Osnabrück Theo Janotta beim VfL Osnabrück: Ein Abwehr-Architekt in Ausbildung
Zugang Theo Janotta von BW Lohne hat sich beim VfL Osnabrück in der Startelf festgespielt - und zeigt beachtliche Leistungen in der 3. Liga. Zum Fußballprofi führte für den 22-Jährigen kein gradliniger Weg. Mit Klarheit, Beharrlichkeit und unerschütterlicher Ruhe hat er sein Ziel dennoch erreicht - und ist längst nicht am Ende seines Weges.
Eingewechselt, wichtiges Kopfballduell gewonnen und den Angriff zum entscheidenden 3:1 eingeleitet - besser hätte für Theo Janotta vom VfL Osnabrück das Debüt im bundesweiten Profifußball vor knapp vier Wochen kaum laufen können. „Wie wir dann jubelnd auf die feiernde Fankurve zugelaufen sind, war ein unglaublicher Moment“, sagt der 1,96-Meter-Mann, als er sich an das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue (3:1) erinnert - in fast schon emotionalen Worten für den 22-Jährigen, den sonst kaum etwas aus der Ruhe bringt.
Trainer Timo Schultz hatte den Zugang von BW Lohne in Erwartung vieler hoher Bälle zur Ergebnissicherung erstmals eingewechselt - auf der Sechserposition. Seit diesem Moment hat Janotta keine VfL-Pflichtspiel-Minute verpasst in jener Elf, die in der folgenden Englischen Woche sieben Punkte aus drei Spielen holte. Janotta rückte nach zwischenzeitlichen Ausfällen von Niklas Wiemann und Robin Fabinski in die Dreierkette: Erneut nicht auf seiner Stammposition im Zentrum, sondern als rechter Innenverteidiger.
„Das habe ich früher auch schon mal gespielt, wobei dort die Anforderungen etwa im Nach-Vorn-Verteidigen natürlich andere sind - wie generell in der 3. Liga die Intensität in den Zweikämpfen und die geforderte Passschärfe“, sagt Janotta. Die Mitspieler hätten es ihm allerdings sehr leicht gemacht, ins Team zu kommen, sagt er: Mit Jannik Müller im Zentrum und Patrick Kammerbauer auf der Seite hat der Youngster in den Spielen in der Tat die geballte Erfahrung neben sich. Aber Janotta besticht auch selbst mit guter Ausstrahlung, Lufthoheit, konsequenter Zweikampfführung, starker Antizipation sowie Ball- und Passsicherheit.
Das war nicht abzusehen, nachdem er nach den ersten absolvierten Spielen den Status als Innenverteidiger Nummer fünf inne hatte. „Zu Saisonbeginn hat der Trainer mit mir gesprochen und gesagt, dass er im Zentrum Jannik Müller mit seiner Qualität und Erfahrung vorne sieht, was für mich nachvollziehbar war. Also musste ich mich reinarbeiten“, sagt der gebürtige Bremer. Individuelle Extra-Schichten mit Athletiktrainer Tim Schütte zu den Themen Schnellkraft, Tempo und Richtungswechsel absolviert er auch in diesen Tagen noch abseits des Teamtrainings.
Vor etwas mehr als zwei Jahren hat Janotta beim VfL Oldenburg noch in der Oberliga gespielt. Als Kind jagte er beim VfL Wildeshausen dem Ball nach, ehe er ab der U10 bis zur U15 das Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen besuchte. „Bis es dafür irgendwann einen Fahrdienst gab, hat mich meine Mutter damals immer eine halbe Stunde von zu Hause hingebracht“, berichtet der aus Dötlingen bei Wildeshausen stammende Kicker.
Sein Vater war auch begeisterter Fußballer: Im Mittelfeld, wo Janotta selbst lange in der Jugend aktiv war. „Ich war eigentlich immer der Kleinste, bin aber mit etwa 16 Jahren plötzlich nach oben geschossen. Dann hat mich der Trainer irgendwann in die Innenverteidigung gestellt“, berichtet Janotta. Zu jener Zeit hatte Werder nicht mehr auf ihn gesetzt, Janotta kickte in Oldenburg - in den letzten Jugendjahren beim vom VfB getragenen JFV Nordwest.
Der Profifußball war zu jener Zeit relativ weit entfernt - so begann Janotta nach seinem Abitur an der Hochschule in Oldenburg ein Architekturstudium. Aktuell schreibt er seine Bachelorarbeit. „Die mache ich in jedem Fall fertig - das geht gut nebenbei, weil ich dafür nicht mehr vor Ort an der Hochschule anwesend sein muss“, berichtet Janotta. Zuvor ließ sich auch das Vor-Ort-Studium gut mit dem Fußball vereinbaren - auch in den zurückliegenden zwei Jahren als Regionalliga-Kicker bei BW Lohne, wo er als zentraler Mann in der Dreierkette den entscheidenden Entwicklungsschritt zum Profi machte.
„Das war eine geile Truppe mit riesigem Zusammenhalt: Ich bin noch mit vielen Spielern in Kontakt und auch ab und zu vor Ort“, sagt Janotta über den Klub aus dem Oldenburger Münsterland, mit dem er im letzten Spiel den VfL schlug: Beim 4:2-Sieg im Landespokal-Finale im Sommer traf er selbst per Kopf. Trotz weiterer Anfragen aus der 3. Liga hatte er sich schon zuvor für Osnabrück als nächste Station entschieden - aus mehreren Gründen: Die Nähe zur Heimat, die großartige Stimmung bei Heimspielen - und die guten Gespräche mit den Verantwortlichen, auch mit dem zur damaligen Zeit amtierenden VfL-Trainer Marco Antwerpen.
„Natürlich fragt man sich zuerst, was jetzt passiert, wenn plötzlich der Trainer weg ist, der einen geholt hat. Aber auch mit Timo Schultz war der Austausch direkt top, er ist ein absoluter Glücksgriff für uns“, sagt Janotta. Auch der neue VfL-Coach sieht die Idealposition für den 1,96-Meter-Mann im Zentrum, schätzt aber die Flexibilität, Lernwilligkeit und vor allem die Klarheit des Defensivspielers. So ließ Schultz den 22-Jährigen nach seinem gelungenen Debüt einfach weiter spielen - mit Erfolg und dem willkommenen Nebeneffekt, dass Janotta dort noch besser vom bundesliga-erfahrenen Nebenmann Müller lernen und dessen Spielweise im Defensivzentrum aus nächster Nähe studieren kann.
Etabliert er sich weiterhin im Profifußball, will er sein Architektur-Studium nach dem Bachelor ruhen lassen. Auf Osnabrück hat er sich jedenfalls voll eingelassen: „Ich wollte mal zu Hause ausziehen“, sagt Janotta augenzwinkernd über seine Wohnung in der Stadt - und auch bei den Herausforderungen der Haushaltsführung studiert er alle verfügbaren Quellen: „Kochen zum Beispiel macht sogar richtig Spaß - für Variationen gibt es gute Youtube-Videos zur Inspiration.“