Osnabrück Aminata Touré erlebte „schmerzhafte“ Lektionen – nutzt Kleidung als „Panzer“
Aminata Touré spricht im neuen Interviewband „Küstenkonturen“ des shz-Journalisten Kay Müller offen über ihre persönliche Entwicklung in der Politik – und darüber, warum ihr Äußeres wichtig ist.
Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré hat nach eigenen Angaben in der Politik „schmerzhaft“ lernen müssen, realistischer auf die Absichten von Menschen zu blicken und nutzt ihr äußeres Erscheinungsbild bewusst als eine Art Schutzpanzer. Dies sagte die Grünen-Politikerin im neuen Interviewband „Küstenkonturen“, der in Auszügen unserer Redaktion vorliegt. Als Beleg für ihre persönliche Entwicklung nannte Touré ihre frühere Gutgläubigkeit.
„Ich bin sehr gutgläubig und manchmal fast naiv gewesen, was die Absichten von Menschen, vor allem in der Politik, angeht, in der Hoffnung, dass das übergeordnete Ziel uns doch eigene Eitelkeiten vergessen lässt. Ist aber gar nicht so, habe ich oftmals und schmerzhaft feststellen müssen“, sagte Touré dem Autor des Buches, dem shz-Journalisten Kay Müller.
Diese Erkenntnisse hätten sie jedoch nicht misstrauisch gemacht, sondern „realistischer. Das schützt mich total vor unnötigen Verletzungen“, erklärte die Ministerin.
Auf die Frage, ob ihr zurechtgemachtes Äußeres auch ein Panzer sei, den sie anlege, antwortete Touré: „Ja, auf jeden Fall. Ich ziehe mich oft an, wie ich mich fühle. Das geht allerdings nicht immer. Zu manchen offiziellen Terminen kann ich nicht in casual Sonntagskleidung auftauchen, auch wenn ich mich gerade danach fühle. Da erwarten die Leute etwas anderes von einem Mitglied der Landesregierung.“
Die Ministerin räumte ein, zwei Kleiderschränke zu besitzen. Ihr Aussehen sei Touré „voll“ wichtig. Auf einen abfälligen Kommentar auf Instagram, der sie als „Mode-Püppchen“ bezeichnete, reagierte sie gelassen. „Der wollte mich wohl beleidigen. Aber das hat mich überhaupt nicht getroffen.“
Küstenkonturen – 15 Persönlichkeiten aus Schleswig-Holstein über 5 Jahre porträtiert von Sven Zimmermann und Kay Müller, Charles Verlag, Hamburg, Großbuch, 344 Seiten, 49 Euro.