Stadt stellt Varianten vor  Fünf Wege für Norder Grundschulen – von Schließung bis Neubau

| | 10.10.2025 17:07 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehr als 300 Kinder gehen in Norden auf die Grundschule Im Spiet. Foto: Rebecca Kresse
Mehr als 300 Kinder gehen in Norden auf die Grundschule Im Spiet. Foto: Rebecca Kresse
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Fünf Modelle für Nordens Grundschulen wurden hinter verschlossenen Türen präsentiert. Schließungen und Neubauten stehen im Raum, doch das Wort des Bürgermeisters spielt eine besondere Rolle.

Norden - Seit Monaten wird in Norden über die Zukunft der fünf Grundschulen debattiert. Das Problem: Schülerzahlen und Belastungen der Lehrer sind in Norden extrem ungleich verteilt. Zwei Innenstadtschulen stemmen das Gros der Schülerschaft mit allen dazugehörigen Problemen. Jetzt hat die Verwaltung in einer nicht-öffentlichen Sitzung fünf Varianten vorgestellt, wie die Schullandschaft in Norden künftig gerechter werden könnte – für die Schüler und die Lehrer. Mit in der Sitzung dabei waren neben Verwaltung und 14 Ratsmitgliedern auch vier Schulleiter der Grundschulen.

Die schilderten Politik und Verwaltung zunächst ihren Alltag an den Schulen. Dabei machten sie deutlich, womit die Grundschulen mittlerweile täglich konfrontiert sind – mit Gewalt der Schüler untereinander, aber auch gegen Lehrer und Betreuer, immer mehr Schülern mit auffälligem Sozialverhalten und zu wenig Personal, um diese Kinder richtig zu betreuen. Vor allem die Innenstadtschulen Lintel und Im Spiet sind davon betroffen. An diesen beiden Schulen werden mehr als 70 Prozent der mehr als 900 Grundschüler der Stadt unterrichtet.

Auch bauliche Voraussetzungen wurden untersucht

Die fünf Möglichkeiten, die die Verwaltung für die Norder Grundschullandschaft sieht, lauten wie folgt: In Variante eins bleiben alle fünf Schulstandorte (also Lintel, Im Spiet, Süderneuland, Norddeich und Leybucht-Polder) erhalten. In Variante 1a unter Beibehaltung der aktuellen Schuleinzugsbereiche, in Variante 1b bei einer Änderung der Schuleinzugsbereiche. Variante 2 sieht vor, zwar alle fünf Schulen zu erhalten, Norddeich würde aber zur Außenstelle der Grundschule Im Spiet, Leybucht-Polder zur Außenstelle der Grundschule Süderneuland – ein sogenanntes Satellitenmodell. Variante 3 sieht vor, vier Schulstandorte zu erhalten und die Schuleinzugsbereiche anzupassen, dabei aber die Grundschule Leybucht-Polder aufzugeben. Variante 4 sieht vor, die beiden Kleinstschulen Norddeich und Leybucht-Polder zu schließen und die Schuleinzugsbereiche der verbleibenden drei Grundschulen Lintel, Im Spiet und Süderneuland anzupassen. Variante 5 sieht eine Mischvariante vor. Also die Beibehaltung der Schulstandorte im Satellitenmodell, plus dem Neubau einer weiteren Innenstadtschule.

Untersucht wurden parallel dazu auch noch die baulichen Voraussetzungen der Schulgebäude – wobei das Schulgebäude in Norddeich als nicht zukunftsfähig eingestuft wurde und durch einen Neubau ersetzt werden müsste. Die Grundschule Leybucht-Polder ist zwar grundsätzlich zukunftsfähig, es wären aber Sanierungen innerhalb der kommenden drei bis zehn Jahre in einer Summe von rund einer Million Euro nötig.

Nur eine Variante erfüllt die Ziele

Heikel wird die Darstellung der Verwaltung im Fazit der einzelnen Varianten. Denn nur eine einzige Variante erfüllt demnach die gesteckten Ziele der Verwaltung – nämlich die Schülerzahlen gleichmäßig auf alle Standorte zu verteilen und insgesamt zu einer heterogeneren Schülerschaft an allen Standorten zu kommen. Das ist den Unterlagen zufolge die Variante 4, die die Schulschließung der beiden Kleinstschulen Norddeich und Leybucht-Polder vorsieht, an denen insgesamt nur rund zehn Prozent der Norder Grundschüler unterrichtet werden – in deutlich kleineren Klassenstärken als in der Innenstadt.

Das Problem: Obwohl die Diskussion zur Norder Schulentwicklung ergebnisoffen geführt werden soll, hatte Bürgermeister Florian Eiben im Vorfeld bereits Schulschließungen ausgeschlossen. Ein Schelm, wer in diesem Zusammenhang an die anstehende Kommunalwahl im kommenden Jahr denkt. Ob diese Ansage des Bürgermeisters angesichts der Variantenbewertung der Verwaltung auf Dauer haltbar ist, wird sich zeigen.

Klar ist, dass die Sitzung am 8. Oktober hinter verschlossenen Türen nur der Auftakt für eine große, auch öffentliche Debatte, um die Norder Schullandschaft gewesen ist. Dem Vernehmen nach haben sich die Teilnehmer der ersten Runde auf ein zeitnahes weiteres Treffen geeinigt. Ob dies dann wieder hinter verschlossenen Türen stattfinden oder ob dann bereits die Norder Bevölkerung teilnehmen darf, ist nicht bekannt. Eine Anfrage bei der Norder Verwaltung zum weiteren Fahrplan zur Schulentwicklung blieb bis zur Veröffentlichung des Textes unbeantwortet. Klar ist, irgendwann sollen die Varianten auch öffentlich präsentiert werden. Inwieweit sich Politik und Verwaltung bis dahin auf eine der Varianten verständigt haben, ist noch unklar.

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