Osnabrück Zwischen Sorge und Gelassenheit: So blicken Klinikum-Mitarbeiter auf den großen Umbruch
Die Krankenhaus-Landschaft in Osnabrück steht vor gewaltigen Umwälzungen. Ärzte aus dem städtischen Klinikum haben nun in einem offenen Brief scharfe Kritik geübt. Wie geht es den Mitarbeitern dabei? Das haben wir den Betriebsratsvorsitzenden gefragt.
Jürgen Breitkreuz arbeitete schon als Pfleger beim Klinikum Osnabrück, als es 1991 aus der Innenstadt zum Finkenhügel umzog. Der Betriebsratsvorsitzende hat schwere Krisen, große Investitionen und etliche Geschäftsführer erlebt. Doch das, was jetzt auf die Mitarbeiter zukommt, ist „der größte Umbruch seit vielen Jahrzehnten“, sagt er.
Unter dem großen wirtschaftlichen Druck, unter dem alle Krankenhäuser in Deutschland stehen, sollen die drei großen Häuser in Osnabrück und Georgsmarienhütte unter ein Dach schlüpfen. Die Stadt Osnabrück als Trägerin des Klinikums und der Niels-Stensen-Verbund in katholischer Trägerschaft wollen ihre jahrzehntelange Konkurrenz aufgeben und eine gemeinsame Holding gründen.
Das sorgt im Haus für Unruhe. „Früher waren wir Konkurrenten, ja manchmal sogar Feinde, und jetzt sollen wir plötzlich Freunde werden. Das geht nicht so einfach“, so Breitkreuz.
Die Unruhe manifestierte sich vorige Woche in einem offenen Brief an die Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und die Ratsfraktionen. Knapp zwei Dutzend Ärzte äußerten darin ihre Sorge, dass das Klinikum durch die geplanten Reformen wirtschaftlich geschwächt würde, an medizinischer Exzellenz verlöre und am Ende des Prozesses privatisiert werden könnte.
Politik, Geschäftsführung und Öffentlichkeit wurden von dem Brief überrascht. Auch die allermeisten der 3500 Beschäftigten wussten nichts von dem Vorstoß, der vor allem vom Osnabrücker Zentrum für muskuloskelettale Chirurgie (OZMC) ausging. Dieser Bereich ist – wie einige weitere auch – von der geplanten Umstrukturierung betroffen.
In den betroffenen Abteilungen sei die Unruhe am größten, sagt Betriebsratschef Jürgen Breitkreuz. „Das ist auch berechtigt und nachvollziehbar“, denn jede Veränderung löse Unsicherheiten und Ängste aus. Der Prozess stehe ganz am Anfang und viele Fragen könnten heute noch nicht beantwortet werden. „Dass sich da Mitarbeiter Gedanken machen, ist doch klar.“
Die Sorgen würden vom Betriebsrat ernst genommen und in die künftigen Gespräch eingebracht. Aber: Eine besondere Aufgeregtheit oder Zukunftsangst sei im Hause nicht zu spüren.
Im Gegenteil. Er nimmt nach eigenen Worten eher wahr, dass viele Mitarbeiter die Entwicklung positiv sehen und Kooperationen mit den Niels-Stensen-Häusern für sinnvoll halten – „in der Akademie zum Beispiel“. Bei der Ausbildung junger Menschen zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu ergänzen, hätte für Vorteile für alle.
Breitkreuz ist kraft Amtes stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er ist bestens informiert, kennt die Daten und den Laden seit 38 Jahren. Veränderungen hält er für nötig, ja „alternativlos“, um der Region die bestmögliche medizinische Versorgung langfristig zu sichern.
Und das gelinge nur, so Breitkreuz, unter einer Prämisse: „Das Geld muss in ein Portemonnaie.“ Was er damit sagen will: Das kommunale Klinikum und der kirchliche Verbund müssen – bei eigenen medizinischen Schwerpunkten – wirtschaftlich unter einem Dach zusammengeführt werden.
Der Osnabrücker Stadtrat hatte in seiner jüngsten Sitzung (16. September 2025) eine entsprechende Absichtserklärung („Letter of intent“) abgesegnet. Darin vereinbaren die beiden Krankenhausträger, eine gemeinsame Holding als Dachgesellschaft gründen zu wollen. Wie sie rechtlich ausgestaltet wird, ist noch offen. Die Holding soll die strategische Planung übernehmen, Kooperationen zwischen den Osnabrücker Krankenhäusern ausloten und einleiten. Die einzelnen Kliniken sollen selbstständig bleiben.
Grundlage der Strategieplanung ist ein Konzept, das in den Gremien als „Variante 3b“ firmiert. Demnach sollen das Klinikum, das Marienhospital und Franziskus-Hospital Harderberg jeweils eigene Schwerpunkte bilden. Das würde zu erheblichen Verschiebungen führen. Das Klinikum müsste unter anderem die Krebsmedizin, Orthopädie und orthopädische Chirurgie abgeben. Gerade das stößt im Hause auf Kritik.
Denn die planbaren orthopädischen Eingriffe sind ein wichtiger Gewinnbringer. Das gilt für viele Häuser. Die Verlagerung zum Franziskus-Hospital würde nach Meinung der Unterzeichner des offenen Briefes das Klinikum wirtschaftlich schwächen und die Versorgungsqualität für die Patienten mindern.
Betriebsrat Breitkreuz teilt diese Bedenken nicht. Auch das im Brief entworfene Szenario, das Klinikum solle womöglich auf eine Privatisierung getrimmt werden, hält er für abwegig. Er ist überzeugt, dass Stadtrat und Verwaltungsspitze „hundertprozentig“ an der kommunalen Trägerschaft festhalten wollen.
Die Beschäftigten aller drei Häuser können sich auf einer eigenen Internetseite über den Stand der Planungen informieren. Die Seite ist nur für Mitarbeiter freigeschaltet und zeigt Konzepte und Zeitpläne. Als Zieldatum wird dort das Jahr 2032 genannt.