Osnabrück  FMO braucht München-Flüge: Wirtschaft und Politik müssen für das Tor zur Welt kämpfen!

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 03.10.2025 07:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kommt nach Frankfurt auch das Aus für die München-Verbindungen, dann schließt sich am FMO das Tor zur Welt. Für die regionale Wirtschaft wäre das eine Katastrophe. Deshalb sollten Politik und Wirtschaft in der Region jetzt ein starkes Signal nach Berlin senden, fordert unser Kommentator. Foto: André Havergo
Kommt nach Frankfurt auch das Aus für die München-Verbindungen, dann schließt sich am FMO das Tor zur Welt. Für die regionale Wirtschaft wäre das eine Katastrophe. Deshalb sollten Politik und Wirtschaft in der Region jetzt ein starkes Signal nach Berlin senden, fordert unser Kommentator. Foto: André Havergo
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Ohne München verliert der Flughafen Münster/Osnabrück seine wichtigste Verbindung ins internationale Netz. Für Unternehmen, Fachkräfte und Investoren wäre das ein Rückschlag – jetzt sind Politik und Lufthansa gefordert. Ein Kommentar.

Der Flughafen Münster/Osnabrück ist mehr als ein Regional-Airport für Urlaubsreisen. Er ist eine Lebensader für die Wirtschaft im Münsterland und im Osnabrücker Land. Insbesondere die Inlandsflüge zum internationalen Drehkreuz München machen den FMO zu einem wichtigen Standortfaktor. Für Unternehmen, die auf schnelle internationale Anbindungen angewiesen sind, ist er unverzichtbar.

Dass Lufthansa nun die München-Verbindung auf den Prüfstand stellt, ist deshalb nicht irgendeine betriebswirtschaftliche Entscheidung, sondern eine Frage der regionalen Zukunftsfähigkeit. Schon der Verlust der Frankfurt-Flüge im vergangenen Jahr war ein herber Rückschlag. Fällt auch München, dann verliert der FMO seine letzte verbliebene Tür in die weite Welt.

Es geht nicht nur um 230.000 Passagiere jährlich, die heute vom FMO nach München fliegen – jede fünfte Reise des gesamten Flughafens. Es geht um die Attraktivität des Standorts insgesamt. Fachkräfte, Investoren und global agierende Unternehmen schauen darauf, ob eine Region international erreichbar ist. Wer erst Stunden im Auto oder in überfüllten Bahnen verbringen muss, um zu einem anderen Drehkreuz zu gelangen, wird sich zweimal überlegen, ob er hier investiert oder sich ansiedelt.

Der ICE von Osnabrück nach München braucht mehr als sieben Stunden – für internationale Geschäftsreisen ist das keine ernsthafte Alternative. Damit ist klar: Ohne München verliert der FMO seine Funktion als Tor zur Welt – und die Region verliert einen zentralen Standortvorteil.

Natürlich hat Lufthansa mit vielem recht. Die staatlichen Abgaben in Deutschland sind hoch, die Luftverkehrssteuer im europäischen Vergleich exorbitant. Zudem sind die Gebühren für Flugsicherung und Sicherheit seit der Pandemie explodiert. Ein Flug von einem deutschen Airport belastet die Airline mit mehr als 4000 Euro staatlichen Kosten, während in Spanien oder Istanbul oft weniger als ein Sechstel fällig wird. Betriebswirtschaftlich ist das schwer zu rechtfertigen. Doch Lufthansa trägt ebenfalls Verantwortung. Sie ist nicht nur irgendein Anbieter, sondern die deutsche Airline, die sich selbst gerne als Aushängeschild des Landes versteht. Wenn sie sich aus Regionen wie Münster/Osnabrück zurückzieht, sendet das ein Signal: Es geht nur noch um Ertrag, nicht mehr um die Anbindung ganzer Wirtschaftsräume.

Ebenso klar ist aber: Die Hauptverantwortung liegt bei der Politik. Schon im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung zugesagt, die Luftverkehrssteuer wieder zu senken und den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken. Geschehen ist das Gegenteil: Die Belastungen steigen, die Versprechen bleiben unerfüllt. Flughäfen und Airlines fühlen sich zu Recht im Stich gelassen. Für Regionen wie Osnabrück und das Münsterland ist das brandgefährlich. Wenn die Politik nicht handelt, wird die Abwärtsspirale sich fortsetzen. Erst Frankfurt, dann München – und am Ende bleibt nur noch der Touristikbetrieb, der zwar wichtig ist, aber keine internationale Wettbewerbsfähigkeit sichert.

Was also ist zu tun? Erstens: Die Wirtschaft in der Region muss ihre Stimme deutlich erheben. Der Brandbrief aus Greven war ein Anfang. Es braucht aber eine breite Allianz von Industrie- und Handelskammern, Verbänden, Kommunen und großen Arbeitgebern. Nur wenn klar wird, dass ein Verlust der München-Flüge Arbeitsplätze, Investitionen und Zukunftschancen gefährdet, entsteht echter politischer Druck. Zweitens: Die Politik in Berlin muss endlich liefern. Entlastungen dürfen nicht länger verschoben werden. Die Kosten für Flugsicherung und Sicherheit sind hoheitliche Aufgaben – und gehören stärker aus Steuermitteln finanziert. Eine Senkung der Luftverkehrssteuer ist überfällig. Nur so bleibt der Standort Deutschland im Wettbewerb mit Madrid, Brüssel oder Istanbul konkurrenzfähig. Drittens: Lufthansa muss ihre Rolle überdenken. Als nationale Airline kann sie nicht so tun, als wäre es egal, ob ganze Regionen den Anschluss verlieren. Es geht hier nicht um einen x-beliebigen Regionalflughafen, sondern um einen Airport, der für Millionen Menschen – davon alleine 1,6 Millionen im Münsterland und mehr als eine halbe Million in der Region Osnabrück – die zentrale Schnittstelle zur Welt ist.

Die mögliche Streichung der München-Verbindung ist kein Betriebsdetail, sondern eine Standortfrage von enormer Tragweite. Für die Unternehmen der Region ist der FMO mit seinen Inlandsflügen nach München ein unverzichtbarer Standortfaktor. Für die Bundesregierung ist er ein Prüfstein, ob sie ihre Versprechen zur Entlastung des Luftverkehrs ernst meint. Wenn die Bundestagsabgeordneten und die regionale Wirtschaft jetzt nicht gemeinsam entschlossen handeln, dann droht unsere Region ihr Tor zur Welt zu verlieren.

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