Quepos  Deutscher und Österreicherin in Costa Rica getötet – war es die Drogenmafia?

Klaus Ehringfeld
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Von Klaus Ehringfeld
| 02.10.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt einen Einsatz an dem Ort in Costa Rica, an dem ein Spürhund zwei Leichen gefunden hat. Foto: picture alliance/dpa/OIJ Costa Rica
Das Bild zeigt einen Einsatz an dem Ort in Costa Rica, an dem ein Spürhund zwei Leichen gefunden hat. Foto: picture alliance/dpa/OIJ Costa Rica
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Spuren deuten auf einen Raubmord hin. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die jüngsten Entwicklungen in Costa Rica: Im einst sicheren und fortschrittlichen Land grassiert mittlerweile die Gewalt.

Gut eine Woche nach dem Mord an einer Österreicherin und ihrem deutschen Partner in Costa Rica gibt es noch immer keine Hinweise auf die Täter. Nach wie vor ermittelt die Polizei in dem zentralamerikanischen Land in alle Richtungen. Vermutet wird ein Raubmord.

Der 60-Jährige und die 57-Jährige lebten nach Angaben lokaler Medien seit 2022 auf einer Finca in Quepos in der Provinz Puntarenas an der costa-ricanischen Pazifikküste. Er war Informatiker und arbeitete zuletzt offenbar bei Microsoft.

Das Paar war im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aus seiner Heimat München ausgewandert. Seither pendelten es zwischen Costa Rica und Bayern. Der Deutsche und die Österreicherin verbrachten lange Phasen in dem zentralamerikanischen Land, war aber auch oft auf Reisen. Zuletzt war das Paar Ende August eingereist.

Der Doppelmord ereignete sich zwei Wochen nachdem der 60-Jährige in mehreren Einträgen in sozialen Netzwerken sein 50.000-Quadratmeter-Anwesen für 995.000 Dollar (848.000 Euro) angeboten hatte. Warum das Paar sein Domizil schon wieder verkaufen wollte, ist vorerst nicht bekannt.

Costa Rica ist ein beliebtes Urlaubs- und inzwischen auch Auswanderer- und Flüchtlingsziel, weil es Jahrzehnte als sicher und stabil galt und es im Vergleich zu den unruhigen und gewaltsamen Nachbarländern Zentralamerikas mit niedrigen Kriminalitätsraten hervorstach.

Das hat sich aber seit einigen Jahren geändert. Mittlerweile hat auch die Drogenmafia in dem Land Fuß gefasst. In Costa Rica wurden vergangenes Jahr 880 Morde verübt, die zweithöchste Zahl an gewaltsamen Todesfällen in der Geschichte des Landes. Lediglich 2023 gab es noch mehr Morde. 

Ermordet wurde das Ehepaar nach bisherigen Erkenntnissen am Samstag, dem 20. September. Am Vormittag waren sie noch beim Gassigehen mit ihren Hunden gesehen. Der Hinweis auf eine Straftat erreichte die Polizei anonym. 

„Wir erhielten vertrauliche Informationen, höchstwahrscheinlich von einem Nachbarn, dass das Haus ausgeraubt wurde, sagte Randall Zúñiga, Chef der Kriminalpolizei OIJ. „Wir kamen Montagabend zwischen 19 und 20 Uhr an und fanden die Bewohner nicht vor. Wir suchten das Gelände des Hauses ab. Dabei entdeckten wir einen Erdhügel, aus dem ein starker Geruch ausströmte.“  

Es handele sich eindeutig um einen Doppelmord, betonte der Kripo-Chef. Die Opfer wurden in einer Art Grab begraben, waren gefesselt und lagen in einer Art Sack. „Es gab Blutspuren in verschiedenen Teilen des Hauses, im Schlafzimmer und an anderen Orten. Es ist auch klar, dass versucht wurde, das Haus zu reinigen und Spuren zu verwischen. Die Küche war sogar noch nass.“ 

Die Autopsie ergab, dass die Frau von drei Schüssen getroffen wurde. Der Mann erlitt nur eine Schussverletzung. Ob diese Verletzungen auch die Todesursache waren, sei bisher nicht geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Die Leichen des Paares befinden sich derzeit noch in der Gerichtsmedizin.

In Costa Rica leben nach Behördenangaben 2238 Deutsche und 804 Schweizer. Die Zahl der Österreicher wird nicht aufgeführt, da es so wenige sind. Nach statistischen Erhebungen müssen es aber weniger als 350 sein. Die Lufthansa fliegt das Land dreimal die Woche aus Frankfurt direkt an. 

In den vergangenen Jahren migrierten nach Costa Rica vor allem Menschen aus dem benachbarten Nicaragua, um vor der dortigen Gewalt und der autokratischen Regierung zu fliehen. 350.000 Nicaraguaner leben in Costa Rica, gefolgt von Migranten aus Venezuela (28.000), Kolumbien (25.000) und El Salvador (16.000). An vierter Stelle folgen die US-Amerikaner mit einer Anzahl von 15.000. Bei ihnen handelt es sich zum größten Teil um Auswanderer oder Rentner, die in Costa Rica überwintern. 

Laut dem Nachrichtenportal „Tico Times“ forderte OIJ-Chef Zúñiga mehr Investitionen seines Landes in die Sicherheit. Einwohner und Touristen müssten vor solchen Gewalttaten geschützt werden. Diese Verbrechen drohten zudem Menschen von einer Reise nach Costa Rica abzuschrecken, was sich negativ auf den Tourismus auswirke.

„Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Costa Rica“, betont Tourismusminister William Rodríguez. Er ist wichtig für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand. Laut Angaben der Zentralbank von Costa Rica erreichten die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus vergangenes Jahr 5,4 Milliarden Dollar, ein Allzeithoch. 

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