One-Woman-Show  Von Hollywood nach Ostfriesland – Alina Bock in Aurich

Leona Spindler
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Von Leona Spindler
| 30.09.2025 15:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 9 Minuten
Alina Bock tritt mir ihrer ersten eigenen One-Woman-Show im Oktober in Aurich auf. Foto: Phil Chester & Sara Byrne
Alina Bock tritt mir ihrer ersten eigenen One-Woman-Show im Oktober in Aurich auf. Foto: Phil Chester & Sara Byrne
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Vielfältig. Unterhaltsam. Anders. So würde Alina Bock ihre Comedy-Show in drei Worten beschreiben. Am 11. Oktober 2025 spielt sie in der Auricher Stadthalle. Wir haben sie vorab interviewt.

Aurich - Eine Comedienne und Schauspielerin aus Los Angeles in den USA kommt im Oktober nach Aurich. Alina Bock ist gebürtige Geilenkirchenerin (Nordrhein-Westfalen), aber hat ihren Lebensmittelpunkt schon vor vielen Jahren nach L.A. verlagert. Dort war sie an den renommiertesten Theatern und hat ihr Handwerk gelernt.

Am 11. Oktober 2025 kommt sie mit ihrer ersten eigenen One-Woman-Show (auf Deutsch: Ein-Frau-Show) mit dem Titel „Vom Dorf nach Hollywood“ nach Aurich. Sie schlüpft während ihres Auftrittes in zahlreiche verschiedene ausgefallene Charaktere, die zum Teil ihrer Show werden. Wir haben die 40-Jährige per Videotelefonat einige Wochen vor ihrer Show in Aurich kontaktiert. Neben ihrem Leben in L.A. und ihren Erfahrungen als Frau in einer von Männern dominierten Branche haben wir mit ihr auch über ihre Show, schnelle Kostümwechsel und ihre unterschiedlichen Charaktere gesprochen.

Die wichtigste Frage zuerst: Waren Sie schon einmal in Ostfriesland?

Alina Bock: Ich freue mich schon total auf Aurich, in Ostfriesland selbst war ich noch nie. Früher war ich im Sommer immer zur Mutter-Kind-Kur in Cuxhaven. Meine Mama war alleinerziehend und da konnten wir uns keine Riesenurlaube leisten. Wir haben dann so Aktivitäten gemacht wie Watt-Wanderungen und waren am Strand. Ich habe da ganz tolle Erinnerungen dran. Aurich ist die einzige Stadt, neben Bremen, in der ich in der Region spiele.

Sind Sie nur für den Abend der Show in Aurich?

Alina Bock: Ich guck mal eben nach. (sie guckt nach unten, greift nach ihrem Handy, entsperrt es und ein Ton geht los). Ups. Sorry. Ich habe eben noch auf TikTok gescrollt, obwohl man das natürlich nicht sollte. (lacht) So. Am nächsten Tag spiele ich in Lüneburg. Es kann sein, dass ich einen Tag vorher in Aurich ankomme. Ich mag es ja immer, in der Stadt ein bisschen Sightseeing zu machen oder durch den Stadtkern zu spazieren. Ich bin ja auch so ein neugieriger Mensch. Da muss man die Chance auch nutzen, wenn man auf Tour ist und so viel sehen kann.

Ihre Tour heißt „Vom Dorf nach Hollywood“. Ist der Titel eine Anspielung auf Ihr eigenes Leben?

Alina Bock: Ja. Die erste Regel, die ich beim Schreiben von Comedy und One-Woman-Shows gelernt habe war: Write what you know [Anmerk. d. Red.: Schreibe, was du kennst] . Mein Leben ist quasi der rote Faden durch die Show. Ich stelle dar, warum ich ausgewandert bin und woher der Traum kam, nach L.A. zu ziehen. Auf meinem Weg vom Dorf nach Hollywood gibt es natürlich verschiedene Charaktere, interaktive Sachen und ein paar Songs.

Alina Bock hat ihr Handwerk an den renommiertesten Theatern in L.A. in den USA gelernt. Foto: Phil Chester & Sara Byrne
Alina Bock hat ihr Handwerk an den renommiertesten Theatern in L.A. in den USA gelernt. Foto: Phil Chester & Sara Byrne

Wenn die Show auf Ihrem Leben beruht, dann ist es ja ein ganz persönlicher Einblick, den Sie den Zuschauerinnen und Zuschauern da gewähren. Ist das manchmal beim Schreiben eine Hemmschwelle gewesen?

Alina Bock: Man fragt sich natürlich: Wollen die das überhaupt von mir wissen? Diese Angst ist, glaube ich, immer da – besonders bei Künstlern. Auf TikTok und Instagram kriegen die Zuschauer immer nur eine oder zwei Minuten Performance. Wenn man dann auf einmal so knapp zwei Stunden auf der Bühne steht und über sich erzählt, dann möchte man, dass die Leute genauso unterhalten werden. Ich glaube, die Angst für mich kam eher nicht daher, etwas von mir zu teilen, sondern wie das aufgenommen wird. Ob das gut genug ist. Ob die Leute verstehen, dass man das als künstlerischen Ausdruck teilt, und nicht, weil man sich selbst so toll findet. Liveshows und andere Kunstformen bieten natürlich eine besonders gute Möglichkeit, den Künstler persönlicher kennenzulernen als nur durch eine Instagram-Bio und ein paar 30-sekündige Videos.

Sie sind auch in den sozialen Medien sehr aktiv und haben eine große Reichweite. In Ihren kurzen Videos schlüpfen Sie in verschiedene Charaktere, wie zum Beispiel Bettina. Dafür nutzen Sie Video-Filter der verschiedenen Plattformen, die das Gesicht und die Stimme verzerren. Einige Charaktere tauchen auch in der Show auf. Haben Sie die Charaktere extra für die Show geschrieben oder hat sich das alles gefügt?

Alina Bock: Im Nachhinein sieht man immer die Verknüpfung, aber in dem Moment, als Bettina entstanden ist, war da keine Intention dahinter. Sie ist während der Pandemiezeit entstanden. Da hatte ich noch nicht einmal einen deutschen Instagram-Kanal, sondern habe nur Content auf Englisch gemacht. Ich saß in meinem Zimmer, habe diesen Filter gesehen und einfach ein bisschen Impro gemacht. Die Stimmenverzerrung hat mich direkt an jemanden von früher erinnert. Das Video habe ich dann in meine Story gestellt. Alle meine deutschen Freunde meinten so: „Oh mein Gott, die ist so lustig! Ich kenne so jemanden! Da musst du mehr von machen.“ Das war auch der Grund, warum ich meinen deutschen Instagram-Kanal gegründet habe. Dort konnte ich mit deutschen Charakteren herumspielen. Dass Bettina nachher in meine Show reinpasste, das war einfach so.

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Bettina war also Ihr erster deutscher Charakter, aber es gibt noch einige mehr. Haben Sie auch einen Lieblingscharakter?

Alina Bock: Also es gibt eine Figur, die ich unglaublich gerne spiele. Die heißt Claudi. Ich bin halt gar nicht wie Claudi. Es macht dann so Spaß, sich in der Rolle auszutoben und Sachen zu sagen, die man sonst niemals sagen würde. Claudi ist auch mal ein bisschen gemeiner.

Mit so vielen Charakteren in der Show ist ja dann auch ein häufiger Kostümwechsel angesagt. Ich stelle mir vor, wie Sie von der Bühne rennen, 15 Leute auf Sie stürzen, Sie in einer Wolke aus Kleidung, Kosmetik und Perücken verschwinden und wenige Sekunden später wieder als neuer Charakter auf die Bühne rennen. Wie ist es wirklich?

Alina Bock: (lacht) Ja, genau so ungefähr. Nur dass die 15 Leute meine Schwester sind, die das alles machen muss. Den schnellen Kostümwechsel habe ich durch jahrelange Sketch-Shows in L.A. gelernt. Das ist in meiner Show dann immer so strukturiert, dass ich genau zu den Kostümwechseln einen digitalen Einspieler habe. Der ist dann meistens zwischen 30 Sekunden und einer Minute lang – länger möchte ich den Leuten nichts Digitales zeigen, weil sie immerhin bei einer Liveshow sind. Mehr Zeit zum Umziehen habe ich nicht.

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Obwohl Sie aus Deutschland kommen, haben Sie mit Comedy auf Englisch angefangen. Funktioniert Humor auf Englisch anders als auf Deutsch?

Alina Bock: Ja, auf jeden Fall! Ich habe noch nie Live-Comedy vor einem deutschen Publikum gemacht. Was man in L.A. einfach so dahinsagt, hat auf Deutsch eine ganz andere Bedeutung. Da musste ich mich schon umgewöhnen, bevor ich meine allererste Preview gespielt habe. In L.A. ist das Publikum ganz speziell, weil das sind halt alles Performer und Comedians. Die sind total laut, lachen und rufen rein. Das deutsche Publikum ist etwas ... zurückhaltender. Da musste ich mich erst einmal dran gewöhnen. Eine One-Woman-Show auf Deutsch zu machen hat mir am Anfang Angst gemacht und jetzt bin ich froh, dass ich damit auf der Bühne stehe, weil ich es wirklich liebe.

Die Show haben Sie für Ihr deutsches Publikum geschrieben. Planen Sie das auch noch in den USA aufzuführen und sieht die Show dann anders aus?

Alina Bock: Am 16. November führe ich die One-Woman-Show in New York beim „New York Comedy Festival“ auf. Das ist mein erster Solo-Auftritt in den USA – vorher bin ich nur in Gruppen aufgetreten. Ein paar Elemente der Show sind gleich, aber eigentlich ist es eine komplett andere Show. Sie basiert natürlich auf meinem Leben, aber es ist eine andere Erzählperspektive. Ich kann nicht davon ausgehen, dass das amerikanische Publikum so viel weiß wie das deutsche Publikum. Außerdem gibt es den Charakter Bettina ja beispielsweise auf meinem amerikanischen Kanal gar nicht. Meine deutsche Show geht auch zwei Stunden, während die amerikanische Show nur eine Stunde geht.

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Wenn man sich die Top-Comedians weltweit anschaut, dann sieht man schon, dass die Branche sehr von Männern dominiert ist. Warum ist das so?

Alina Bock: Ich finde es ganz, ganz schlimm, dass Leute sagen, es gibt nicht so viele lustige Frauen. Excuse me (lehnt sich nach vorn). Doch, die gibt es! Aber das liebe Patriachat ist leider so strukturiert, dass an jeder Spitze, jeder Firma und jeder Entscheidung ein – sorry – weißer, alter Mann sitzt. Ich hatte mal eine Lehrerin im Groundlings Theater, das ist das Nummer-1-Improtheater in L.A. Die hat da einen Kurs nur für Frauen gemacht. Man muss wissen, im Groundlings gibt es verschiedene Level. Man muss Level eins bestehen, um in Level zwei zu kommen, und so weiter. Manche Level kann man einmal wiederholen, falls man den Aufstieg nicht geschafft hat. Unsere Lehrerin hat uns damals in dem Seminar erzählt, dass, wenn Männer zum Beispiel Level zwei nicht schaffen, fast 100 Prozent von ihnen zurückkommen und es nochmal probieren. Viel mehr Frauen kommen danach nicht zurück und probieren es nicht mehr. Uns Frauen wird von Geburt an beigebracht, nicht viel Platz einzunehmen, unseren Selbstwert nicht zu finden und auf Validation von außen zu hören statt auf unsere eigene Stimme. Je mehr die Gesellschaft mich weniger schätzt, nur weil ich älter geworden bin, desto mehr habe ich gelernt meinen eigenen Wert zu schätzen.

In ihrer One-Woman-Show schlüpft Alina Bock in verschiedene Charaktere. Foto: Phil Chester & Sara Byrne
In ihrer One-Woman-Show schlüpft Alina Bock in verschiedene Charaktere. Foto: Phil Chester & Sara Byrne

Welche Tipps haben Sie für junge Frauen, die auch Comedienne werden wollen?

Alina Bock: Auf sein Bauchgefühl hören und einfach machen. Egal, was die Idee ist: Einfach machen! Sie muss nicht perfekt sein! Und es ist so wichtig, dass Frauen sich sicher und motiviert fühlen und dass wir Frauen uns untereinander anfeuern und unterstützen.

Zum Schluss unseres Interviews: Liegt Ihnen noch etwas auf dem Herzen?

Alina Bock: Ich freue mich einfach nur, die Auricher zu sehen. Ich freue mich immer darauf, in verschiedenen Städten das Publikum kennenzulernen. Jeder Abend und jede Stadt ist anders. Vielleicht traut sich ja auch der ein oder andere zu mir auf die Bühne. Es muss sich auch niemand Sorgen machen, es wird niemand bloßgestellt.

Am 11. Oktober 2025 ist Alina Bock in der Auricher Stadthalle. Tickets gibt es ab 39,90 Euro auf Eventim. Vielen Dank für das Interview Frau Bock!

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