Tag der Deutschen Einheit In Aurich wurde mit viel Gesang und mit Botschaften gefeiert
„Aurich singt“: Rund 200 Menschen treffen sich auf dem Marktplatz. Bei den Rednern und in einem Schreibwettbewerb stand die Freiheit im Mittelpunkt.
Aurich - Der Tag der Deutschen Einheit ist auch in Aurich gefeiert worden. Die Evangelische Allianz Aurich und die Initiative „Omas (und Opas) gegen Rechts“ hatten sich in die bundesweite Veranstaltungsreihe „Deutschland singt“ eingeklinkt. Getreu diesem Motto versammelten sich am Freitagabend für „Aurich singt“ rund 200 Teilnehmer zum gemeinsamen Singen auf dem Marktplatz. Unterstützt wurden sie vom Sprengel-Bläserensemble Ostfriesland unter der Leitung von Landesposaunenwart Hayo Bunger sowie Kreiskantor Maxim Polijakowski und dessen Band mit Kirchenmusikerin Helen Kröker als „Vorsängerin“. Sowohl in den Liedern als auch in den Redebeiträgen stand eine Botschaft ganz besonders im Fokus.
„In den Herzen und in den Köpfen wird wieder viel Stacheldraht ausgerollt, und das ist gefährlich“, warnte Christiane Preising. Die Pastorin der Lukaskirchengemeinde Walle moderierte die Veranstaltung am Freitag zusammen mit Pastor Lucas Scheper von der Baptistengemeinde in Rahe. Beide haben den Übergang zur deutschen Einheit 1989/1990 nicht aktiv miterlebt. Dazu sind sie schlicht und ergreifend zu jung. „Für uns ist das mit der Freiheit selbstverständlich, und das soll auch so bleiben“, betonte die Pastorin. Deswegen gehe ihr Blick weniger zurück, sondern eher nach vorne, „um das, was uns damals geschenkt worden ist, zu bewahren und zu überliefern“.
„Freiheit ist und bleibt das größte Geschenk“
Dieses Bewahren der Freiheit bezeichnete die Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann (CDU) aus Aurich in ihrer Rede als „täglichen Auftrag“. Als „Polizistin habe ich erlebt: Es ist nicht die Uniform allein, die schützt, es ist die Haltung der Gesellschaft, dass wir gemeinsam für Regeln einstehen“, erklärte die Christdemokratin. „Freiheit birgt Risiken und kann missbraucht werden. Aber Freiheit ist und bleibt das größte Geschenk, das wir als Menschen besitzen.“
Daran anknüpfend erinnerte sich Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer an eine Begegnung mit einer Bürgerin aus der ehemaligen DDR. Obwohl für sie nach der Wende keineswegs immer alles gut lief, fühle sich diese Frau inzwischen dennoch erleichtert, endlich alles sagen zu dürfen, was sie denkt. Und das sollten wir uns „von den Extremisten an den Rändern mit ihrem Hass gegen alles Bunte nicht nehmen lassen“, so die Regionalbischöfin. Auch der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) forderte in seinem Redebeitrag, „dass wir etwas tun müssen“, um unsere Freiheit aufrechtzuerhalten. Dafür seien Veranstaltungen wie „Deutschland singt“ ein „gutes und richtiges Signal“, meinte der Bürgermeister.
Schreibwettbewerb zum Thema Freiheit
Den musikalischen Auftakt am Freitagabend bildete ein Potpourri populärer Hits „made in Germany“ bestehend aus Nenas „99 Luftballons“, Bosses „Schönste Zeit“, Andreas Bouranis „Auf uns“ und „Wind of Change“ von den „Scorpions“. Anschließend sangen die Anwesenden das Friedenslied „Hevenu shalom alechem“, die Folk-Balladen „We shall overcome“ und „Sag mir, wo die Blumen sind“ sowie den Gospel-Song „Amazing Grace“. Darüber hinaus trug der Liedermacher Lukas Linder eine Eigenkomposition vor, deren Refrain „In den Dünen kann ich Freiheit fühlen“ sich perfekt in den Tenor der Veranstaltung einfügte.
Gleiches galt für die zwölfjährige Nele-Sophie aus Walle und die dreizehnjährige Aylin aus Tannenhausen. Beide hatten bei einem Schreibwettbewerb zum Thema Freiheit mitgemacht. Ihre Texte waren von einer Jury als die besten auserkoren worden. Zur Belohnung erhielten die Schülerinnen jeweils einen Gutschein. Mit der deutschen Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“, gefolgt von der Europahymne „Ode an die Freude“, klang das gemeinsame Singen dann stimmungsvoll aus.