Zeit der Wildunfälle beginnt  Was passiert mit den toten Tieren nach einem Wildunfall?

Björn Klüver
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Von Björn Klüver
| 08.10.2025 13:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die roten Dreibeine zeigen Stellen an, an denen es in der Vergangenheit zu Wildunfällen gekommen ist. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Die roten Dreibeine zeigen Stellen an, an denen es in der Vergangenheit zu Wildunfällen gekommen ist. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Wenn die Tage im Herbst wieder kürzer werden, nimmt auch die Zahl der Wildunfälle wieder zu. Was der Wolf damit zu tun hat und was mit den toten Tieren nach einem Unfall eigentlich geschieht.

Aurich - Ein totes Reh baumelt von einem Ast im Wald: ein verstörender Anblick. Bei Gernold Lengert gehen dann Anrufe aufgebrachter Spaziergänger ein. Lengert ist Vorsitzender der Jägerschaft Aurich. Was die Anrufer oft nicht wissen: Er oder seine Kollegen haben das Reh dort selbst angebracht und das aus einem guten Grund. Häufig handelt es sich bei diesen Tieren um die Opfer von Wildunfällen.

Während für Autofahrer der Zusammenstoß mit einem Reh nur selten mit schweren Verletzungen endet, überleben die meisten Tiere den Zusammenstoß nicht. Bei schwer verletzten Tieren ist es die Aufgabe der zum Unfall gerufenen Jäger, die Tiere von ihrem Leid zu erlösen, so Lengert. Im Zweifel müssten die Jäger sich sogar noch am nächsten Tag auf eine Nachsuche nach verletzten Tieren begeben, wenn diese sich aus eigener Kraft vom Unfallort entfernt hätten.

Wie entsorgt man ein totes Reh?

In Ostfriesland sind es vor allem Rehe, die in Wildunfälle verwickelt werden, erklärt Lengert. „Die toten Tiere zu entfernen, ist Aufgabe des jeweiligen Jagdpächters“, erklärt Lengert. Diese Aufgabe übernähmen die Jäger in Aurich sogar kostenlos. Im Gegenzug dazu hatte der Auricher Kreistag im Jahr 2022 die zu entrichtende Jagdsteuer abgeschafft. Was mit den toten Tieren passiert, bleibt also den jeweiligen Jägern freigestellt.

Die angefahrenen Tiere sollten Autofahrer unbedingt in Ruhe lassen. Sie zu entfernen ist Aufgabe der Jagdpächter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die angefahrenen Tiere sollten Autofahrer unbedingt in Ruhe lassen. Sie zu entfernen ist Aufgabe der Jagdpächter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Doch wie entsorgt man ein totes Reh? „Versuchen Sie mal einen ausgewachsenen Rehbock zu vergraben. Das kann dauern“, sagt Lengert. Stattdessen entschieden sich einige Jäger dazu, das tote Reh im Naturkreislauf zu belassen. „Wenn man das tote Reh in den Baum hängt, können sich dort Maden und andere Insekten bilden. Diese dienen dann wiederum als Nahrung für die Vögel im Wald“, so Lengert weiter. Auf diese Weise erfülle das tote Tier doch noch einen Zweck.

Lengert und seine Kollegen versuchten zwar immer, die toten Rehe versteckt und möglichst weit von Wegen zu deponieren. Manchmal würden sie sie dann aber doch von Passanten entdeckt werden.

Die Zeit der Wildunfälle kommt

Neben der Paarungszeit im Frühling kommt es jetzt im Herbst am häufigsten zu Wildunfällen, erklärt Günter Jelting, Ansprechpartner für den Sachbereich Einsatz und Verkehr bei der Polizeiinspektion Leer/Emden. „Die meisten Wildunfälle ereignen sich in der Dämmerung. Die Wildtiere sind dann besonders aktiv, gehen auf Nahrungssuche und verlassen ihre Deckung“, so Jelting. Gleichzeitig mache die schlechte Sicht das Reagieren für die Autofahrer schwerer. Auch das Verhalten der Tiere mache die Sache nicht einfacher: „Werden die Tiere vom Scheinwerferlicht geblendet, bleiben diese oft unvermittelt stehen“, so Jelting weiter.

Tatsächlich könne auch das Auftreten des Wolfes zu Wildunfällen führen. „Wenn ich vermehrt Wildunfälle an einer ungewöhnlichen Stelle sehe, ist die Chance hoch, dass ein Wolf in der Gegend ist“, erklärt Jäger Gernold Lengert. Der Wolf schrecke die Rehe noch einmal besonders auf und sorge dafür, dass sie häufiger unbedacht die Straße kreuzten und in Unfälle verwickelt würden. Derzeit weiß er von 16 Wölfen, die sich in Ostfriesland aufhalten, sagt Lengert.

Die angefahrenen Tiere sollten Autofahrer unbedingt in Ruhe lassen. Sie zu entfernen ist Aufgabe der Jagdpächter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die angefahrenen Tiere sollten Autofahrer unbedingt in Ruhe lassen. Sie zu entfernen ist Aufgabe der Jagdpächter. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kosten für Wildunfälle steigen stetig

Die Zahl der Wildunfälle in Ostfriesland bleibt aber in den letzten Jahren stabil. Der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund wurden im selben Jahr insgesamt 762 Wildunfälle gemeldet, teilte Pressesprecherin Wiebke Baden auf Anfrage mit. In Leer und Emden waren es im vergangenen Jahr insgesamt 443 Vorfälle.

Was sich allerdings verändert, sind die Kosten der bei den Unfällen entstandenen Schäden. Im Jahr 2024 bezahlten die deutschen Versicherer für deutschlandweit 276.000 Wildunfälle gut 1,1 Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilte. Die durchschnittliche Schadenhöhe pro Kollision mit einem Wildtier belief sich demnach auf 4100 Euro – 250 Euro mehr als noch 2023.

So verhalten Sie sich richtig

Um Wildunfälle zu vermeiden, gelte es, vorsichtig zu fahren und auf die Wildwechsel-Schilder zu achten. Die roten Dreiecke am Straßenrand zeigen nämlich Orte an, an denen es in der Vergangenheit schon zu einem Wildunfall gekommen ist, so Günter Jelting von der Polizeiinspektion Leer/Emden.

Und wenn dann doch ein Tier auf der Straße steht? „Unbedingt das Fernlicht abblenden. Kontrolliert abbremsen. Hupen. Nicht die Lichthupe betätigen. Riskante Ausweichmanöver vermeiden“, so Jelting weiter. Auch der Jäger hat einen wichtigen Hinweis: „Wenn jetzt ein Reh über die Straße geht, folgen so gut wie immer weitere nach.“ Nur weil ein Reh die Straße überquert habe, bedeutet das laut Lengert noch nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Dies liege daran, dass die Rehe sich im Herbst in Gruppen zusammenschließen würden, um so gemeinsam den Winter zu verbringen.

Wie man sich bei einem Wildunfall richtig verhält

Und wenn es doch zu einem Unfall gekommen ist? „Ruhe bewahren! Unfallstelle sichern: Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle absichern“, erklärt Günter Jelting. Dann solle man die Polizei und, sofern bekannt, den zuständigen Jagdpächter anrufen. Das getroffene Tier solle jedoch unbedingt in Ruhe gelassen werden. Darum kümmert sich schließlich der jeweilige Jagdpächter.

Mit Material von DPA.

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