Osnabrück  VfL Osnabrück: Warum nach der Sanierung nicht viel mehr Zuschauer ins Stadion passen

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 08.10.2025 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Rund 17.500 Zuschauer könnten in der sanierten Bremer Brücke für den VfL Osnabrück jubeln - zumindest sehen das die Planungen der Architekten vor. Foto: ppp
Rund 17.500 Zuschauer könnten in der sanierten Bremer Brücke für den VfL Osnabrück jubeln - zumindest sehen das die Planungen der Architekten vor. Foto: ppp
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Die Pläne zur Sanierung der Bremer Brücke sind öffentlich - und so mancher Fan des VfL Osnabrück wünscht sich weiterhin ein deutlich größeres Stadion. Warum ist das kaum möglich?

Seit Dienstag sind die Pläne zur Sanierung der Bremer Brücke öffentlich - exakt vier Wochen vor der Entscheidung des Stadtrates am 4. November über die Zusage zur Bauplanung und Finanzierung. Geht es nach den Projektverantwortlichen und den Fans des Vereins, soll das Stadion des VfL Osnabrück umgebaut werden, um es zukunftsfest zu machen. Ein wichtiger Punkt in den Planungen ist die zukünftige Kapazität.

Aktuell passen an Regel-Spieltagen des Fußball-Drittligisten 15.741 Zuschauer in das Stadion. Im Drittliga-Vergleich bedeutet das den 9. Platz, in der 2. Bundesliga - in die Verein und Anhänger am liebsten dauerhaft zurückkehren würden - wäre man damit Viertletzter. Dazu bietet die Bremer Brücke in ihrer aktuellen Form kaum Potenziale zur Erlössteigerung, um aus Heimspielen mehr Geld einzunehmen und damit die Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu anderen Clubs mit neueren Arenen zu erhöhen.

In den Plänen, die von den Architekten Nils Dethlefs (ppp) und Harald Fux (Raum+) am Dienstag vorgestellt wurden, wird nun die Kapazität in der „neuen“ Bremer Brücke auf 16.500 bis 18.000 Zuschauer geschätzt - der aktuelle Plan, in einigen Bereichen noch variabel, sieht knapp 17.500 Zuschauer vor. Ist das nicht zu wenig? Und warum geht da nicht mehr?

Als im Mai 2024 ein maroder Holzleimbinder im Dach der Ostkurve zur Sperrung der Bremer Brücke und zur Absage des Heimspiels gegen Schalke 04 mündete, kam Druck in die Sache: Der Zahn der Zeit nagte ohnehin schon gewaltig am Osnabrücker Stadion - und nun kam die Sorge hinzu, dass auch die alten Dachkonstruktionen auf der Süd- und Westtribüne kurzfristig Probleme und den dauerhaften Spielbetrieb damit unmöglich machen werden.

Insofern muss eine schnelle Lösung her - aber könnte das Stadion des VfL nicht auch an einem neuen, anderen Standort gebaut werden? Nein, zumindest nicht in der gebotenen Geschwindigkeit. Die Erschließung eines neuen Standortes inklusiver aller verkehrs- und umwelttechnischen Themen dauert Jahre. Dazu gibt es in der Stadt kaum eine Fläche, die ein solches Großprojekt zulassen würde, zumal der Limberg als möglicherweise geeignete Fläche von der Stadt als Gewerbegebiet ausgewiesen wurde und bereits vermarktet wird. Der aktuelle Standort mitten im Wohngebiet im Schinkel blieb also als einzige Variante, die dem gebotenen zeitlichen Druck gerecht wird. Ein Neubau „auf der grünen Wiese“ ist ausgeschlossen.

Der Standort der Bremer Brücke hat aber auch so seine Tücken - und die liegen in den engen Grundstücksgrenzen und im Bebauungsplan aus dem Ende der 1960er Jahre. Das Grundstück bietet für ein Fußballstadion extrem wenig Platz, vor allem in der Süd-West-Ecke, wo das Bauwerk direkt an die Scharnhorststraße grenzt. Hinzukommt der Bebauungsplan, der die Fläche als Sportstätte ausweist und etwa eine maximale Bauhöhe für die Tribünen vorgibt, die bereits von der 2008 neu gebauten Nordtribüne ausgereizt wird. Eben jene Höhe sollen nun auch die drei neu zu bauenden Tribünen bekommen.

Man kann die Bremer Brücke also nicht ins Unermessliche bauen, geschweige denn überhaupt signifikant vergrößern. Kritiker sagen, der Bebauungsplan könnte ja durchaus geändert werden, was wiederum ein größeres oder höheres Stadion erlauben könnte. Auch hier schlägt aber wieder das Argument des Zeitdrucks zu: Den Bebauungsplan zu ändern wäre - wenn überhaupt möglich und sinnvoll - sehr aufwendig und hätte womöglich ein Bauleitverfahren zur Folge, das in den meisten Fällen mindestens ein Jahr dauert. Zeit, die für die Planung und Durchführung des Baus verloren ginge. Zeit, die der VfL nicht hat.

Das führt in den Planungen zur Sanierung zu großen Beschränkungen und Hürden, aber auch dazu, „dass wir nicht auf dumme Gedanken kommen können“, wie Architekt Nils Dethlefs formulierte. Stattdessen machen sich die Planer einen Kniff zunutze, um zumindest an der Südseite das Dach der Tribüne sogar noch etwas höher anzusetzen und so für ein optisches Highlight zu sorgen. Oberhalb der dort geplanten Logen nämlich - die oberste Reihe auf der Zuschauer platziert werden dürfen - sollen Einsatzkräfte und TV-Mitarbeiter untergebracht werden. Weil sie nicht zu den Zuschauern zählen, ist das gemäß des Bebauungsplans möglich. Die Erhöhung der Tribüne samt Dach sorgt von innen und außen für eine starke Charakteristik.

Insgesamt wird die Bremer Brücke den Planungen zufolge also zumindest auf drei Tribünen etwas höher, sie wird aber auch woanders an Platz verlieren. Der Innenraum, also Spielfeld und Umlauf, nämlich muss sich etwas ausbreiten, um die Lizenzbedingungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die 3. Liga und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für die Bundesligen zu erfüllen. Sie schreiben nämlich den Mindestabstand zwischen Spielfeld und Tribüne von sechs Metern an den Seitenlinien und 7,50 Meter hinter den Toren vor - eine Maßgabe, die der VfL aktuell unterschreitet und deshalb Jahr für Jahr eine Ausnahmegenehmigung braucht. Dazu müssen die Tribünen auf 1,50 Meter über dem Platzniveau angehoben werden.

Der wichtigste Hebel, um die Kapazität zu regeln, ist also wegen der eng gesteckten Grenzen nicht die bauliche Planung der Tribünen selbst, sondern die Platzverteilung. Auch hierzu stellten Dethlefs und Fux konkrete Ideen vor.

Demnach behalten die drei sanierten Tribünen grundsätzlich ihre Funktionen. Die Ostkurve als stimmungstechnisches Herz des Stadions bleibt eine reine Stehplatztribüne mit bis zu 8000 Zuschauern. Auch um die Kapazität hier ins Maximale zu treiben, verzichteten die Architekten auf Mundlöcher im Tribünenzentrum. Die Südtribüne wird eine reine Sitzplatztribüne mit einer Masse an Business Seats und Logen im oberen Bereich. Die Westkurve wird in einen Steh- und einen Sitzplatzblock aufgeteilt, genauso wie der Gästeblock auf jener Tribüne.

Spannend ist die geplante - und noch geschätzte - Verteilung: Während die Ostkurve demnach rund 2500 Plätze hinzugewinnt, sind es bei der Westkurve trotz des erhöhten Dachs „nur“ 200 Plätze, weil eben ein Sitzplatzblock für 1150 Zuschauer eingerichtet wird und Sitzplätze mehr Raum einnehmen als Stehplätze. Die Kapazität der Südtribüne, auf der aktuell rund 2600 Zuschauer Platz finden, wird sogar geringer: Den Planungen zufolge finden hier zukünftig nur noch 1800 Menschen Platz.

Das liegt an der Verschiebung von „normalen“ Sitzplätzen zu Business-Seats und VIP-Plätzen. Geht es nach den Architekten, gibt es auf der Südtribüne in Zukunft nur etwa 360 Sitzplätze, statt aktuell 1930. Dafür werden die VIP-Kapazitäten von 694 auf 1440 erhöht - ein wesentlicher Treiber für die erhofften Mehreinnahmen durch das sanierte Stadion. Diese wiederum sind für den VfL elementar, vor allem auch, um die geforderte Stadionpacht an die Stadt zu zahlen und so die nötigen Kredite für das Bauprojekt zu tilgen.

Dass einer besseren Erlössituation aber nicht alles untergeordnet wird, zeigt sich an der Verteilung von Steh- und Sitzplätzen allgemein. Aktuell wird an 58 Prozent der Plätze an der Bremer Brücke gestanden. In Zukunft sollen es 60 Prozent sein. Zugunsten einer höheren Kapazität wird also darauf verzichtet, mehr teurere Sitzplätze anzubieten. Diese Möglichkeit hätte es in der Westkurve zum Beispiel durchaus gegeben, genauso aber, es hier bei einer reinen Stehplatztribüne zu belassen, um noch mehr Fans ins Stadion zu bekommen.

Am Ende suchen die Planer einen Mittelweg, um einerseits möglichst vielen Menschen den Zugang zum Stadion zu erlauben, andererseits aber auch die baulichen und zeitlichen Hürden zu bewältigen und zudem die Anforderungen des VfL und der Stadt im Blick zu behalten. Es ist ein Spagat - und wie VfL-Geschäftsführer Michael Welling in diesen Tagen mantraartig wiederholt: „Bauen heißt: Kompromisse machen.“ Auch bei der Zuschauerkapazität.

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