Osnabrück  Mietwohnungen in Osnabrück: Wo sind sie erschwinglich? Und wo explodieren die Preise?

Frank Wiebrock
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Von Frank Wiebrock
| 11.10.2025 05:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Mieten in Osnabrück steigen weiter. Allerdings unterscheidet sich das Mietniveau in den Stadtteilen teils deutlich. Foto: dpa / Armin Weigel
Die Mieten in Osnabrück steigen weiter. Allerdings unterscheidet sich das Mietniveau in den Stadtteilen teils deutlich. Foto: dpa / Armin Weigel
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Die Mieten kennen aktuell nur eine Richtung: nach oben. Auch in Osnabrück sind sie weiter gestiegen. In einigen Stadtteilen liegen sie durchschnittlich schon über zehn Euro pro Quadratmeter. Wo lässt es sich günstiger wohnen?

Die Mieten in Osnabrück steigen weiter. Bei Neuvermietungen wurden im dritten Quartal 2025 im Schnitt 14,2 Prozent mehr gefordert als vor vier Jahren. Unter acht Euro geht dabei in der Hasestadt aktuell gar nichts. Wer möchte – und es sich leisten kann – kann aber auch fast das Doppelte bezahlen. Das Mietniveau zwischen den Stadtteilen unterscheidet sich teils erheblich.

Für diese Analyse haben wir das Datenmaterial des Immobilienportals „Immoscout24“ ausgewertet. Wichtig: Es geht um die sogenannten Angebotsmieten, also um die Quadratmeterpreise, die Vermieter für auf dem Portal angebotene Wohnungen pro Quadratmeter aktuell fordern. Und vermutlich oft am Ende auch bekommen.

Die Zahlen spiegeln also nur das Niveau bei Neuvermietungen wider und nicht das, was Menschen bezahlen, die seit Jahren in derselben Wohnung leben und möglicherweise von Mietanpassungen verschont blieben. Und noch etwas lässt sich aus den Zahlen des Immobilienportals nicht ablesen: Wie ist eigentlich die Angebotssituation vor Ort? Beruhen die Werte auf vielen oder eher wenigen Offerten? Und wie ist eigentlich die Größenverteilung und Altersstruktur der Wohnungen? Nach wie vor gilt, dass große oder alte Wohnungen in der Regel bei der Miete pro Quadratmeter günstiger sind als kleine oder neue Wohnungen.

Und natürlich werden Objekte, die nicht über das Portal angeboten wurden, nicht berücksichtigt. Davon sind vermutlich besonders exklusive Wohnungen, aber möglicherweise auch besonders günstige Wohnungen betroffen, für die es bei Vermietern Wartelisten gibt. Trotzdem: Als Trendmesser taugen die Daten allemal.

Wenig verwunderlich liegt das Niveau der in Osnabrück aktuell geforderten Mieten mit durchschnittlich 9,52 Euro pro Quadratmeter weiter deutlich über dem Kreisniveau (7,80 Euro pro Quadratmeter). Aber auch über dem Landesschnitt von 8,25 Euro pro Quadratmeter. Allerdings liegt das Mietniveau noch deutlich unter dem in Hannover (durchschnittlich 10,30 Euro pro Quadratmeter), aber schon deutlich über dem in den eigentlich größeren niedersächsischen Städten Braunschweig (9,16 Euro) und Oldenburg (9,11 Euro).

Dabei sind die Mieten prozentual in den vergangen vier Jahren in Kreis und Land stärker gestiegen als in der Stadt Osnabrück: Während die Angebotsmieten in der Stadt aktuell durchschnittlich um 14,2 Prozent über dem Niveau von vor vier Jahren liegen, stiegen sie im Kreis um 14,7 Prozent und landesweit um 15,6 Prozent.

Immerhin scheinen die geforderten Mieten in Osnabrück aktuell nicht mehr ganz so schnell weiter zu steigen wie in den Vorjahren: In den vergangenen zwölf Monaten legten sie in Osnabrück im Durchschnitt „nur“ noch um 2,9 Prozent zu, in den Jahren davor waren es jeweils zwischen 3,5 und 4,8 Prozent.

Wo lässt es sich in Osnabrück noch günstig wohnen? Wer auf Schinkel tippt, liegt daneben: Durchschnittlich weniger als 9 Euro pro Quadratmeter werden aktuell nur bei Neuvermietungen in Atter (8,81 Euro), Pye (8,68 Euro), Datum/Gretesch/Lüstringen (8,96 Euro) und Voxtrup (8,95 Euro) gefordert. An der alten Regel hat sich also nichts geändert: Am Stadtrand lässt es sich auch weiter in der Regel deutlich günstiger wohnen als in der Innenstadt.

Der absolut günstigste Quadratmeterpreis wurde dabei aktuell mit 8,02 Euro pro Quadratmeter in Voxtrup aufgerufen. Zum Vergleich: Wer unbedingt am Westerberg wohnen möchte, muss mindestens 9,88 Euro pro Quadratmeterzahlen.

Apropos Westerberg: Vor einem Jahre war das noble Viertel, in dem Einfamilienhäuser auch schon mal für zwei Millionen Euro zum Kauf angeboten werden, der einzige Stadtteil, in dem die Durchschnittsmieten schon zweistelliges Niveau erreicht hatten. Das hat sich geändert: Nicht nur am Westerberg (10,95 Euro), auch in der Innenstadt (10,20 Euro), in der Weststadt (10,36 Euro) und der Wüste (10,01 Euro) werden inzwischen durchschnittlich mehr als zehn Euro aufgerufen. Wer möchte, kann am Westerberg – oder auch in der Weststadt – teils deutlich über 15 Euro pro Quadratmeter bezahlen.

Hohe Mieten werden am Westerberg und in der Weststadt offenbar nicht nur gefordert, sondern auch gezahlt: Mit 3,8 Prozent stiegen die Mieten in den beiden Stadtteilen in den vergangenen zwölf Monaten am stärksten, während sie im städtischen Durchschnitt um 2,9 Prozent stiegen.

In Schinkel, Schinkel-Ost, Widukindland, Voxtrup und Darum/Gretesch/Lüstringen scheint das Potenzial nach teils überdurchschnittlichen Steigerungen in den vergangenen Jahren aktuell dagegen weitgehend ausgereizt zu sein. In diesen Stadtteilen stiegen die Mieten in den vergangenen zwölf Monaten um weniger als zwei Prozent.

Die Spreizung, also die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten geforderten Miete pro Quadratmeter, liefert zumindest ein Indiz, wie homogen oder vielfältig die Angebote in einem Stadtteil sind. Sie ist in Pye mit 3,79 Euro am geringsten und in Atter mit 5,75 Euro am höchsten. Und auch in den eher teuren Stadteilen ist sie mit 5,37 Euro in der Weststadt und 5,68 Euro am Westerberg relativ hoch. Sprich: Mit etwas Glück finden sich auch dort zumindest für den Stadtteilvergleich günstige Wohnungen. Oder – auch das führt zu einer hohen Spreizung – zumindest vereinzelt selbst für den Stadtteil sehr teurer Wohnraum.

Stadtweit beträgt die Spreizung 7,54 Euro: Das ist der Betrag, der pro Quadratmeter für die teuerste Offerte am Westerberg mehr aufgerufen wurde, als für das günstigste Angebot in Voxtrup.

Am Ende ist damit klar: Wer jetzt in die Stadt oder gar zentral in die Innenstadt ziehen muss oder möchte, muss auch in Osnabrück deutlich mehr pro Quadratmeter zahlen als vor zwölf Monaten. Dass die geforderten Mieten inzwischen etwas langsamer steigen als in den vergangenen Jahren, lässt zwar hoffen, dass eine Schmerzgrenze erreicht und die Zeit der explodierenden Mieten vorbei sein könnte, eine Gewähr dafür gibt es aber nicht. Möglicherweise handelt es sich nur um eine Momentaufnahme.

Weiter gilt: Wer günstiger wohnen will, muss an den Stadtrand ausweichen. Oder gleich in die Gemeinden des Osnabrücker Speckgürtels. Die einfache Regel: Je weiter weg vom Zentrum man wohnt, umso günstiger sind in der Regel die Mieten.

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