Osnabrück  Die Kritik auf die Kritik: Osnabrücker FDP/UWG schaltet sich in hitzigen Kunstrasen-Streit ein

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 02.10.2025 17:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch in Sachen Sportvereinen unterwegs: die FDP/UWG-Gruppe. Auf dem Foto sind Oliver Hasskampf (FDP) und Wulf-Siegmar Mierke (UWG) beim Rot-Weiß Sutthausen mit dessen zweiten Vorsitzenden Philipp Vierhaus (Mitte). Foto: FDP Osnabrück
Auch in Sachen Sportvereinen unterwegs: die FDP/UWG-Gruppe. Auf dem Foto sind Oliver Hasskampf (FDP) und Wulf-Siegmar Mierke (UWG) beim Rot-Weiß Sutthausen mit dessen zweiten Vorsitzenden Philipp Vierhaus (Mitte). Foto: FDP Osnabrück
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Im Streit um Kunstrasenplätze in Osnabrück fordert die FDP/UWG-Gruppe von CDU und SPD mehr Sachlichkeit. Hatte die CDU nicht ähnliches einen Tag zuvor gefordert? Worum geht es hier eigentlich und was hat das mit dem Haushalt zu tun?

Im Kunstrasenplatz-Streit der Osnabrücker Lokalpolitik schaltet sich nun auch die FDP/UWG-Gruppe ein. Oliver Hasskamp (FDP) und Wulf-Siegmar Mierke (UWG) mahnen in einer Mitteilung die CDU und die SPD zu Versachlichung der Debatte „statt parteipolitische Taktiererei“.

Moment. Hatte die CDU nicht einen Tag zuvor allen anderen Parteien genau das vorgeworfen? „Wahlkampf auf dem Rücken der Sportvereine“? Und die SPD dann wiederum der CDU?

Jedenfalls, die FDP/UWG-Gruppe möchte sich offenbar auf keine Seite stellen. Auch, wenn sie mit der grün-rot-lila Mehrheitsgruppe im Stadtrat vor einigen Wochen gestimmt hatte. Dafür, dass die Entscheidung, ob 12 Extramillionen vom Land für Kunstrasenplätze in Voxtrup, Sutthausen und am Schölerberg sowie Sportgebäude ausgegeben werden, in die Haushaltsverhandlungen geschoben werden.

Es war eine Sitzung voller emotionaler Debatten und Vorwürfe. Kritik erntete Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, weil sie – so der Eindruck der Mehrheit – den Vereinen die Kunstrasenplätze bereits zugesagt hatte.

Mit der aktuellen Debatte, in die sich jetzt auch die FDP/UWG einschaltet, geht diese Ratssitzung in die Verlängerung.

Marius Keite und Eva-Maria Westermann nahmen zuerst den Ball wieder auf: „Vereine dürfen nicht Spielball des Wahlkampfs sein!“, mahnten sie. Es gehe um den Sport und natürlich seien die Vorschläge von Katharina Pötter nur Vorschläge gewesen, keine Versprechen. Die SPD wehrte ab: Genau dieses Verhalten von Keite und Westermann sei Wahlkampf.

Und Wulf-Siegmar Mierke von der UWG und Gruppenkollege Oliver Hasskamp (FDP)? Betrachten am Spielfeldrand den Streit und teilen nun mit: „Wir müssen das Thema unbedingt versachlichen und uns jeden einzelnen Bedarf genau anschauen.“ Beim Rot-Weiß Sutthausen waren sie schon. Oliver Hasskamp stellt fest: „Hier wurde der Bedarf nach einem Kunstrasenplatz deutlich.“ Er erklärt: „Für die bestehende Rasenfläche auf dem Sportplatz besteht dringender Handlungsbedarf, da der Rasen keine Wurzeln bildet und die Löcher somit nicht mehr zuwachsen.“

Mierke ergänzt, dass gerade der vom Ehrenamt getragene Breitensport unbedingt unterstützt werden müsse. „Ehrenamtliche Vorstände müssen den wachsenden Bedarf an Spielplänen managen und sich sogar Spielzeiten im Landkreis einkaufen. Mit Spaß am Ehrenamt hat das irgendwann nichts mehr zu tun.“ Alles in allem fanden beide Politiker „wichtige Sachgründe“, um die Anliegen der Vereine bewerten zu können.

Aber die anderen Ratsfraktionen, also die SPD und die CDU, müssten dringend mit der „parteipolitischen Taktiererei“ aufhören. „Wir werden uns daran nicht beteiligen und fordern daher SPD und CDU auf, sich ausschließlich auf die sachpolitischen Diskussionen in den Haushaltsberatungen zu beschränken und Nebelkerzen am Spielfeldrand sofort zu löschen.“

Wer macht denn hier nun Wahlkampf, wer taktiert, wer ist einfach ungeschickt? Die Frage können wir nicht zuverlässig beantworten, aber vielleicht ist sie auch gar nicht so wichtig. Ganz sachlich betrachtet gibt es derzeit eigentlich nur ein Riesenthema für die Osnabrücker Lokalpolitik: der Doppelhaushalt 2026/2027. Der Rat muss ihn beschließen, vorher werden Kürzungsvorschläge hinter verschlossenen Türen debattiert, derzeit müssen die Ratsherren und -frauen Akten wälzen, viele Akten.

Warum arbeiten sich einige trotzdem weiter an den Kunstrasenplätzen ab? Oder vielleicht gerade: deshalb. Der Haushalt wird empfindliche Kürzungen für die Bürger bringen. Müssen. Die Finanzlage ist historisch schlecht. Betrachtet man das Kunstrasen-Nachwehen, lässt sich bereits jetzt erahnen: Es wird bei den Haushaltsverhandlungen zur ein oder anderen harten Debatte kommen.

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