Osnabrück  Darum fallen in der Region Osnabrück mehrere Oktoberfeste aus

Leonard Fischer
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Von Leonard Fischer
| 30.09.2025 14:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wenn der Herbst naht, nimmt das Angebot für Oktoberfeste auch in der Region Osnabrück zu – doch ist das immer noch der Fall? Mehrere Gastronomen und Veranstalter sehen inzwischen einen rückläufigen Trend. Foto: Felix Hörhager/dpa
Wenn der Herbst naht, nimmt das Angebot für Oktoberfeste auch in der Region Osnabrück zu – doch ist das immer noch der Fall? Mehrere Gastronomen und Veranstalter sehen inzwischen einen rückläufigen Trend. Foto: Felix Hörhager/dpa
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Schon lange wird das Oktoberfest nicht mehr nur in München gefeiert. Auch in der Region Osnabrück wurde im Herbst vielerorts in Dirndl und Lederhose getanzt. Doch für dieses Jahr haben einige Veranstalter das Oktoberfest gestrichen. Woran liegt das?

Für viele Menschen sind Maßkrüge und Trachten auch aus der Region Osnabrück im Oktober nicht mehr wegzudenken. Die Stadt München schätzt den Wirtschaftswert des bayrischen Originals in diesem Jahr auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Veranstalter im Osnabrücker Land berichten indes von hohen Kosten, die sich nicht rentieren würden. Doch nicht alle sehen das so.

Im Nordkreis finden sowohl in Achmer als auch Kalkriese keine Oktoberfeste mehr statt, weil Personal und Interesse fehlen. „Die Resonanz hat deutlich nachgelassen. Deshalb haben wir uns entschlossen, das Oktoberfest nicht mehr zu veranstalten“, sagt Katrin Ammer, die stellvertretende Vorsitzende des SC Achmer.

In Kalkriese hätte in diesem Jahr der Schützenverein die Organisation übernommen, der sich sonst mit dem FC Schwarz-Weiß in der Organisation der zweitätigen Veranstaltung abwechselt. Die Termine überschneiden sich allerdings mit den Feiern zum 125-jährigen Bestehen des Schützenvereins.

Auch der Schützenverein Ohrbeck aus Hasbergen verzeichnet einen Rückgang der Besucherzahlen. „Wir haben schon im letzten Jahr gemerkt, dass nicht mehr so viele Leute kommen wie vorher. Der Hype ist einfach vorbei“, erklärt Ulrike Rudnick, Präsidentin des Schützenvereins.

Ohnehin seien die Kosten, die ein Oktoberfest mit sich bringen würde, für einen Schützenverein nur schwer zu stemmen. Doch auch Holger Bäumker, Inhaber des Gasthauses zum Dörenberg in Bad Iburg, zieht eine ernüchternde Bilanz.

„Die Kosten sind einfach explodiert, sowohl für Musiker als auch die Zeltmieten, und personell ist das auch schwer zu stemmen“, erklärt der Gastronom. Er schätze die Zeltmieten in diesem Jahr auf etwa 5000 Euro pro Tag und müsse seine Preise dementsprechend nach oben anpassen. „Um alle Kosten zu decken, müssten wir den Liter Bier für 14 Euro verkaufen. Das würde uns keiner abnehmen“, so Bäumker.

Für ihn ergebe es deshalb mehr Sinn, den normalen Regelbetrieb ohne Feierlichkeit laufen zu lassen. Gerade die jüngeren Gäste seien sich der hohen Preise bewusst, weshalb sie ganz von einem Besuch absehen oder nur wenig konsumieren würden.

Von gestiegenen Kosten kann auch Rene Strothmann vom Wirtshaus Holling ein Lied singen. „Im letzten Jahr haben wir einfach zu groß gedacht. Die Live-Musik und das Zelt haben uns mehr gekostet als gedacht“, erinnert er sich.

Die Osnabrücker Traditionskneipe hat laut Strothmann auch in diesem Jahr wieder ein Oktoberfest ausrichten wollen, allerdings in kleinerem Rahmen. „Wir haben dann aber vergessen, rechtzeitig dafür zu werben“, gibt er zu. Stattdessen gab es am vergangenen Wochenende Livemusik bei freiem Einritt: „Die Gäste haben unser Oktoberfest immer gut angenommen, deshalb gab es zumindest diese kleine Feierlichkeit.“

Auch wenn einige Veranstalter die Erfahrung gemacht haben, dass die Nachfrage nach Oktoberfesten in der Region Osnabrück gesunken ist, gibt es nach wie vor Menschen, die sich auf die Party in Dirndl und Lederhose freuen. „Wenn das Fest den Leuten Freude bereitet, dann kommen sie auch gern wieder, allerdings dauert es seine Zeit, so etwas aufzubauen“, erklärt Martin Pohlmeyer. Seit 2008 veranstaltet der Gastronom das Oktoberfest in Kloster Oesede.

Er versucht, die Kosten für die Gäste moderat zu halten. „Das Maß Bier hatten wir in diesem Jahr für elf Euro im Verkauf, Softgetränke waren natürlich günstiger“, sagt Pohlmeyer. Am schwersten wiegen würden auch für ihn die Zeltkosten, die seit Corona um 80 Prozent gestiegen seien. Nichtsdestotrotz verzeichnete der Gastronom auch in diesem Jahr mehr als 1000 Gäste.

Eines von mehreren weiteren Oktoberfesten, die auch in diesem Jahr stattfinden, ist das in Hollage. Dort wird Ende Oktober gefeiert und getanzt. Die Kolpingsfamilie verdankt den Erfolg ihres Oktoberfests den über die vergangenen Jahre gewachsenen Strukturen, meint Carsten Kühl: „Als Teil des Arbeitskreises sehe ich, dass viele Familien und Freunde, die nicht mehr in Hollage wohnen, das Oktoberfest zum Anlass nehmen, mal wieder in der Heimat vorbeizuschauen.“

Es sei ein Fest der Generationen, das so gut angenommen werde, dass sich nicht die Frage gestellt hätte, ob man es wieder macht, oder nicht. Aktuell sind noch Tickets für Freitag, 24. Oktober, auf der Website der Kolpingsfamilie verfügbar. Am Samstag, 25. Oktober, ist das Fest bereits ausverkauft.

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