Energieprojekte  Was ist aus den großen Plänen für Emden geworden?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 16.10.2025 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Richtfest für die Konverterstation von Amprion im Petkumer Hammrich im September 2025. Einige Energie-Projekte in Emden gehen zügig voran, bei anderen stockt es. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Richtfest für die Konverterstation von Amprion im Petkumer Hammrich im September 2025. Einige Energie-Projekte in Emden gehen zügig voran, bei anderen stockt es. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Für Emden sind viele Energieprojekte geplant. Wo stockt es? Wo geht es sichtbar voran? Und was kommt als Nächstes? Wir zeigen eine Übersicht.

Emden - Eine Zeit lang wurden Pläne für zig Energieprojekte in Emden vorgestellt. Viele Unternehmen waren ehrgeizig: Die Ersten wollten sie sein, die größte Anlage bauen, die Energiewende stark vorantreiben. Doch vielen Ideen ist die Puste ausgegangen, das Tempo ist raus. Häufig erfährt man nur häppchenweise von Planänderungen. Wir haben daher versucht, Informationen über die groß angepriesenen Projekte der vergangenen Jahre und ihren heutigen Status zu sammeln. Sollten wir ein Projekt außer Acht gelassen haben, bitte ein Hinweis an m.hanssen@zgo.de.

Livista und die Lithium-Raffinerie

Groß wurde die geplante Ansiedlung der ersten Lithium-Raffinerie ihrer Art in Deutschland gefeiert. Das Unternehmen Livista Energy Europe mit Hauptsitz in Luxemburg unterschrieb im Oktober 2023 mit dem landeseigenen Hafenbetreiber N-Ports den Erbbaurechtsvertrag für rund 30 Hektar Land im Wybelsumer Polder. 2026 sollte die Produktion des Lithiums, das unter anderem für E-Autobatterien verwendet wird, beginnen. Doch schon im Juli 2024 hieß es gegenüber dieser Redaktion, dass sich das Projekt verzögert. Jetzt ist klar: Es wird noch länger dauern.

Der Bau der geplanten Lithium-Raffinerie im Wybelsumer Polder ist derzeit aufgeschoben. Grafik: Livista
Der Bau der geplanten Lithium-Raffinerie im Wybelsumer Polder ist derzeit aufgeschoben. Grafik: Livista

Livista will sich zunächst auf den Bau einer Lithium-Raffinerie in Frankreich konzentrieren, bestätigt N-Ports-Sprecherin Dörte Schmitz auf Nachfrage. Sie erklärt: „Der zwischen Livista und N-Ports geschlossene Erbbaurechtsvertrag für den Bau einer Lithium-Raffinerie im Bereich des Wybelsumer Polders enthält Zeitlinien für die Umsetzungsphasen. Diese Zeitlinien in dem Erbbaurechtsvertrag wurden noch einmal angepasst, weil Livista sich entschlossen hat, zunächst eine Lithium-Raffinerie in Frankreich zu bauen.“ Livista habe ihnen gegenüber erklärt, zwei Lithium-Raffinerien in Europa bauen zu wollen, um Europa beim wichtigen Batterierohstoff Lithium unabhängiger zu machen, so Schmitz.

Auf dieser Grafik ist der Sachstand vom Sommer 2024 zu sehen. Die Batteriezellenfabrik soll jedoch nicht mehr gebaut werden und der Bau der Lithium-Raffinerie ist verschoben. Grafik: Kreativgruppe
Auf dieser Grafik ist der Sachstand vom Sommer 2024 zu sehen. Die Batteriezellenfabrik soll jedoch nicht mehr gebaut werden und der Bau der Lithium-Raffinerie ist verschoben. Grafik: Kreativgruppe

Livista selbst hat auf unsere Anfrage, die wir Ende August gestellt haben, noch immer nicht reagiert. Auf der Website des Unternehmens ist im November 2024 ein Bericht veröffentlicht worden, in dem vom Standort Le Havre geschwärmt wird. Im Juli berichtet Livista von einer Absichtserklärung, die man in Chengdu (China) mit der Tianqi Lithium Corporation über Roh-Lithium geschlossen habe. Ein Zeitplan zu Le Havre oder Emden ist nicht erkennbar.

Wasserstoff – wer ist noch dabei?

Das Thema Wasserstoff-Produktion war vor wenigen Jahren plötzlich in aller Munde. Mehrere Projekte für Emden waren geplant. So soll einer der niedersachsenweit größten zusammenhängenden Photovoltaik-Parks im Wybelsumer Polder entstehen. Aus dem Solarstrom soll Wasserstoff erzeugt werden. 2020 war dafür die Energiepark Emden GmbH von den Unternehmen GP Joule aus Schleswig-Holstein, Terravent aus Leer und der Brons-Gruppe aus Emden gegründet worden. Das Konglomerat schuf gemeinsam die Gesellschaft H2Nord, zu der unter anderem die Emder Tankstellen- und Mineralölhandels-GmbH Score gehört.

Energiepark Emden GmbH

Der Flächenvertrag mit der Energiepark Emden GmbH & Co. KG sei abgeschlossen, schreibt Dörte Schmitz von N-Ports. „Der Energiepark Emden hat mit dem erforderlichen Bauleitverfahren für dieses Projekt begonnen“, erklärt sie. Wir haben bei dem Unternehmen nachgefragt, ob die Genehmigung für den geplanten 10-MW-Elektrolyseur im Industriepark Frisia mittlerweile erteilt ist. Auch den Zeitplan für den PV-Park haben wir erfragt. Das war Ende August. Anfang September schrieb GP-Joule-Sprecherin Louisa Schröder: „Leider dauert es aufgrund der Urlaubszeit und der Abstimmung mit allen Gesellschaftern noch etwas, bis wir auf Ihre Fragen antworten können. Wir sind aber dran und werden Sie schnellstmöglich und zuerst über die aktuellen Projektentwicklungen informieren.“ Das ist bislang nicht passiert. Wir haben erneut nachgefragt und warten auf Rückmeldung.

Statkraft

Beim Biomasse-Heizkraftwerk von Statkraft sollte ebenfalls ein Wasserstoff-Elektrolyseur aufgebaut werden. Im Mai 2025 hatte das Unternehmen allerdings mitgeteilt, dass es die Entwicklung neuer Wasserstoffprojekte in Europa stoppe. Für Emden hatte es bereits eine Förderzusage der EU in Höhe von 107 Millionen Euro gegeben. „Die Fortführung der Emder Wasserstoffprojekte durch Investoren wird geprüft. Statkraft entwickelt zurzeit am bestehenden Kraftwerksstandort einen 10-MW-Pilotelektrolyseur und einen 200-MW-Elektrolyseur mit angeschlossener Wärmepumpe“, hieß es im Mai. Zum aktuellen Stand schreibt Statkraft-Sprecherin Angelika Frost: „Die Prüfung dauert derzeit noch an und die Entscheidung über eine Fortführung durch Investoren steht noch aus.“ Als Grund für die Zurückhaltung wird „Unsicherheit am Markt“ benannt. „Der Hochlauf eines wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffmarktes in Deutschland und in Europa verläuft deutlich langsamer als von den Marktteilnehmern erwartet“, erklärt Frost im Detail.

EWE

Ein gutes Stück weiter ist die EWE: Das Energieunternehmen aus Oldenburg hat im Hammrich zwischen Petkum und Borssum schon mit den vorbereitenden Arbeiten für den Bau einer 320-Megawatt-Elektrolyseanlage begonnen. Dafür wurde tonnenweise Sand aufgehäuft und durch Drainage-Vorrichtungen das Wasser aus dem Grund abgeführt. Die Tiefgründung soll noch in diesem Jahr starten, hieß es Ende August. Der Beginn der Wasserstoff-Erzeugung ist für 2027 geplant.

Score

Der Emder Tankstellenbetreiber Score will in Emden, Schortens, Brake und Cuxhaven Wasserstofftankstellen bauen. Der Bund fördert das mit knapp 5,4 Millionen Euro. In Schortens hat der Bau begonnen. Emden soll im Mai 2026 fertig sein, Brake und Cuxhaven im Dezember 2026, hieß es im Juni. Wasserstofftankstellen sollen bundesweit verteilt werden, damit insbesondere der Schwerlastverkehr, also etwa Busse und Lastwagen, überall tanken können. Dazu hat Score sich mit 13 Firmen zusammengetan, die in ganz Deutschland rund 1600 Tankstellen betreiben. Score hat im Nordwesten 51 Tankstellen.

Im Hammrich zwischen den Emder Stadtteilen Borssum und Petkum wird weiterhin viel für die Energiewende gebaut – unter anderem eine Konverterstation von Amprion. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Im Hammrich zwischen den Emder Stadtteilen Borssum und Petkum wird weiterhin viel für die Energiewende gebaut – unter anderem eine Konverterstation von Amprion. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Was machen die Netzbetreiber Tennet und Amprion?

Amprion ist gerade neben der Baufläche der EWE ebenfalls fleißig: Dort entsteht eine Konverterstation, die im zweiten Quartal 2026 in Betrieb genommen werden soll, wie es Ende August hieß. Auch hier wurde zunächst mit der Sandaufschüttung und Drainage begonnen. Im August 2024 war mit dem Hochbau begonnen worden, im September 2025 wurde Richtfest in den Hallen gefeiert. Anfang Oktober wurden per Schwertransport die ersten drei 196 Tonnen schweren Transformatoren vom Hafen in den Hammrich gebracht. Insgesamt sollen es 13 werden.

Ein Schwertransport von Amprion führt durch Borssum: Anfang Oktober wurde ein Trafo zur neuen Konverterstation im Hammrich gebracht. Foto: Amprion GmbH/Frank Peterschroeder
Ein Schwertransport von Amprion führt durch Borssum: Anfang Oktober wurde ein Trafo zur neuen Konverterstation im Hammrich gebracht. Foto: Amprion GmbH/Frank Peterschroeder

Tennet hat schon drei Konverterstationen im Borssumer Hammrich errichtet. Die großen grünen Hallen sind weiterhin zu sehen. Derzeit laufen die Voruntersuchungen für neue Freileitungs-Trassen durch Emden bis Dörpen (Emsland) als Teil des Projekts Ems-Leitung. Beim Rysumer Nacken, einer der letzten Flächen für mögliche Industrieansiedlungen in Emden, will Tennet noch zwei Umspannwerke bauen. Das bestätigt auch Dörte Schmitz von N-Ports. Tennet habe die Planung begonnen, schreibt sie. Die Umspannwerke seien im rückwärtigen Bereich des Rysumer Nackens geplant. Die genaue Lage müsse noch final abgestimmt werden.

Tennet hat schon drei große Konverterstationen für Offshore-Strom im Borssumer Hammrich errichtet. Foto: Tennet/Archiv
Tennet hat schon drei große Konverterstationen für Offshore-Strom im Borssumer Hammrich errichtet. Foto: Tennet/Archiv

Was ist mit dem Rysumer Nacken?

Bislang waren Ansiedlungen auch durch die schlechte Anbindung beispielsweise an den Verkehr gescheitert. Wie ist der Stand der Planung? „Parallel zum Thema Netzanschlüsse sind gemeinsam von der Stadt Emden und N-Ports für den Rysumer Nacken Planungsleistungen für eine weitere straßenseitige Anbindung ausgeschrieben worden“, erklärt Dörte Schmitz. Aus sechs Varianten solle bis Ende Oktober eine Vorzugsvariante erarbeitet werden. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Verbund mit der Deichacht Krummhörn erarbeite zurzeit die Vorplanung für die Verlagerung des Deiches im rückwärtigen Bereich zur Wasserseite.

Der Rysumer Nacken gilt als eine der letzten großen Flächen für mögliche Industrieansiedlungen in Emden. Doch die Entwicklung verzögert sich seit Jahrzehnten. Foto: N-Ports/Hero Lang
Der Rysumer Nacken gilt als eine der letzten großen Flächen für mögliche Industrieansiedlungen in Emden. Doch die Entwicklung verzögert sich seit Jahrzehnten. Foto: N-Ports/Hero Lang

Wir hatten bei N-Ports auch nachgefragt, inwieweit es weitere Interessenten für Ansiedlungen gibt. 82 Hektar Land im Wybelsumer und Larrelter Polder waren ausgeschrieben. 30 Hektar davon entfallen auf Livista. „Für die übrigen 50,5 Hektar verhandeln wir die Flächenverträge mit Bewerbern“, schreibt Dörte Schmitz. Details nennt sie dazu aber nicht. Ansiedlungsanfragen seien bei N-Ports zurückgegangen. Man führe das auf veränderte Rahmenbedingen am Markt zurück.

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