Osnabrück Zwischen Hoffnung und Hass: Kundgebung für Israel überschattet von Antisemitismus
Zwei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel hatten sich am Dienstagabend in Osnabrück rund 90 Menschen versammelt. Sie zeigten Solidarität mit dem jüdischen Staat. Und obwohl es leise Hoffnungen auf Frieden gibt, gab es im Vorfeld antisemitische Schmierereien am Rathaus und einen Polizeieinsatz während der Demo.
Die Verhandlungen zwischen Vertretern Israels und der palästinensischen Terrororganisation Hamas über den US-Friedensplan sind gestartet. Während in Ägypten über den Frieden verhandelt wird, haben sich in Osnabrück am frühen Dienstagabend, 7. Oktober 2025, etwa 90 Teilnehmer versammelt. Anlass war der zweite Jahrestag der Terrorangriffe vom 7. Oktober 2023. Unter dem Motto „Solidarität mit Israel und Jüdinnen und Juden weltweit“ hatte das „Bündnis 7.10.“ zu einer Kundgebung aufgerufen.
Bei vielen Israelis und Palästinensern gibt es inzwischen Hoffnung auf eine politische Lösung – auf Frieden. In Osnabrück dagegen war die Stimmung auf dem Marktplatz zurückhaltender. Für die meisten war die Kernfrage, ob die Hamas der sofortigen Freilassung der Geiseln sowie ihrer eigenen Entwaffnung und Auflösung zustimmt.
Dass der Plan in dieser Form umgesetzt wird, hielten viele für unwahrscheinlich. „Hoffnung habe ich schon, doch ich halte einen Frieden nicht für realistisch, solange die Hamas so stark ist“, sagte Annahita Maghsoodi im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 33-Jährige ist stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP. Mut machen ihr vor allem die Menschen im Gazastreifen, die trotz großer Gefahr gegen die Hamas demonstrieren. Ihr Einsatz sei ein Zeichen dafür, dass Frieden möglich sein könnte.
Ähnlich äußerte sich Sophie, eine iranische Studentin, die ihren echten Namen aus Sorge um ihre Familie im Iran nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie hält den Friedensplan für einen wichtigen Schritt, betonte aber, dass dessen Umsetzung vor allem von der Hamas abhänge. Doch der Terrororganisation vertraue sie nicht.
Einen optimistischen Blick wirft hingegen Michael Grünberg, Vorstandsvorsitzender der jüdischen Gemeinde Osnabrück. „Ein Frieden für alle ist das Ziel – und da bin ich sehr optimistisch“, sagte der 70-Jährige. Der Weg dorthin sei zwar schwierig, doch es liege ein Plan vor, der auch von arabischen Staaten unterstützt werde. Diese Chance gelte es, zu nutzen.
Neben der Weltpolitik stand auch der Antisemitismus in Deutschland im Fokus der Kundgebung. Seit dem 7. Oktober 2023 ist die Zahl der Vorfälle deutlich gestiegen. In Niedersachsen hat sie sich nahezu verdoppelt.
In Osnabrück hat es erst am Tag der Kundgebung einen Vorfall von israelbezogenem Antisemitismus gegeben: Unbekannte haben mutmaßlich in der Nacht zum Dienstag, 7. Oktober, die Parole „Fuck Israel“ an die Fassaden des Rathauses und der Stadtbibliothek in Osnabrück gesprüht. An dem Ort, an dem am Abend den Opfern des Terrorangriffs der Hamas gedacht wurde.
„Solche Schmierereien gegen den Staat Israel sind geschmacklos und haben in der Friedensstadt Osnabrück nichts zu suchen“, wird Oberbürgermeisterin Katharina Pötter in einer Mitteilung zitiert.
Auch während der Kundgebung hat es immer wieder Störrufe von Passanten gegeben. Die Polizei Osnabrück meldete am Dienstagabend sogar, dass sie zwei Männer nach Störungen in Gewahrsam nehmen musste. Bei der Durchsetzung eines Platzverweises hat ein Polizist seine Waffe gezogen, da der Mann in seine Tasche griff.
„Es ist erschreckend, wie der Antisemitismus in Deutschland zunimmt“, sagte Johannes Feimann. Der 72-Jährige ist der Gründer der jüdisch-messianischen Gemeinde Osnabrück. Es sei beschämend, dass eine Demonstration für Juden und für Israel heute nur unter Polizeischutz gehe.
Der 39-jährige Thomas Schneider machte sich ebenfalls Sorgen über den steigenden Judenhass. Es gebe eine große Gefahr für Juden und generell israel-solidarische Menschen, was auch den Frieden und die Freiheit in Deutschland bedrohe.
Vor dem Theater kam es zeitgleich zu einer propalästinensischen Gegendemonstration – ein Vorfall, der bei Michael Grünberg Sorge auslöste. „Wenn diese Menschen gegen uns protestieren, sind sie gegen den Schutz von Juden“, so der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Laut Polizei war die Gegendemonstration zunächst unangemeldet und wurde über das Internet organisiert – gegen 13 Uhr sei sie dann offiziell angemeldet worden.
Während für Palästina vor dem Theater laut protestiert wurde, konnte die Kundgebung auf dem Marktplatz geordnet nach etwa anderthalb Stunden beendet werden. Kurz vor dem Ende der Kundgebung wurden die Namen aller Geiseln über Lautsprecher verlesen – ein stilles Zeichen der Erinnerung und Mahnung zugleich.
Im Anschluss legten die Demonstranten eine Schweigeminute ein. Zurück bleibt die Hoffnung, dass die Geiseln bald freikommen könnten – und dass aus der vorsichtigen Zuversicht auf Frieden möglicherweise konkrete Schritte folgen.