Bündnis für Palästina Warum Auricher trotz Friedensplan demonstrieren
Während die Waffenruhe im Gazastreifen anhält, demonstrieren die Menschen in Aurich für Freiheit in Palästina. Was sie antreibt.
Aurich - Eine Waffenruhe im Gaza-Streifen und ein von US-Präsident Donald Trump vorgegebener Friedensplan: Ist jetzt im Krieg zwischen Israel und Palästina alles gut? Nein, findet nach den neusten Entwicklungen eine Gruppe von Aurichern, die sich unter dem Zusammenschluss „Palästina bleibt!“ am Sonnabendnachmittag in der Stadt versammelt haben. Bereits zum fünften Mal demonstrierten Auricher für den Frieden in der Nahostregion und der Freiheit Palästinas. Auch wenn es diesmal deutlich weniger Teilnehmer zu der Demo, die an der Sparkassen-Arena startete, zog. Es gab für sie genug Gründe, warum sie noch am Sonnabend auf die Straße gingen.
„Wir sind alle froh, wenn die Menschen in Gaza zur Ruhe kommen“, sagte Wibke Keßler, eine der Organisatorinnen der Demo. Es sei ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer, mehr aber nicht, machte Keßler deutlich. Schon oft seien Waffenruhen wieder aufgekündigt oder gebrochen worden. Außerdem gehe es auch noch darum, die Freiheit für das ganze Palästina einzufordern. So liefen die Demonstranten von der Arena durch die Fußgängerzone Richtung Marktplatz und zur Osterstraße und wieder zurück, begleitet von Einsatzkräften der Polizei, und riefen „Freiheit für Palästina“. Etwas mehr als 30 Demonstranten schlossen sich an.
Weniger Demonstranten, gleiche Forderungen
Sonst seien es deutlich mehr gewesen, meist um die 100 Teilnehmer berichtet Nasser Boral, der schon mehrfach die Demonstrationen in Aurich zusammen mit dem Bündnis organisiert hat. Er geht davon aus, dass die aktuelle Nachrichtenlage zu dem geringeren Andrang geführt habe. Dennoch wird er deutlich, habe er immer noch seine drei Forderungen, für die er am Sonnabend auf die Straße gehe: „Erstens: die Anerkennung Palästinas. Zweitens: die Zwei-Staaten-Lösung. Drittens: Netanjahu und seine Regierung müssten für die Kriegsverbrechen vor dem internationalen Strafgerichtshof zur Rechenschaft gezogen werden“, zählte Boral im Gespräch mit der Redaktion auf.
Für die Demonstranten also Grund genug, um noch auf die Straße zu gehen. Zumal, wie auch Mitorganisatorin Keßler und Christian Stürmer von Amnesty International in Aurich betonten, die Menschen im Gazastreifen dringend humanitäre Hilfe benötigten. Auch darauf wollten die Demonstranten aufmerksam machen. „Es gibt dort keine Infrastruktur mehr und kein Wasser“, schilderte Stürmer die humanitäre Lage. In ihrer Rede sprach Keßler vor den Demonstranten davon, dass im Norden des Gazastreifens, wo die Menschen nach und nach zurückkehrten, nichts mehr übrig sei. Alles sei nahezu dem Erdboden gleich gemacht, Trümmer weggewalzt worden, sagte Keßler. Medienberichten zufolge gibt es bereits eine Vielzahl von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern, die darauf warteten, an die Menschen ausgeliefert zu werden.
Bis wirklich Frieden einkehre, sie es noch ein weiter Weg, sind sich am Sonnabend die Demonstranten in Aurich einig. Und entgegen der Aufforderung des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU), es müsse nicht mehr demonstriert werden für Frieden in Palästina, zog es die Anhänger des Bündnisses „Palästina bleibt!“ auf die Straße. Keßler bezeichnete diese Äußerung des Kanzlers als „bedenklich“ und ein Grund mehr, jetzt nach wie vor für die Menschen in Palästina auch in Aurich auf die Straße zu gehen.