Osnabrück VfL Osnabrück siegt in Mannheim: Vier Tore, drei Punkte, zwei klare Köpfe - ein starkes Kollektiv
Nur wenige Drittliga-Fußballer des VfL Osnabrück spielten beim 4:1 gegen Waldhof Mannheim durchschnittlich, die meisten Leistungen gingen darüber hinaus – mit zwei klaren Köpfen dieses Sieges.
#18 Lars Kehl (bis 86. Minute): Einmal mehr, das kann man sagen, führte der flinke Offensivmann seine Mannschaft zum Sieg. Kehl war von Beginn an präsent, gleich in der ersten Minute glänzte er mit einer sehenswerten Vorlage auf Kammerbauer, die beinahe zum sehr frühen 1:0 führte. In der ersten Halbzeit war er mit Abstand der beste Osnabrücker. Selbst, wenn ihm Solo-Aktionen mal nicht gelangen und Kehl den Ball verlor, hatte er ihn nur Sekunden später wieder. Der 23-Jährige schoss zwar kein Tor, bereitete aber zwei vor. Leistete eine sehenswerte Vorlage in der 50. Minute zum 1:1 durch Meißner; ebenso vor dem 2:1, als er drehend die Übersicht behielt und wieder Meißner auflegte. In dieser Form ist Kehl aktuell unersetzlich für den VfL.
#11 Robin Meißner (bis 79.): Endlich ist der Knoten geplatzt. Obwohl auch dieses Spiel für Meißner wieder holprig begann. In der ersten Viertelstunde war er selten zu sehen. Er ließ dennoch auch in der ersten Halbzeit schon aufblitzen, was ihn ausmacht, als er in der 31. Minute beispielweise SVW-Abwehrspieler Rieckmann gut abschirmte und aussteigen ließ. Sein Abschluss dann aber war viel zu überhastet – und ging weit über das Tor. Mehrfach fiel Meißner aber mit gelungenem Steil-Klatsch-Spiel in Kooperation mit Kehl auf. Und in der 50. Minute endlich war es dann so weit: Er erzielte das für ihn erlösende, erste richtige Stürmertor im VfL-Dress. Meißner zeigte keine Nerven und überlistete Mannheims Torwart Hawryluk cool. Der Treffer tat ihm sichtlich gut, der Stürmer war danach viel präsenter im Osnabrücker Spiel. Erzielte erst vermeintlich das 2:1, nahm den Ball dabei sehr abgeklärt mit. Die Entscheidung auf Abseits war aber wohl korrekt. Sei es drum, Meißner besorgte noch das 3:1 und krönte so eine starke Leistung.
#15 Bjarke Jacobsen: Mittlerweile gehören die souveränen Auftritte des Dänen fast schon zum guten Ton beim VfL. Kaum ein Angriff, der nicht über ihn läuft. Jacobsen agierte wieder mit ordnender Ruhe und passenden Tempowechseln zur rechten Zeit. Wie schon gegen Regensburg spielte Jacobsen starke spieleröffnende Pässe und hatte kurz vor der Halbzeitpause sogar selbst die Kopfballchance auf ein Tor. Besonders das Zusammenspiel mit dem unkonventionell auftretenden Lesueur gefiel, weil dieser scheinbar genaustens umsetzte, was Jacobsen ihm in den Fuß spielte. Im Spiel nach hinten war Jacobsen der gewohnt verlässliche Abräumer, der seine Grätschen gut zu timen wusste.
#21 Jannik Müller: Viel gibt es zum Auftritt des Kapitäns und klaren Chefs im Osnabrücker Spiel gar nicht zu sagen. Müller hatte direkt in der siebten Minute seine erste wichtige Klärungsaktion gegen Mannheims Okpala, der im Begriff war, Karademir zu entwischen. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass Müller hinten aufräumte. Fing den wichtigen Mannheimer Steilpass unmittelbar vor dem Ausgleich ab und eröffnete direkt auf Kehl, der wiederum Meißners Treffer vorbereitete. In der 57. Minute hatte er gar die Chance auf das 2:1, wobei Hawryluk im letzten Moment aber noch hielt. Insgesamt abgezockt, eben so, wie man Müller kennt.
#3 Frederik Christensen (bis 71.): Der Däne rotierte im Vergleich zum 2:0-Sieg gegen Jahn Regensburg wieder in die Startelf, verdrängte Kevin Schumacher auf die Bank. Als tiefer positionierter Schienenspieler deutlich weniger in die Angriffe involviert als sein Pendant auf rechts, Patrick Kammerbauer. Christensen hatte in der 41. Minute eine erste Schusschance am Fünfmeterrraum, die aber mit dem linken Fuß zu schwach geriet. Sah zwar in der 59. Minute die gelbe Karte, aber dieses Foul muss er spielen, weil Karademir sich vorher verschätzte. Christensen belohnte seinen Auftritt mit dem Treffer zum 3:1, als er nach Fridolin Wagners Kopfballchance abstaubte.
#31 Patrick Kammerbauer: Der rechte Schienenspieler hatte schon nach 50 Sekunden die erste Torchance, als er von rechts in den Strafraum startete und eine Flanke Kehls mit dem rechten Fuß erwischte. Mannheims Keeper Hawryluk vereitelte aber auf der Linie. Insgesamt zeigte sich Kammerbauer so laufstark wie sonst auch, er war in beiden Strafräumen zu finden. Im Zuge der Osnabrücker Angriffe überforderte Mannheims Voelcke immer wieder – in Laufduellen, und auch dadurch, dass nicht ausrechenbar war, ob Kammerbauer nun die Flanke in den Rücken der Abwehr oder steiler entlang der Grundlinie wählen würde. Eine Flanke in den Strafraum führte schließlich zum 3:1. Unbestritten ist Kammerbauer eine Säule des VfL-Erfolges dieser Tage.
#37 Ismail Badjie (ab 71.): Für seine Verhältnisse war es ein eher unauffälligeres Spiel für den Offensivmann. Machte aber den sprichwörtlichen ‚Deckel‘ auf dieses Spiel. Bei seinem Tor zum 4:1 war er genau so abgezockt, wie man in der Situation aus fünf Metern sein muss.
#22 Bernd Riesselmann (ab 79.): Nicht lang, aber doch wirksam auf dem Feld. Setzte sich, nachdem er von Henning steil geschickt wurde, sehr abgebrüht gegen Mannheims Innenverteidiger Rieckmann durch und bewies dann noch die Übersicht, passend getimt auf Badjie querzulegen.
#20 Theo Janotta: Er spielte eine sehr unauffällige erste Halbzeit, was aber auch heißt: ungefährdetere Halbzeit als Karademir auf der linken Seite. Über Janottas rechte Abwehrseite hatte Mannheim wenig Chance auf Torfgefahr. In der zweiten Halbzeit wurde der 22-Jährige sichtbarer. Hatte in der 68. Minute einen wichtigen Block gegen Mannheims Masca, der im Fallen einen Schuss versuchte. Janottas Klärungsaktionen wirken manchmal noch etwas hölzern, er war aber trotzdem kein Unsicherheitsfaktor gegen den Waldhof.
#23 Tony Lesueur (bis 71.): Der 25-Jährige stand zum zweiten Mal in dieser Saison von Beginn an auf dem Platz (nach dem Spiel in Havelse). Früh schon mittendrin im Offensivspiel. Die Aktion von Kehl und Kammerbauer, die Lesueurs Rückpass folgte, hätte fast zum 1:0 geführt. Von Beginn an auch präsent im Defensivspiel. Lesueur hatte in der 18. Minute den Ausgleich auf dem Fuß, bei dem er aus 18 Metern aber zu überhastet und ungenau Hawryluk anschoss. Auch in der zweiten Halbzeit immer wieder Anspielpartner für lange Pässe aus dem Mittelfeld, meistens mit der richtigen Idee, zuweilen haperte es nur an der Umsetzung. Auffällig war, dass er – trotz Positionieren als ‚Zehner‘ – immer wieder Strafraumszenen hatte, manchmal als eine Art zweite Spitze. Ein weiterer Auftritt vom 25-jährigen Franzosen, der Lust auf mehr macht.
#6 Bryan Henning (ab 71.): Wählte eine umtriebigere, also weniger positionshaltende Interpretation seiner Rolle als noch Vorgänger Wagner. Henning brachte wie immer gedankliche Frische – zu sehen beispielsweise, als er Kammerbauers Einwurf weiter- und damit das 4:1 durch Badjie einleitete.
#13 Kevin Schumacher (ab 71.): Interpretierte seine Rolle wie immer körperbetonter, als Christensen. War im Anlaufen energischer und leistete sich keine Fehler. Aber auch ohne zählbaren Einfluss auf das VfL-Spiel.
#4 Yigit Karademir: Der junge Innenverteidiger stolperte in der sechsten Minute, musste dann ins Laufduell mit Okpala, das er verlor. Da hatte er Glück, dass Jannik Müller zur Stelle war, aushalf und zur Ecke klärte. Verschätzt sich auch in der 59. Minute und ließ wieder Okpala passieren, der beinahe frei durch war. Nur deshalb musste Christensen aushelfen und holte sich so die berechtigte, aber nicht vorwerfbare gelbe Karte ab. Als Mannheim sich in der Schlussphase noch mal zaghaft aufzubäumen versuchte, war Karademir aber auch erfolgreich Teil des Osnabrücker Bollwerks.
#21 Lukas Jonsson: Der Schwede dürfte nach der Partie besonders erleichtert gewesen sein. Jonsson leistete sich einen katastrophalen und völlig unnötigen Fehlpass in die Beine von Mannheim Shipnoski, der in der 14. Minute querlegte auf den Torschützen Lohkemper. Das 1:0 ging so also zu einem großen Teil auf seine Kappe. Später aber fiel auch Jonsson positiv auf, mit einer starken Parade in der 69. Minute etwa gegen Lohkempers verdeckten, harten Schuss aus kurzer Distanz. Hatte vor allem gegen Ende seinen Strafraum komplett im Griff.
#26 Fridolin Wagner (bis 71:): Durfte seinen zweiten Einsatz dieser Englischen Woche sammeln, nachdem er beim 0:0 gegen Köln noch zunächst auf der Bank saß und dann gegen Regensburg startete. Im Duell bei seinem Ex-Club Mannheim war Wagner neben Jacobsen der schwächere der beiden Sechser. Vor dem 0:1 sehr statisch, als er den Ball von Jonsson empfangen soll, aber nicht entgegengeht. Wagner sah Gelb in der 26. Minute – eine Verwarnung, die wegen taktischen Fouls berechtigt war, aber durch mehr Sauberkeit in der vorausgegangenen Ballannahme gar nicht hätte entstehen müssen. Später ließ sich Wagner auch vom durch die Tore insgesamt gestiegenen Selbstbewusstsein mitziehen. Seinen starken Flugkopfball vor dem 3:1 konnte Mannheims Keeper gerade noch so abwehren, Christensen staubte dann aber ab.
#10 Kai Pröger (ab 86.): War nur kurz auf dem Platz und ohne Auffälligkeiten nicht zu bewerten.