Show in Auricher Stadthalle Wie Alina Bock Rampenlicht und Rückschläge aufarbeitet
Alina Bock war live in der Auricher Stadthalle. Wie die Schauspielerin in einer fulminanten One-Woman-Show von ihrem Weg nach Hollywood berichtet.
Aurich - Schon als Kind hatte sie einen Traum: „Vom Dorf nach Hollywood“ wollte Alina Bock, und genau das hat sie geschafft. In ihrem gleichnamigen Solo-Programm erzählt die Schauspielerin, was ihr auf diesem Weg so alles passiert ist. Am Sonnabend gastierte sie mit einer fulminanten One-Woman-Show in der Auricher Stadthalle und entführte das Publikum auf eine Zeitreise in die Jugendjahre der Millennials.
Zwar war Alina Bock in Deutschland als Mitglied von „beFour“ einst selber Teil der Pop- und Jugendkultur. Als sie nach der Auflösung der Gruppe in Hollywood einen Neuanfang wagte, interessierte das dort jedoch niemanden. Stattdessen musste sie sich eine schäbige Wohnung mit Kakerlaken teilen und zig Nebenjobs annehmen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ein erster Lichtblick war eine Rolle in einer Eiscreme-Werbung, die am Sonnabend auf einer Leinwand gezeigt wurde. Obwohl Alina Bock lediglich im Hintergrund zu sehen ist und keinen Text hat, fanden die Dreharbeiten immerhin am ehemaligen Filmset von „Zurück in die Zukunft“ statt. Star des Werbespots war allerdings ein zehnjähriges Mädchen, das Alina Bock kurz darauf bei einer ihrer Nebenjobs als Kellnerin zufällig wieder traf und bedienen durfte. Wie sich herausstellte, hatte das Kind gerade einen Vertrag ausgerechnet mit jener Casting-Firma abgeschlossen, in deren Kartei die Deutsche auch unbedingt aufgenommen werden wollte. Und damit nicht genug der Hiobsbotschaften. Eine Serie für einen Streaming-Dienst war im Prinzip eingetütet. Dann ging Los Angeles in den Corona-Lockdown, und sämtliche Filmprojekte in Hollywood wurden von einem Tag auf den anderen gestrichen.
Comedyfiguren vom Internet auf die Bühne gebracht
Zugegeben, das klingt gar nicht lustig. Trotzdem nimmt Alina Bock solche Rückschläge längst mit Humor, wie sie in ihrer Show eindrucksvoll bewies. Während der Pandemie entwickelte sie diverse Comedy-Figuren, die seitdem im Internet für Furore sorgen. Einige davon tummelten sich sehr zur Freude des Auricher Publikums live auf der Bühne der Auricher Stadthalle. Da war zum Beispiel Botox-Beauty Claudi, die ständig vergeblich den VIP-Raum sucht, oder Hollywood-Diva Vivienne, die Marlene Dietrich persönlich kannte und dennoch ungern auf ihr Alter angesprochen wird. Besonders ausführlich geriet Alina Bocks Rückblick auf die eigene Jugend in Gestalt eines 1990er-Jahre-Teenies mit Zahnspange, bunten Haarklemmen und fettem Lidschatten unter den fein säuberlich rasierten Augenbrauen inklusive musikalisch dazu passenden Techno- und Girlie-Pop-Klängen. Die Schauspielerin interpretierte die unterschiedlichen Rollen mit viel Herz und Verve. Dabei suchte sie wiederholt den Kontakt zum Publikum und bat Leute zu sich ins Rampenlicht. Die daraus resultierenden Improvisationseinlagen ernteten ebenfalls jede Menge Applaus, nicht zuletzt weil die jeweils auserkorenen Kandidatinnen wunderbar mitzogen. Ähnlich war das bei Alina Bocks bekanntester Figur. Gemeint ist Bettina, deren Gesicht in den Videos immer mit einem Effekt verfremdet wird. Dank ein paar technischer Tricks konnte aber auch sie mit dem Publikum kommunizieren und sich Tipps für die On-Off-Beziehung mit ihrem Andi abholen.
Neben Fans, die Bettina, Claudi & Co. bereits aus dem Internet kannten, waren in der Auricher Stadthalle ebenso zahlreiche „Mitgeschleppte“ anwesend, wie Alina Bock zwischenzeitlich auf Nachfrage herausfand. Die Schauspielerin hat am Sonnabend beide Seiten bestens bedient. Selbst ohne entsprechendes Hintergrundwissen zündeten ihre Gags exzellent. Dass am Schluss ihrer Show auf der Leinwand die Einblendung „The End“ erscheint, sollte sie deshalb vielleicht überdenken. „To be continued“ oder wie es im Deutschen heißt: „Fortsetzung folgt“ wäre ein weitaus treffenderer Slogan für eine Comedienne, die sicherlich nicht nur die Millenials statt immer nur im Internet gerne auch noch öfter live auf der Bühne erleben würden.