Osnabrück  Kunstrasenplatz-Streit: CDU Osnabrück warnt vor „Wahlkampf auf dem Rücken der Sportvereine“

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 02.10.2025 06:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Aktuell sieht der Rasenplatz vom SC Schölerberg ganz gut aus. Auch hier soll ein Kunstrasenplatz entstehen, der auch im Winter bespielbar wäre. Foto: Dominik Bögel
Aktuell sieht der Rasenplatz vom SC Schölerberg ganz gut aus. Auch hier soll ein Kunstrasenplatz entstehen, der auch im Winter bespielbar wäre. Foto: Dominik Bögel
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Erbittert stritt der Osnabrücker Stadtrat um das Vorgehen der Verwaltung in Sachen Kunstrasenplätze für Sportvereine. Nun legt die CDU nach und warnt vor „taktischen Spielchen“. Die SPD sieht das aber genau andersherum. In einer Sache besteht aber Einigkeit.

In Sachen Kunstrasen für Osnabrücker Sportvereine hat die CDU-Fraktion jetzt mit einem Statement nachgelegt. Darin stellen sich Fraktionschef Marius Keite und Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann fest an die Seite der Vereine, fordern Investitionen in den Breitensport und warnen: „Vereine dürfen nicht Spielball des Wahlkampfs sein.“

Damit knüpfen sie an die emotionale Debatte im jüngsten Stadtrat an, wo das Thema zu heftigem Streit in der Lokalpolitik geführt hatte – während draußen vorm Rathaus Mitglieder des VfR Voxtrup eine Kundgebung abhielten.

Was war passiert? Das Land will Osnabrück 12 Extramillionen zur freien Verfügung geben. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und ihre Stadtverwaltung hatten ab Juli auf Instagram und in einer Pressemeldung davon gesprochen, das Geld in den Breitensport zu stecken. In drei Kunstrasenplätze und zwei Sportanlagen. Allein: Der Stadtrat entscheidet über die Verwendung des Geldes, die Verwaltung kann Vorschläge machen. Zwar betonte Pötter mehrfach, dass es sich nur um Vorschläge gehandelt habe. Aber die Tonalität in den Videos auf Social-Media mit Titeln wie „Kunstrasenplatz für Voxtrup“ klang aus Sicht der anderen Parteien wie Zusagen.

Sie fühlten sich übergangen. Ihre Forderung: das Thema in den Haushaltsverhandlungen in Ruhe und auf Basis von Prioritätenlisten zu beraten. Dafür stimmte letztendlich die Mehrheit auf besagter Stadtratsitzung.

CDU-Fraktionschef Marius Keite stellt nun in der Pressemitteilung noch einmal klar: „Die Vorschläge der Oberbürgermeisterin sind genau das: Vorschläge, über die selbstverständlich der Rat entscheidet. Anstatt diese sachlich zu beraten, wird künstlich Streit heraufbeschworen. Das wirkt wie Wahlkampfgetöse und hilft den Vereinen nicht weiter.“ Und Ratsfrau Eva-Maria Westermann: „Sportförderung ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Stadt.“ Die Projekte seien dringend notwendig.

Beide betonen, dass auch Mitglieder von Grüne, SPD und UWG die Vorschläge für gut befunden hätten.

Einer der SPDler, die sich offen für die Vorschläge aussprach, ist Timo Spreen. Der sportpolitische Sprecher der SPD hatte schon im Juli, direkt nach der ersten Pressemitteilung der Verwaltung zum Thema, auf Instagram die Kunstrasenplatz-Idee gefeiert. Was sagt er zur aktuellen Debatte? „Gerade vor dem Hintergrund, dass wir den Profisport so stark supporten, in das Trainingszentrum des VfL und das Stadion so viel investieren, darf der Breitensport nicht vergessen werden!“, so Spreen im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 12 Millionen sollten nicht das Ende der Fahnenstange sein, die Vereine leisteten so wichtige Arbeit und würden teils viele Jahre auf Verbesserungen warten.

Dennoch schließt er sich der Kritik am Vorgehen von OB und Verwaltung an.

„Dabei geht es nicht um die Kunstrasenplätze – es geht darum, dass wir als Stadtrat übergangen worden sind“, sagt er. Und das nicht zum ersten Mal. Eine Kritik, von der in seinem eigenen Instagram-Beitrag gar Rede war. „Ja, die Pressemitteilung im Juli, in der über die Kunstrasenplätze informiert worden war, klang auch für mich wie eine beschlossene Sache – und nicht wie ein Vorschlag. Ich habe erst später erfahren, dass die Entscheidung bei uns als Stadtrat liegt. Und das hat mich sehr geärgert. Das Ganze war wie ein Schuss vor den Bug!“ Demokratie sei eben genau das: Abwägen, Beraten, dann eine gemeinsame Entscheidung finden. Und Dinge nicht unnötig politisieren, wie es die CDU nun mache.

Das sehen Marius Keite und Eva-Maria Westermann von der CDU ganz anders. Sie verurteilen taktische Spielchen bei den anderen Parteien. Westermann appelliert: „Jetzt kommt es darauf an, dass wir gemeinsam handeln. Unsere Vereine brauchen Verlässlichkeit!“ Der Breiten- und Jugendsport müsse dringend die Bedingungen bekommen, die er verdient.

Immerhin, in diesem letzten Punkt sind sich glücklicherweise alle einig.

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