Osnabrück  Von den Schuhen bis zur Perücke: Lucia Frische entwirft die Kostüme am Theater Osnabrück

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 07.10.2025 13:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das „lange Schwarze“ für den Herzog in „Wie Es Euch Gefällt“ am Theater Osnabrück präsentiert Kostümdesignerin Lucia Frische. Foto: Sebastian Dannenberg
Das „lange Schwarze“ für den Herzog in „Wie Es Euch Gefällt“ am Theater Osnabrück präsentiert Kostümdesignerin Lucia Frische. Foto: Sebastian Dannenberg
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Wie kommen Schauspieler an ihre Kostüme? Am Theater Osnabrück gibt es eine eigene Schneiderei. Für die kommende Premiere der Shakespeare-Komödie „Wie Es Euch Gefällt“ wurden dort Entwürfe von Lucia Frische umgesetzt. Wir haben mit der Kostümbildnerin über ihre Arbeit gesprochen.

Inhaltlich bietet die Shakespeare-Komödie „Wie Es Euch Gefällt“ viel Stoff. Der textile Stoff für die visuelle Umsetzung am Theater Osnabrück indes hängt an diversen Kleiderständern in den dortigen Lagerräumen und über Styroporpuppen in der hauseigenen Schneiderei. Die Entwürfe für die Kostüme stammen aus der digitalen Feder von Lucia Frische.

Geboren und aufgewachsen ist Lucia Frische in Osnabrück. Nach einem Auslandsaufenthalt für die Caritas hatte die 29-Jährige überlegt, was man am Theater alles beruflich machen kann. Gelandet ist sie im Wintersemester 2016 schließlich an der Hochschule Hannover im Studiengang Szenografie, Kostüm und Experimentelle Gestaltung.

Während der Corona-Pandemie ging es zurück nach Osnabrück, weil mit dem Wechsel der Intendanz am hiesigen Theater eine Stelle als Ausstattungsassistentin frei geworden war. Bereits vor ihrem Studium hatte Frische hier ein Praktikum im Musiktheater absolviert. Erste Berührungspunkte mit dem Schauspiel gab es ganz klassisch über die Theater-AG in der Schule und später über ein Jugend-Abo.

Bis heute sucht die seit zwei Jahren selbstständige Kostümdesignerin nicht selbst die große Bühne, sondern arbeitet lieber im Hintergrund – ist dabei aber verantwortlich für „alles, was man auf der Bühne sieht“, sagt sie. Von Kopf bis Fuß, vom Hut und der Perücke bis zu den Schuhen stattet sie die Schauspieler aus. Selbst das Make-Up entwirft sie digital an ihrem Laptop.

In „Wie Es Euch Gefällt“ gibt es zwei ganz unterschiedliche Welten, für die Frische die Kostüme kreiert hat. Den Kontrast zwischen dem diktatorischen Hof- und dem animalischen Waldleben hat sie in gegensätzliche Outfits übersetzt. So trägt etwa der von Sascha Maria Icks gespielte Herzog einmal „böses“ Schwarz mit einer sechs Meter langen Schleppe und einmal einen blauen Federmantel.

Mehr Freiraum hat sie bei der Gestaltung der Wald-Kostüme gehabt, sagt die Designerin. Herausgekommen ist unter anderen ein transparenter Rock, in dem Schafswolle sichtbar ist. Generell sei es einfacher, der Fantasie freien Lauf zu lassen, als möglichst korrekt historische oder alltägliche Kleidung zu entwerfen. Denn: „Da wollen dann immer viele mitreden“, verrät Frische.

Nicht alle Kostüme werden komplett neu geschneidert. Aber selbst jene, die nach der Sichtung im Fundus für nützlich befunden worden sind, werden von den acht Mitarbeiterinnen in der Schneiderei angepasst, umgefärbt, zusammengenäht oder anderweitig so umgeschnitten, dass sie für die neue Produktion passen. Zwei Gewandmeister begleiten den Prozess in enger Absprache mit dem gesamten Team.

„Es ist toll, dass hier im Haus der Handwerksberuf der Schneiderei gepflegt wird“, sagt Frische – und findet es immer wieder „enorm, was hier so alles geschneidert wird“. Einen „Verzweiflungsmoment“ gebe es jedoch immer, wenn im ehrlichen Austausch etwa festgestellt werde, dass man das ein oder andere Stück so gar nicht gebrauchen kann, erzählt sie buchstäblich aus dem Nähkästchen.

Auch für „Wie es Euch Gefällt“ ist ein bereits komplett fertig genähtes Kostüm im Fundus statt auf der Bühne gelandet. Weggeschmissen werde aber kaum etwas, betont Frische. Schließlich könnte ja alles noch einmal für andere Stücke gebraucht werden. Jetzt fiebert sie aber erst einmal der Shakespeare-Premiere entgegen, ihrer dritten Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Schlüter, die passenderweise mit „Shakespeare In Love“ begonnen hat.  

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