Digitalisierung der Gerichte  E-Akte soll Auricher Justiz zukunftssicher machen

| | 15.10.2025 10:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beim Landgericht Aurich wurde nun in Strafsachen die E-Akte eingeführt. Foto: Aiko Recke
Beim Landgericht Aurich wurde nun in Strafsachen die E-Akte eingeführt. Foto: Aiko Recke
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Die Einführung ging gut vonstatten, berichten Richter Markus Gralla vom Landgericht und Richterin Frieda König vom Amtsgericht. Die Umstellung wird Einfluss auf die Bürger haben, prognostizieren sie.

Aurich - Das Landgericht Aurich hat kürzlich in Strafsachen die E-Akte eingeführt. „Es handelt sich neben der Einführung des Computers um die größte Umstellung innerhalb der Justiz in den letzten Jahrzehnten“, so der Vorsitzende Richter am Landgericht, Markus Gralla. „Aber auch diese Aufgabe wird die Justiz meistern.“ Im Zivilrecht habe das Landgericht die E-Akte bereits im September 2023 in die Arbeitsabläufe integriert. Langfristig erwarte man von der E-Akte, das sie die Verfahrensdauer in sämtlichen Rechtsgebieten senke.

Die derzeitige Einführung beziehe sich auf den Bereich des Strafrechtes. Startschwierigkeiten gibt es in Aurich laut Gralla keine. Die Einführung der E-Akte sei unter dem Aspekt „Papier bleibt Papier“ eingeführt worden: Sämtliche Akten, die zum Startzeitpunkt als Papierakten geführt wurden, werden als Papierakten weitergeführt.

Verfahren mit E-Akte kommen allmählich

Die Verfahren, deren Akten digital geführt werden, gehen laut Gralla erst allmählich ein. „Wir erwarten daher die ersten Strafverfahren, die rein digital bearbeitet werden, ab Oktober 2025.“ Bislang arbeite man jedoch noch größtenteils in Papierform. Am Landgericht gebe es den Vorteil, dass man auf die Erfahrungen des Zivilbereichs zurückgreifen könne. Das dort eingeführte Programm (e²A) sei dasselbe wie im Zivilbereich.

Pressesprecherin und Richterin am Amtsgericht Aurich, Frieda König, hat ebenfalls Erfahrungen mit der E-Akte sammeln können. Dort werden alle Abteilungen bis Ende des Jahres auf die E-Akte umgestellt. Der Transformationsprozess sei in vollem Gange. Die Familienabteilung sei Anfang Mai 2025 umgestellt worden. Die Betreuungsabteilung oder die Nachlassabteilung hingegen arbeiteten erst seit Ende August digital, so König. Die Strafabteilung, die auch im Landgericht nun umgestellt wurde, ist seit September digital. „Eine pauschale Antwort auf die Frage, ob die elektronische Akte gut angekommen ist, kann daher zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht gegeben werden“, schreibt König.

Große Umstellung in der Justiz

Die Einführung der elektronischen Akte ist laut König eine große Systemumstellung. Der gesamte Arbeitsablauf aller Mitarbeiter werde dadurch verändert. Arbeitsabläufe, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, seien in den vergangenen Monaten zwangsweise grundlegend neu gestaltet worden. Es werde noch einige Zeit dauern, bis alle Arbeitsschritte wieder völlig optimiert seien. Die Umstellung der Akten im Bereich der Familienabteilung im Mai habe beispielsweise eine besonders hohe Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter zur Folge gehabt. Grund dafür sei, dass eine Familiensache in der Regel aus mehreren Unterverfahren bestehe und deshalb mehr Akten geführt werden müssten. Diese „Umtragungen“ in das elektronische System seien inzwischen jedoch alle bewältigt, sodass die Familiensachen derzeit im ganz normalen Zeitpensum abgearbeitet werden können.

Zur Vorbereitung auf die Umstellung auf die elektronische Akte sind alle Mitarbeiter des Amtsgerichts umfassend geschult worden, schreibt König. Die technische Infrastruktur sei in diesem Zuge ebenfalls modernisiert worden. Darüber hinaus werde es regelmäßig Schulungen je nach Bedarf geben.

E-Akte für effizientere Bearbeitung

Grundsätzlich lasse sich sagen, dass die e-Akte eine effizientere Bearbeitung der Verfahren ermöglicht, Ressourcen spart und die Transparenz verbessert, so König. Mit der E-Akte werde die Justiz zukunftsfest. Die Digitalisierung sorge für mehr Effizienz und Bürgerfreundlichkeit – ohne dabei die hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit aus den Augen zu verlieren. Man arbeite jeden Tag mit Hochdruck daran, die Umstellung auf die E-Akte für die Bürger so reibungslos wie möglich zu gestalten. „Sollte es in Einzelfällen zu Verzögerungen kommen, bitten wir um Geduld und danken für das uns entgegengebrachte Vertrauen“, so König.

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