Osnabrück  Vom Studenten bis zum Rentner – Er gibt Osnabrücker Musikern eine Bühne

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 11.10.2025 14:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Er ist selbst Musiker bei der Band Eremit und kennt die Bedürfnisse der Kollegen: Moritz Fabian vom Musikbüro Osnabrück. Foto: Thomas Wübker
Er ist selbst Musiker bei der Band Eremit und kennt die Bedürfnisse der Kollegen: Moritz Fabian vom Musikbüro Osnabrück. Foto: Thomas Wübker
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Musiker wollen spielen. Moritz Fabian verschafft ihnen eine Bühne in Osnabrück. Doch in dem Mitarbeiter des Musikbüros schlummern wesentlich mehr Talente.

Moritz Fabian ist beim Musikbüro Osnabrück Ansprechpartner für Bands, die Auftrittsmöglichkeiten suchen. Nach dem Aus des Bastard Clubs, des Ostbunkers und des Substanz‘ sind die rar gesät. Dadurch seien 200 Konzerte weggefallen, sagt Moritz Fabian. Das habe eine Auflistung des Musikbüros ergeben. „Das zeigt, wie wichtig diese Orte sind“, sagt er. Die Gruppen, die er bucht, spielen hauptsächlich im Saal Bocksmauer im Haus der Jugend.

„Es gibt viel mehr Bands, die spielen wollen, als Orte, die sie auftreten lassen können“, sagt Moritz Fabian weiter. Gerade die Punk- und Metal-Szene in Osnabrück sei sehr lebendig und spiele deutschlandweit vorne mit. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute hier Bock haben, was zu machen und nicht ewig über ihre Projekte nachdenken“, sagt er, Bands wie Mr. Hurley und die Pulveraffen, Düsenjäger, Nachtblut oder Winselmutter sind in der Republik bekannt und touren durch sie. Und da ist auch noch seine Band: Eremit. Doch dazu später mehr.

Seit der Maiwoche 2025 arbeitet der 36-jährige Moritz Fabian im Musikbüro. Er ist der Nachfolger von Anna Suzuki. Von Studenten vom Institut für Musik bis zu Rentnern, die eine Coverband aufgemacht haben, wird er angerufen und angeschrieben und gefragt, ob er ihnen Auftritte verschaffen kann. In viele Fällen klappt das. Das ist auch sein Aufgabenbereich.

„Wir wollen niedrigschwellig Bands Konzerte ermöglichen, vor allem, damit sie ohne finanzielles Risiko spielen können“, sagt er. Gerade für Neulinge ist es wichtig, auf der Bühne zu stehen und zu erfahren, was zur Organisation eines Konzerts dazu gehört. Er habe auch einen pädagogischen Auftrag, so Moritz Fabian.

Konzerte berühren die Menschen direkt, sagt er weiter. Live-Shows seien aber durch künstliche Intelligenzen bedroht, die jetzt schon quasi auf Knopfdruck eigene Songs produzieren können. „Das Bands live spielen können, wird immer wichtiger“, sagt er weiter. Das gilt fürs Publikum, aber auch für ihn selbst.

Moritz Fabian ist Mitglied der Doom Metal-Band Eremit. Am 29. und 30. November spielt sie in der Bocksmauer im Haus der Jugend zwei Jubliäumskonzerte. Die Band wurde vor zehn Jahren gegründet.

Doch Moritz Fabian ist mehr als nur Musiker: Er hat ein Buch geschrieben, fotografiert, macht Filme und stand in dem Film „Wolves“ als Schauspieler selbst vor der Kamera. Ende September erhielt er so die Möglichkeit, beim Filmfest Zürich auf dem roten Teppich bei einer Filmpremiere zu stehen. „Wolves“ läuft allerdings erst im kommenden Jahr in Deutschland an.

Ursprünglich hat Moritz Fabian Politik-Wissenschaften studiert. In dem Bereich hat er auch seinen Master gemacht. Seine Berufung ist aber eine andere: „Ich habe während des Studiums eine Dokumentation über den Regisseur, Schauspieler, Produzent, Komponist, Dramatiker, Mime, Schriftsteller und Comicautor Alejandro Jodorowsky gesehen. Da habe ich gemerkt: Ich bin Künstler.“ Er arbeitet 22 Stunden im Musikbüro, den Rest der Zeit widmet er seiner künstlerischen Arbeit. „Das ist sehr lebenserfüllend“, sagt er. Sein neuestes Projekt nennt sich Kollektiv Raumordnung. Es besteht aus 20 Künstlerinnen und Künstler, darunter sind Kostümbildner, eine Opernsängerin, Comiczeichner und mehr. Moritz Fabian beschreibt es so: „Es ist eine wilde Mischung aus Metal, Operngesang und Psy Trance.“

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