Osnabrück Zum 2:0 des VfL Osnabrück gegen Jahn Regensburg: Drei Säulen ragen heraus
Beim 2:0-Heimsieg gegen den SSV Jahn Regensburg bestach der VfL Osnabrück mit einer starken Teamleistung - dennoch fielen drei Säulenspieler in einem guten Kollektiv speziell auf. Die Einzelkritik.
#15 Bjarke Jacobsen: Begann für seine Verhältnisse fast zurückhaltend, arbeitete sich dann aber ins Spiel: über seine typischen kurzen Pässe zum Nebenmann als ordnende Hand. Und als Instanz gegen den Ball bei der Antizipation Regensburger Pässe und natürlich bei gewonnenen Zweikämpfen. Legte den Führungstreffer per Kopf-Ablage auf, initiierte wenig später mit starker Drehung plus Tempolauf die Großchance von Ihorst vor der Pause. Auch in der Entstehung des 2:0 beteiligt, als er den öffnenden Pass auf Kehl spielte. Bis zum Ende klarer Turm in einer intensiven Schlacht.
#24 Jannik Müller: Volle Aufmerksamkeit über die komplette Spielzeit, Antizipation aller Dinge, die passieren werden: Das war einmal mehr die Basis für eine einmal mehr herausragende Leistung des Abwehrchefs. Müller fand stets den richtigen Moment, um nach vorn zu verteidigen, nach hinten lange Bälle zu erahnen und abzulaufen oder im Raum dazwischen Zweikämpfe voll anzugehen und ohne Kompromisse zu gewinnen. Überragend war seine (Ball-)Sicherheit in der Lösung aus dem Druck in der Defensive und in der Spieleröffnung. Dabei hatte er sichtlich Spaß, die anlaufenden Regensburger zu locken und sie mit kurzen Pässen und Körpertäuschungen ins Leere laufen zu lassen.
#18 Lars Kehl (bis 85.): Fast alle VfL-Angriffe liefen über den Kreativspieler, der das 1:0 mit seiner Flanke nach kurz ausgeführter Ecke einleitete und über die gesamte Spielzeit mit vielen kleinen Haken, Körpertäuschungen und kurzen Zuspielen Räume öffnete. Überragend sein präziser Flankenwechsel als Vorlage für Torschütze Kammerbauer zum 2:0. War auch gegen den Ball über seine volle Einsatzzeit mit viel Laufbereitschaft und gesunder Aggressivität unterwegs, mit der er den Gegner immer wieder nervte und viele Balleroberungen einleitete.
#31 Patrick Kammerbauer: Hatte die erste Chance für den VfL mit seinem Kopfball nach Schumachers Flanke, als er aus acht Metern knapp drüber köpfte. Bestach ansonsten mit Ballsicherheit und cleverem Verhalten im Raum auf der rechten Schiene. Zeigte seine überragenden Ballverarbeitungs-Qualitäten beim 2:0, als er in den Mittelstürmer-Raum einlief, die Flanke überragend mit rechts annahm und mit links vollendete. Zeigte kurz darauf, dass er noch nicht genug hatte, als er über das ganze Feld sprintete und, von Badjie eingesetzt, aus spitzem Winkel an Jahn-Keeper Gebhardt scheiterte. Die Lust am Zocken merkt man auch ihm an - eine klare Bereicherung für den VfL.
#13 Kevin Schumacher (bis 78.): Fand nach abwartendem Beginn gut ins Spiel, als er sich in die Zweikämpfe reinarbeitete und die volle Energie in seine Flankenläufe legte - etwa bei der flachen Hereingabe auf Meißner sowie der präzisen Flanke auf Kammerbauer. Schumacher spielt zielstrebig, klar und schnörkellos - das ist eine Stärke, weil die Mitspieler genau wissen, was sie von ihm bekommen und deshalb gut die Räume besetzen können. Auch seine Energie auf links in Sachen Zweikampfführung und Tempoverschärfung half dem VfL, ab Mitte der ersten Halbzeit klar die Regie zu übernehmen.
#26 Fridolin Wagner (bis 61.): Begann zunächst unauffällig, versuchte, das VfL-Spiel aus dem Zentrum heraus zu sortieren, hatte aber zunächst nicht die durchschlagenden Aktionen. Dann aber war er da: Mit seiner Kopfball-Bogenlampe zum 1:0, als er nach Jacobsens Not-Ablage ins Zentrum erkannte, dass er entschlossener zum Ball gehen konnte als zwei Regensburger. Als Kombinationsfußballer mit dem Blick für tiefe Räume und Spielverlagerungen in der Folge wichtiger Teil dafür, dass der VfL seine Dominanz entfalten konnte.
#20 Theo Janotta: Unauffälligere Partie des Innenverteidigers als noch bei Viktoria Köln, dennoch erneut eine solide Leistung. Sein unglücklicher Querschläger vor Karademirs gelber Karte blieb letztlich ohne Folgen, ansonsten agierte er sicher am Ball und im Zweikampf. Sein Kopfball nach einer Halbfeldflanke kurz vor der Pause ging knapp drüber, beim Abschluss in der zweiten Halbzeit per Kopf wurde er von gleich zwei Regensburgern hart bedrängt, sodass sein Abschluss keinen Druck entwickelte. Gegen den Ball in der Luft eine Instanz und am Boden mit seinen langen Beinen stets präsent.
#4 Yigit Karademir: Führte sich zu Beginn mit einem heftigen Fehlpass im Spielaufbau ein und hatte auch danach zunächst Probleme, gegen die flinken Jahn-Spitzen in die Zweikämpfe zu kommen. Ließ Eichinger vor dessen Großchance zu leicht passieren und holte sich nach Janottas unglücklichem Querschläger die Gelbe Karte für sein Foul an Eichinger ab - gut aber, dass er den Jahn-Stürmer auf dem Weg zum Tor stoppte. Danach fand er viel besser ins Spiel, lief alle Bälle in Laufduellen ab, bewies Sicherheit und Spielwitz beim Kombinieren von hinten heraus und wurde wichtiger Teil einer einmal mehr sehr guten VfL-Defensivleistung.
# 14 Luc Ihorst (bis 61.): Versuchte von Beginn an, seinen Körper einzusetzen, die seine große Stärke ist. Ihorst hatte aber zunächst Probleme, den Ball gegen spritzige Regensburger Defensivspieler zu behaupten. Zeigte nach 23 Minuten in der Einleitung von Kammerbauers Kopfballchance aber, welchen Wert er hat, wenn er genau diese Ballbehauptungen schafft: zuerst mit der Ablage auf Kehl, kurz darauf mit der Ablage zu Flankengeber Schumacher. Solche Szenen häuften sich ab der 15. Minute - genau jene Phase, in der Osnabrück das Heft des Handelns in die Hand nahm. Fischte nach 55 Minuten einen abgewehrten Ball aus 14 Metern ab und schoss direkt drauf, blieb aber an einem Abwehrspieler hängen. Beweist ansteigende Form und darf gern so weitermachen.
#21 Lukas Jonsson: Der Keeper leistete sich in den ersten 20 Minuten einerseits einige krasse Fehlpässe in der Spieleröffnung - ohne Bedrängnis. Dabei hatte er Glück, dass die Regensburger nicht wirklich etwas daraus machten, vor allem bei seinem abgerutschten Befreiungsschlag, der mitten im Zentrum beim Gegner landete. Andererseits entschärfte Jonsson nach 14 Minuten auch die größte Jahn-Chance der Partie, als er gegen Eichingers Flachschuss abtauchte und diesen mit dem Arm aus dem Eck holte - wichtig für den VfL, hier nicht in Rückstand zu geraten. Mit zunehmender Spieldauer war der Schwede dann vor allem noch als sichere und nun fehlerfreie Anspielstation im Spielaufbau gefordert - aber auch bei den wenigen Jahn-Abschlüssen zwischendurch und am Ende war er da und hielt ohne Fehl und Tadel.
#11 Robin Meißner (bis 78.): Es war nicht das Spiel des Mittelstürmers - nicht nur wegen seiner nicht genutzten Chancen. Kam vor der Pause nach Schumachers flacher Hereingabe zu einem Abschluss aus acht Metern, legte den Ball aber mit der Außenseite klar über das Tor. Muss direkt nach der Pause das 2:0 machen, als er im Jahn-Aufbauspiel stark den Ball klaut und nach Zuspiel von Ihorst frei aus zwölf Metern zum Abschluss kommt, aber den Ball am kurzen Eck vorbeischießt. Meißner ging zwar weite Wege in die Tiefe nach vielen Bällen und war so immer eine Gefahr für die Jahn-Abwehrspieler. Zudem war er immer mal wieder Teil erfolgreicher Seitenverlagerungen in freie Räume. Zugleich fehlte ihm aber vor allem in den ersten 25 Minuten ab und an die Koordination und Wucht im Zweikampf, gerade bei hohen Bällen - und nach seiner vergebenen Großchance spürte man sein etwas schwindendes Selbstvertrauen. Man wünscht dem spielfreudigen wie engagierten Zugang aus Dresden mal ein klassisches Stürmertor.
#6 Bryan Henning (ab 61.): Kam für Wagner und brachte direkt seine Qualitäten als bissiger Zweikämpfer und unermüdlicher Läufer ein. Leistete damit einen entscheidenden Beitrag, dass der VfL weiter agressiv nach vorn verteidigte und damit recht souverän den Sieg nach Hause fuhr.
#37 Ismail Badjie (ab 61.): Kam perfekt ins Spiel, mit seiner Balleroberung in Richtung Jacobsen in der Entstehung des 2:0. Auch danach, mit seinem Tempo und seiner Dribbelstärke für Regensburg extrem schwer zu kontrollieren, war so an der Entstehung mehrerer Chancen beteiligt wie jener von Kammerbauer, als über rechts der Durchbruch gelang. Mit etwas konsequenterem Zug zum Tor und besseren Entscheidungen wäre in der einen oder anderen Szene vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen.
#22 Bernd Riesselmann, #3 Frederik Christensen (beide ab 78.) sowie #10 Kai Pröger (ab 85.): Halfen alle mit beim aktiven Verteidigen des Vorsprungs sowie bei der Entlastung über Konter, wobei keine Ergebnisverbesserung mehr gelang – auch nicht durch Riesselmanns und Prögers Doppelchance in der 90. Minute.