Osnabrück  Osnabrücker Kneipe Treffpunkt für rechte Partei? Familie Rink will keine AfD im Parkhaus

Markus Pöhlking
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Von Markus Pöhlking
| 02.09.2025 06:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Familienfotoalbum bewahrt Lothar Rink eine alte Fotografie seines Geburtshauses aus. Bis heute ist es äußerlich weitgehend unverändert. Foto: Markus Pöhlking
Im Familienfotoalbum bewahrt Lothar Rink eine alte Fotografie seines Geburtshauses aus. Bis heute ist es äußerlich weitgehend unverändert. Foto: Markus Pöhlking
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Die AfD lädt am kommenden Samstag zum Stammtisch im Parkhaus Rink. Dessen Besitzer ist nicht besonders glücklich, dass das Gebäude in der Parkstraße in den Fokus politischer Auseinandersetzungen gerät. Von der AfD halte seine Familie überhaupt nichts, sagt Lothar Rink.

Der Besitzer des Parkhauses Rink distanziert sich vom geplanten AfD-Stammtisch in der Kneipe in der Parkstraße. Unserer Redaktion gegenüber erklärt Lothar Rink, er und seine Familie hegten keinerlei Sympathie für die Partei und distanzierten sich klar von deren Zielen. Es sei bedauerlich, dass seine Pächterin der AfD in seinem Geburtshaus eine Bühne biete und dieses so Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werde.

Lothar Rink ist 83 Jahre alt. Geboren in Osnabrück, aufgewachsen in dem markanten, grünen Haus im Kreuzungsbereich von Park- und Schlossstraße. Die Gaststätte im Erdgeschoss gründete im Jahr 1928 sein Großvater, seine Mutter führte sie nach dem Krieg bis ins Jahr 1957. Danach verzog die Familie aus dem Haus, verschiedene Pächter betrieben die Kneipe danach. Sie führt den Namen „Rink“ bis heute in ihrem Namen, ohne dass das für die Rinks je ein Thema gewesen sei. Seit vergangener Woche ist das anders.

„Ich hatte eigentlich nicht vor, in meinem Alter noch in die Öffentlichkeit zu treten“, sagt Lothar Rink. Daher will er auch kein Bild von sich in der Berichterstattung sehen. Sein Name allerdings, der dürfe und der müsse wohl auftauchen. „Wir haben in der Familie länger über die Sache gesprochen“, sagt Lothar Rink. „Und uns allen ist wichtig, eines ganz klarzumachen: Wir distanzieren uns von der AfD und von politischem Extremismus jeglicher Art. Wir sind nicht glücklich, dass die Partei nun im Zusammenhang mit unserem Familiennamen auftaucht.“

Aus der Zeitung habe er in der vergangenen Woche erfahren, dass die momentane Pächterin des Parkhauses der Partei die Kneipe als Veranstaltungsort angeboten habe. In der Zeitung habe er auch gelesen, dass sich linker Protest gegen die Kneipe regt, dass es zuletzt Farbbeutelwürfe gegen das Gebäude gab. Zu den Hintergründen ermittelt der Staatsschutz. Ein politischer Hintergrund der Tat ist schließlich denkbar.

Vorgänge, die Rink mit Sorge beobachtet. Dass die Präsenz von Rechtsaußen Protest von Linksaußen nach sich zieht, sei wenig verwunderlich, sagt er. Und legitim sei es generell ja auch – „jeder hat das Recht, zu demonstrieren“, sagt Rink.

Dass linke Aktivisten sein Geburtshaus mit Aufklebern eindecken, womöglich auch für den Farbanschlag verantwortlich sind – dafür hätten er und seine Familie aber wenig Verständnis. „Es ist sicher nicht der richtige Weg, sich am Besitz von Menschen zu vergreifen, um Protest zum Ausdruck zu bringen“, sagt Rink. Zumal es in diesem Falle schlicht auch den Falschen treffe: „Als Vermieter bin ich nicht in das Geschäft meiner Mieterin involviert, treffe keine Absprachen mit ihr und kenne ihre Planungen nicht. Persönlich lehne ich die AfD grundsätzlich ab.“

Auch jenseits von weltanschaulichen Fragen passe der Auftritt der AfD nicht zur Geschichte des Hauses, findet Rink. Er kann sich gut an seine Kinder- und Jugendjahre erinnern, sagt er. Die Nachkriegszeit, ab 1947 führte seine Mutter die Gaststätte.

In Eigenregie und als alleinerziehende Mutter, täglich von 10 Uhr bis irgendwann in die Nacht. Eine Bühne für politische Auftritte sei das Parkhaus in jener Zeit nie gewesen, vielmehr Ziel für ein eher gutbürgerliches Publikum, so erinnert es Rink. „Die Gaststätte war damals eine gute Adresse und eines der ersten Lokale, das einen Fernseher hatte. Das zog die Leute an.“

Nach 1957 verpachteten die Rinks das Parkhaus. Die Pächter blieben teils zehn, zwanzig Jahre und immer blieb der Name „Parkhaus Rink“. Ein Umstand, der nun erstmals zur Debatte stand. „Wir haben auch kurz darüber diskutiert, ob der Name für uns eigentlich noch tragbar ist“, schildert Rink Gespräche in seiner Familie. Eine Diskussion ohne Folgen, vorerst. Rink will ohnehin erst einmal den kommenden Samstag (6. September) abwarten.

Für den Tag hat das Bündnis „Den Rechten die Räume nehmen“ Proteste vor dem Parkhaus Rink angekündigt. Zeitgleich will die AfD drinnen einen Bürgerdialog veranstalten. Lothar Rink hofft erst einmal, dass alles friedlich und sein Haus unbeschadet bleibt. „Wenn man sich auch politisch nicht einigen kann, dürfen Gewalt und Beschädigung doch kein Mittel sein.“

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