichen Welpen des Hechtel-Eksel-Rudels aus 2023 in Belgien, bekannt unter der Kennung GW3824m.
Die Wanderung des Rüden von Belgien über die Niederlande an die ostfriesische Nordseeküste lässt sich anhand seiner Kennung nachvollziehen. Auf dem Weg hat er seine DNA immer wieder an gerissenen Nutztieren hinterlassen. Von Norderney selbst sind keine Nutztierrisse durch diesen Wolf bekannt; wohl aber von mehreren Vorfällen an der Küste, in Hilgenriedersiel etwa oder bei Friederikensiel. Seit August vergangenen Jahres tauchte seine DNA dann allerdings nirgends mehr auf.
Neues Friedeburger Rudel
Weit ist er seitdem offenbar nicht gekommen. Etwa 50 Kilometer landeinwärts lebt in der Gemeinde Friedeburg seit einigen Jahren das einzige bestätigte Wolfsrudel auf der ostfriesischen Halbinsel. Die beiden ursprünglich bekannten Elterntiere – beide per DNA-Nachweis mit individueller Kennung versehen – gehören nicht mehr dazu. Das Wolfsmonitoring führt sie jedenfalls nicht auf. Da in diesem Jahr aber nachweislich vier neue Welpen geboren wurden, müssen sich zwei neue Elterntiere zusammengefunden haben.
Einen konkreten Nachweis, dass der Norderneyer Wolf tatsächlich der Vater der Welpen ist, gibt es nach Auskunft von Raoul Reding bisher nicht. Sein noch jugendliches Alter scheint da aber keine Hürde zu sein. Bei der Familiengründung wäre der Rüde gerade mal zwei Jahre alt gewesen. „Natürlich ist das möglich“, sagt Reding. Die Tiere könnten sich schon ab einem Alter von einem Jahr fortpflanzen. Ein Rüde müsse dafür aber auch erst mal eine Fähe finden.
Wunsch nach Abschuss
Möglicherweise sind die Tage des Norderneyer Wolfs – jetzt eigentlich: des Friedeburger Wolfs – auch schon gezählt. Der Landwirtschaftliche Hauptverein (LHV) für Ostfriesland hat Anfang Oktober 2025 beim Landkreis Wittmund den Abschuss eines Wolfs beantragt. Ein besonderes Individuum nennt der Verband nicht, bezieht sich aber ausdrücklich auf die jüngsten Nutztierrisse im Umfeld des Friedeburger Rudels. Stand 16. Oktober 2025 hat der Landkreis diesen Antrag nicht genehmigt. Aus einer früheren Stellungnahme geht aber hervor, dass die Kreisverwaltung dem Wunsch der Landwirte gern nachkommen möchte.
Konkret heißt es in der Mitteilung aus dem Kreishaus: „Der Landkreis möchte einen für die Risse von Rindern verantwortlichen Wolf, mutmaßlich aus dem Friedeburger Rudel, abschießen lassen und dies so schnell wie möglich offiziell verfügen und bekannt machen – auch auf die Gefahr hin, mit dieser Maßnahme vorm Verwaltungsgericht zu scheitern, weil die auf Bundesebene noch zugesagten gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür fehlen.“
Hintergrund dieses Nachsatzes: Üblicherweise wird gegen Abschussgenehmigungen für Wölfe sehr schnell Klage eingereicht. Auch für das Friedeburger Rudel gab es 2022 schon einmal eine solche Genehmigung. Auch sie wurde beklagt und beschäftigte sogar zwei Gerichte. Allerdings hat sich seitdem einiges getan: Erst diese Woche, am 13. Oktober 2025, übermittelte Deutschland an die EU-Kommission den sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der kontinentalen Region. Aus dem Bundesumweltministerium heißt es dazu, dass die Feststellung des günstigen Erhaltungszustands es den Ländern künftig leichter mache, mit Wölfen umzugehen, die Weidetiere reißen.