Bramsche  Naturalistische Beete: Was wir von den Gärten des Gartendesigners Piet Oudolf lernen können

Julia Kuhlmann
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Von Julia Kuhlmann
| 02.10.2025 07:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Der niederländische Gartendesigner Piet Oudolf setzt auf Stauden und Gräser, die Struktur und Vielfalt in naturnahe Beete bringen. Seine Gärten sind langlebig und pflegeleicht. Was wir für unsere eigenen Gärten davon lernen können.

Bei moderner Gartengestaltung kommt man an seinem Namen nicht vorbei: Piet Oudolf. Der niederländische Gartendesigner hat mit seinem naturalistischen Pflanzstil, der oft als „Dutch Wave“ bezeichnet wird, die Art, wie wir über Gärten denken, revolutioniert. Seine berühmten Projekte, darunter die Gestaltung der High Line in New York, sind dynamische Ökosysteme, die das ganze Jahr über faszinieren.

Oudolfs Ansatz bezweckt ein nachhaltigeres, emotionaleres und naturverbundeneres Gärtnern. Seine Gärten sind unverwechselbar. Auch wenn wir sie schon allein wegen ihrer Größe nicht eins zu eins kopieren können, lässt sich viel von der Arbeit lernen. Mit Bildern von Oudolfs Pflanzung am Vitra Campus in Weil am Rhein beleuchtet dieser Beitrag den Ansatz des berühmten Gartendesigners.

Der radikalste Bruch mit der traditionellen Gartengestaltung ist Oudolfs Fokus auf den gesamten Lebenszyklus einer Pflanze. Während klassische Gärten oft auf den Höhepunkt der Blüte im Frühling und Sommer ausgelegt sind, komponiert Oudolf seine Beete für 365 Tage im Jahr.

Der Winter ist somit kein Ende, sondern eine neue Form der Schönheit. Stauden und Gräser werden gezielt nach ihrer Struktur ausgewählt. Verblühte Samenstände von Sonnenhüten, Fetthennen oder Disteln bleiben über den Winter stehen und entfalten eine fast skulpturale Schönheit.

Vergänglichkeit ist Teil der Ästhetik: Das Braun des Verfalls ist bei Oudolf keine Farbe, die es zu vermeiden gilt.

Was wir lernen können: Den Drang nach dem „Aufräumen“ im Herbst zu unterdrücken, stattdessen Samenstände stehen zu lassen.

Farbe ist in Oudolfs Gärten wichtig, aber sie ist flüchtig. Die wahre Langlebigkeit und das Rückgrat eines Beetes liegen in der Struktur, Form und Textur der Pflanzen.

Oudolf denkt in Schichten und Strukturen. Hohe Pflanzen wie Kerzen-Knöterich oder Königskerzen bilden vertikale Akzente. Flächige Pflanzen wie Storchschnabel weben einen Teppich am Boden. Dazwischen sorgen runde Blütenformen und filigrane Schleier für Abwechslung.

Oudolf kombiniert unterschiedliche Wuchsformen: die Teller der Schafgarbe neben den weichen Halmen eines Ziergrases. Diese Kontraste machen ein Beet auch dann spannend, wenn gerade wenig blüht.

Was wir lernen können: Bei der Pflanzenauswahl nicht nur auf die Blütenfarbe zu achten, sondern auf die Wuchsform, die Blattstruktur und die Silhouette der gesamten Pflanze.

Gräser sind das Herzstück von Oudolfs Entwürfen. Sie sind weit mehr als nur Füllmaterial; sie sind die Seele des Gartens. Gräser fangen das Licht auf einzigartige Weise ein, besonders im tiefen Stand der Morgen- und Abendsonne. Ihre filigranen Halme und Blütenwedel wiegen sich im Wind und bringen eine sanfte Dynamik in die Pflanzung.

Ziergräser sind auch ein verbindendes Element, das die oft kräftigen Farben und Formen der Blütenstauden miteinander verwebt und für ein harmonisches, wiesenartiges Gesamtbild sorgt. Sorten wie das Pfeifengras (Molinia) oder das Reitgras (Calamagrostis „Karl Foerster“) sind aus seinen Entwürfen nicht wegzudenken.

Was wir lernen können: Gräsern einen prominenten Platz im Beet einzuräumen. Sie sind die perfekten Partner für Stauden und verleihen Gärten eine moderne Leichtigkeit.

Der Ansatz, einzelne Stauden mit viel Abstand zueinander zu pflanzen (eine davon, eine davon), ist Oudolf fremd. Er denkt in Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig stützen und ein stabiles, sich selbst erhaltendes System bilden.

Oft verwendet er eine sogenannte Matrix aus dominanten, flächig wachsenden Gräsern oder niedrigen Stauden. In diese Matrix werden dann in Gruppen oder Drifts höhere, auffälligere Blütenstauden eingestreut. Diese Methode ahmt natürliche Wiesen oder Prärien nach. Die Pflanzen wachsen dicht an dicht, unterdrücken so Unkraut und schaffen ein Mikroklima, das den Boden feucht hält. Die Pflanzung sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch pflegeleicht.

Was wir lernen können: Mutig sein und Pflanzen in größeren Gruppen (mindestens 3, 5 oder mehr) derselben Sorte zu pflanzen.

Die alte Gärtnerweisheit, Pflanzen nach ihren Standortvorlieben zu verwenden, wird bei Oudolf zur obersten Priorität. Ein Garten, der gegen die Natur arbeitet, ist zum Scheitern verurteilt.

Er analysiert den Standort genau: Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit. Nur Pflanzen, die an diese Bedingungen optimal angepasst sind, werden verwendet. Er bevorzugt robuste, langlebige Stauden, die ohne viel Eingreifen über Jahre hinweg gedeihen.

Was wir lernen können: Ehrliche Bestandsaufnahme des eigenen Gartens. Wählen Sie Pflanzen, die zu Ihrem Boden und Klima passen, anstatt zu versuchen, die Bedingungen für eine bestimmte „Wunschpflanze“ künstlich zu verändern.

Die Pflanzungen von Oudolf lehren uns eine tiefere Wertschätzung für die Natur in all ihren Facetten. Es geht auch darum, Kontrolle abzugeben. Ein Oudolf-Garten ist kein statisches Gemälde, sondern ein lebendiger Prozess – eine Feier des des Wandels und sogar der Schönheit der Vergänglichkeit.

Indem wir seine Prinzipien anwenden – sei es im Kleinen oder im großen Stil – können wir Räume schaffen, die nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch ökologisch wertvoll und emotional berührend sind.

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