Osnabrück VfL Osnabrück: Wie die Bremer Brücke nach der Sanierung aussehen soll
Das Dach soll höher, die Tribünen größer werden - und das Projekt womöglich sogar günstiger als veranschlagt: Am Dienstag stellten die Architekten ihre Pläne für die Sanierung des Stadions an der Bremer Brücke vor. Wie soll die neue Spielstätte des VfL Osnabrück aussehen?
Am 4. November muss der Rat der Stadt Osnabrück über die Sanierung der Bremer Brücke entscheiden. 92 Jahre nach der Eröffnung des Fußball-Traditionsstandortes geht es darum, ihn möglichst für den Rest des 21. Jahrhundert tauglich zu machen. Rund einen Monat vor der Ratsentscheidung stellten nun die Architekten und Projektplaner ihre Vorstellungen der Öffentlichkeit vor – im Rahmen eines Pressegesprächs und im Zuge der Infoveranstaltung für Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber. So sehen die Pläne aus.
Neben der Projektplanungsgruppe, die aus Vertretern des Vereins und der Stadt besteht, ist ein Unternehmen als Generalplaner hinzugezogen worden: ppp Architekten + Stadtplaner aus Lübeck, das gemeinsam mit Raum+ aus Wien die Architektur übernimmt. Nils Dethlefs (Geschäftsführer ppp) und Harald Fux (Raum+) sind demnach für die nun veröffentlichten Planungen verantwortlich. Während es für Dethlefs und sein Team das erste Stadionprojekt ist, hat Fux etwa schon die Raiffeisen Arena in Linz entworfen und dafür diverse Preise gewonnen.
Mit den Generalplanern arbeiten zudem diverse Fachplaner an dem Projekt: Dabei geht es etwa um die technische Gebäudeausstattung, das Tragwerk des Bauwerks oder Licht- und Lärmemissionen. Diese Stränge wiederum laufen bei den Generalplanern zusammen. Dethlefs, sein Team und Fux stellten am Dienstag ihre Pläne in Osnabrück der Öffentlichkeit vor.
Über den öffentlichen Vergabeprozess. Nach der Ratsentscheidung zur Freigabe der Planungskosten (4,4 Millionen Euro) im vergangenen Oktober lief der Ausschreibungs- und Bewerbungsprozess für das Projekt an. Michael Welling (Geschäftsführer des VfL Osnabrück) und Jan Jansen (Chefkoordinator für die Stadt) wurden als Projektverantwortliche und Geschäftsführer der Stadion-Gesellschaft eingesetzt und gestalteten letztlich auch den Auswahlprozess maßgeblich.
Zwischen ppp und Raum+ bestand schon länger eine Verbindung - zusammen gearbeitet haben beide Unternehmen aber noch nicht. Die gemeinsame Präsentation im Rahmen des Bewerbungsprozesses verfing aber offenbar bei den Verantwortlichen, weil sie glaubhaft vermitteln konnten, dass sie einerseits die teilweise extremen baurechtlichen, zeitlichen und finanziellen Hürden des Projekts überwinden können und andererseits den emotionalen Wert der Bremer Brücke für den VfL und die Stadt erfasst haben.
Bei ihrem ersten gemeinsamen Besuch beim 2:0-Sieg des VfL gegen Saarbrücken im August prangte das Banner „Mythos Bremer Brücke erhalten“ vor der Ostkurve - eine Botschaft, die die Architekten als Aufruf und Ansporn empfanden, wie sich in den Plänen zeigt.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Bremer Brücke ihre Form und Ausprägung nur sehr begrenzt wird verändern können. Das liegt vor allem am Bebauungsplan und den Grundstücksgrenzen, die keine großen Erweiterungen in keine der Richtungen zulässt. Dazu gilt, dass in der konkreten Auswahl von Baumaterialien noch keine finale Entscheidung getroffen wurde und sich bis zur Vorlage, die zwei Wochen vor der Ratsentscheidung im November fertig sein soll, und auch bis zur abgeschlossenen Entwurfsplanung noch Dinge bewegen können.
In der Präsentation, die Dethlefs, Fux und Kollegen am Dienstag vorstellten, sind dennoch mehrere Abbildungen der möglichen zukünftigen Bremer Brücke enthalten. Beim Blick von oben auf das Stadion fällt als Erstes die markante Dachkonstruktion aus Betonträgern und Stahlseilen ins Auge, die schon heute in ähnlicher Form über allen Tribünen, die über ein Dach verfügen, präsent ist.
Generell werden sich die Tribünendächer aber verändern - nämlich höher werden. Die Dächer der Ost- und Westkurve werden auf das Niveau der Nordtribüne angehoben. Diese übrigens bleibt im Bauablauf unangetastet. Das Dach der Südtribüne soll sogar noch etwas höher werden. Dabei wollen sich die Planer einen kleinen Kniff zunutze machen: Der Bebauungsplan gibt nämlich eine maximale Tribünenhöhe vor - allerdings nur für Zuschauer. Einsatzkräfte, TV-Kameras oder die Polizei werden auf der Südtribüne über den geplanten Logen platziert - und dafür das Dach noch etwas weiter angehoben.
Entsprechend der angehobenen Dächer werden auch die Tribünen größer - und damit trotz des Fokus auf etwas mehr Sitzplätze womöglich auch die Gesamtkapazität. Aktuell rechnen die Architekten mit einer Kapazität von 16.500 bis 18.000 Zuschauern in der „neuen Bremer Brücke“, die aktuell 15.741 Zuschauer zulässt.
Hinter der Westkurve ist nach aktuellem Stand ein neuer Kabinen- und Medientrakt geplant, hinter der Ostkurve soll ein überdachter Raum zur Zusammenkunft entstehen. Die vier Flutlichter in den Ecken des Stadions sind ebenfalls in den Planungen enthalten und sollen nach Möglichkeit in Betrieb bleiben - ein wichtiges emotionales Symbol für viele VfL-Fans. Ob sich diese Traumvorstellung aber tatsächlich in die Realität umsetzen lässt, ließen die Architekten noch offen.
Relativ klar ist allerdings schon eines: Die aktuelle Nähe zum Spielfeld auf allen Tribünen wird sich nicht gleichermaßen reproduzieren lassen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als Lizenzgeber für die 3. Liga, bzw. die Bundesligen geben vor, wie groß der Abstand vom Spielfeld zur Tribüne sein darf - sechs Meter in den seitlichen Bereichen, 7,50 Meter hinter beiden Toren. In diesem Bereich spielt der VfL aktuell mit Ausnahmegenehmigungen, das ist kein Zukunftsmodell. Die Architekten gaben aber an, sich in den Planungen an den Minimalanforderungen zu bewegen, genauso, was die notwendige Anhebung der Tribünen angeht. Heutzutage stehen die Zuschauer in Ost- und Westkurve etwa auf der untersten Stufe auf Platzniveau. Das wird in Zukunft anders sein, denn dann sind die untersten Stufen 1,50 Meter höher als der Rasen.
Die Ostkurve soll eine massive Stehplatztribüne mit einer Kapazität von etwa 8000 Zuschauern werden. Auf Mundlöcher in den zentralen Blöcken der Tribüne wird verzichtet - stattdessen sollen die Menschen voraussichtlich von oben auf die Tribüne gelangen, abgesehen von je einem Mundloch in den seitlichen Bereichen der Tribüne. Im Rücken der Blöcke sollen deshalb Treppenhäuser entstehen. Auch das Mundloch im Affenfelsen wird entfernt, weil die Zuwegung für Rettungsfahrzeuge und Lkw über „Omas Ecke“ im Nordwesten geleitet wird.
Im Süden entsteht den Planungen zufolge eine Sitzplatztribüne mit Business Seats im unteren Bereich und Logen im oberen Rang, darüber die Einrichtungen für Einsatzkräfte und Fernsehteams. Die Presseplätze wandern von der Nordtribüne ebenfalls in den Süden. Die Auswechselbänke beider Mannschaften, die aktuell vor der Tribüne platziert sind, sollen nach englischem Vorbild in die Blöcke integriert werden.
Im Westen soll die Stadionecke weiterhin als Stehplatzbereich fungieren. Der Block daneben Richtung Tribünenmitte wird aller Voraussicht nach ein Sitzplatzbereich - auch der Gästeblock, der seinen aktuellen Ort beibehält, wird in Steh- und Sitzplatzblöcke aufgeteilt. Markant ist: Der bis zum Bau der Nordtribüne im Jahr 2008 genutzte Spielertunnel hinter dem Tor entfällt, die Profis sollen aber nach der Sanierung wieder aus dem Westen, diesmal aber leicht seitlich versetzt, aufs Feld kommen - schließlich befinden sich die neuen Kabinen ja im Bauch der Tribüne.
Zu diesem Themenbereich hielten sich die Architekten noch relativ bedeckt, denn es fehlt ein wichtiges Puzzlestück: der Generalunternehmer, also die ausführende Baufirma. Diese wird nach einer positiven Ratsentscheidung im November gesucht und soll bestenfalls in der Sommerpause 2026 loslegen. Erst der Generalunternehmer könne aber seriös beantworten, wie der Bau konkret vonstattengehen soll und wie hoch die Kosten ausfallen. Die Planer haben allerdings berechnet, dass die Umsetzung nach ihren Vorstellung womöglich sogar unter den anvisierten 67,7 Millionen Euro liegen wird, die den bisherigen politischen Debatten zugrunde liegen.
Zur Erinnerung: Rund die Hälfte dieser 67,7 Millionen soll aus dem Haushalt der Stadt entnommen werden. Die andere Hälfte wird kreditfinanziert und über eine Stadionpacht, die der VfL an die Stadt als Eigentümerin des Stadions entrichten wird, getilgt. Ob es am Ende aber wirklich dazu kommt, ist noch offen. In vier Wochen muss der Stadtrat entscheiden.