Köln  VfL Osnabrück: Ein auffälliger Debütant und viele gute Ansätze gegen heimstarke Kölner

Benjamin Kraus, Moritz Büscher
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Von Benjamin Kraus, Moritz Büscher
| 29.09.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
VfL-Verteidiger Yiğit Karademir war Teil einer starken Dreierkette, die mit Kapitän Jannik Müller und Startelf-Debütant Theo Janotta gegen Viktoria Köln souverän auftraten. Foto: Michael Titgemeyer
VfL-Verteidiger Yiğit Karademir war Teil einer starken Dreierkette, die mit Kapitän Jannik Müller und Startelf-Debütant Theo Janotta gegen Viktoria Köln souverän auftraten. Foto: Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück hat den heimstarken Kölnern in der 3. Fußball-Liga in einem Duell auf Augenhöhe zu Hause die ersten Punkte weggenommen. Beim Remis (0:0) gegen die Viktoria stach beim VfL ein Startelf-Debütant in einer starken Dreierkette heraus, wobei Trainer Timo Schultz bei vielen Spielern gute Ansätze gesehen haben sollte. Die Einzelkritik zum Spiel:

#20 Theo Janotta: Überragendes Startelf-Debüt des 22-jährigen Verteidigers. Nach dem erkrankten Ausfall von Robin Fabinski nahm er den Platz rechts in der Dreierkette neben Müller und Karademir ein und agierte dabei wie ein erfahrener Drittligaspieler. Sehr souverän und abgeklärt in den direkten Zweikämpfen, sowohl in der Luft als auch am Boden. Kam nur Mitte der ersten Hälfte nach einem Kammerbauer-Fehlpass zu spät und verursachte einen Freistoß, der folgenlos blieb. Auch mit dem Ball am Fuß spielte er sauber, ohne Fehl und Tadel. Hätte seine bärenstarke Leistung kurz vor der Pause mit einem Kopfballaufsetzer, den Viktoria-Torwart Schulz glänzend parierte, fast gekrönt – der Schiedsrichter hatte jedoch ein Offensivfoul gesehen. Vereitelte mit seinem guten Stellungsspiel und dem richtigen Timing beim Herausrücken einen guten Kölner Konter in der Schlussviertelstunde. Zog insbesondere in der kurzen Kölner Drangphase am Ende die Bälle an und war hinten der Fels in der Brandung.

#18 Lars Kehl (bis 89. Minute): Bestätigte seine guten Leistungen der vergangenen Wochen, jedoch bleib ihm im Gegensatz zu den letzten beiden Partien ein Torerfolg verwehrt – trotz vieler guter Möglichkeiten. War an vielen Offensivaktionen beteiligt. Setzte für den VfL nach einer Viertelstunde mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe, den Viktorias Schlussmann Schulz gerade noch über die Latte lenkte, das erste Ausrufezeichen. Brachte seine Mitspieler durch kluge Pässe in die Tiefe (30. auf Meißner) oder technisch, anspruchsvolle Ablagen (39. auf Henning) in gute Positionen. Bewegte sich im letzten Drittel gut zwischen den Linien und tauchte immer wieder gefährlich im Strafraum der Kölner auf: Blieb in Halbzeit eins mit seinem Kopfballaufsetzer nach einer Ecke an Meißners Fuß hängen (22.) und scheiterte in Minute 70 mit seinem Kopfball nach Lesueur-Flanke aus fünf Metern an Schulz. Hätte seinen starken Auftritt mit einem Tor belohnen können.

#24 Jannik Müller: Wie gewohnt konnte sich sein Team auf den Abwehrchef verlassen. Kompromisslos in den Zweikämpfen und zuverlässig im Aufbauspiel. Nahm Ex-VfL-Stürmer Lobinger souverän unter seine Fittiche. Ordnete seine Vorderleute gut und gab somit auch Startelf-Debütant Janotta ein gutes Gefühl mit. Ließ in den letzten 15 Minuten im Eins-gegen-Eins-Sprintduell mit Otto nichts anbrennen und grätschte Zank sauber ab. Wurde von Sponsel, der für das Einsteigen Gelb sah, an der Seitenlinie rüde von den Beinen geholt (79.). Ein Sinnbild dafür, dass er sich für das Team aufopferte und als Kapitän vorne wegging.

#4 Yiğit Karademir: Zeigte wie seine Nebenleute in der Dreierkette eine gute Leistung und war mit dafür verantwortlich, dass den Kölnern nach vorne nicht so viel gelang. Zeichnete sich durch ein gutes Stellungsspiel bei langen Bällen und einer aggressiven Zweikampfführung aus. War mit Ball mutig und beteiligte sich mit guten Steckpässen auch im Offensivspiel. Ließ Handle aus 20 Metern jedoch zu einfach zum Abschluss kommen (11.) und tauchte bei einer Ecke unter dem Ball her (24.). Leistete sich eine schwere Unachtsamkeit, als er in der Nachspielzeit einen langen Ball unterlief und seinen Fehler mit einer beherzten Grätsche im eigenen Strafraum gegen Sponsel wieder gutmachte. Überzeugte, mit Ausnahme der kleinen Wackler, defensiv über die volle Spielzeit.

#21 Lukas Jonsson: War auf der Linie ein sicherer Rückhalt für seine Vorderleute, im Spiel mit dem Ball landete ein langer Abschlag einmal ohne Druck im Seitenaus (26.). Zudem erreichten die hohen Zuspiele nicht immer seine Offensivleute, weil das Timing nicht passte oder sich Ungenauigkeiten einschlichen. Hechtete einen Handle-Aufsetzer souverän zur Seite und lief bei einem Steckpass in die Tiefe auf Lobinger aufmerksam raus. Hielt das Remis des VfL am Ende fest, als er einen Zank-Kopfball sicher fing.

#15 Bjarke Jacobsen: War nicht so der Fixpunkt im VfL-Spiel wie in manch anderen Spielen in dieser Saison. Stellte seine Kopfballstärke dieses Mal vor allem defensiv unter Beweis, leistete sich aber gerade in Halbzeit eins ein paar ungewohnte Ballverluste und Abspielfehler. Zeigte sich in der zweiten Halbzeit von seiner besseren Seite: Forderte viele Bälle auf der Sechs und leitete die gefährlichste Chance der Partie mit einem herrlichen Chipball hinter die Kette auf Kammerbauer ein (63.).

#6 Bryan Henning (bis 71. Minute): Man merkte ihm an, dass er gegen seinen Ex-Klub besonders motiviert war. War läuferisch viel unterwegs und lief häufig als erster Mann im Angriffspressing sogar den Torwart an. Sein schöner, nicht komplett sauber getroffener Pass in die Tiefe auf Meißner konnte ein Viktoria Verteidiger gerade noch wegspitzeln. Bekam Mitte der ersten Hälfte kurz mit Jacobsen im Zentrum keinen Zugriff auf den Ball, was aber zu keiner brenzligen Situation führte. Hatte im Spielaufbau bis auf einen schweren Fehlpass, den Müller jedoch mit einer Grätsche ausmerzte, alles unter Kontrolle. Zeigte sich im Offensivspiel sehr bemüht und legte seinen Abschluss im Strafraum nach gutem Dribbling knapp am kurzen Eck vorbei, verpasste in manchen Aktionen aber das richtige Abspiel.

#3 Frederik Christensen (bis 89. Minute): Schien in der ersten Halbzeit zunächst unauffällig, hielt seine linke Bahn defensiv aber gegen den agilen Handle größtenteils sauber und wurde im Spiel mit dem Ball nach vorne immer mutiger: Scheiterte mit einem flachen Schuss aus spitzem Winkel an der Fußabwehr von Viktoria-Keeper Schulz. Seine scharfen Ecken, wie auf Kehl (22.), waren für die Kölner eine ständige Gefahrenquelle. Holte sich kurz nach der Pause mit einem unnötigen Foul an der Außenbahn eine Gelbe Karte ab. Sorgte mit seinen guten Tiefen- und Flankenläufen für gute Offensivmomente und war deutlich konstanter in seinem Spiel als sein Pendant auf der rechten Schiene.

#31 Patrick Kammerbauer: Es war eines seiner schwächeren Spiele im VfL-Dress. Hatte insbesondere in der ersten Halbzeit Probleme auf seiner rechten Seite: Einmal entwischte ihm Kozuki im Rücken, offensiv war gegen Ronstadt kein Durchkommen. Leistete sich mehrere Fehlpässe und verursachte unnötige Foulspiele, die zu gefährlichen Freistoßpositionen führten. Verteidigte in Halbzeit zwei aufmerksamer und hatte seine Seite besser im Griff. Bereitete die größte VfL-Chance durch einen starken Laufweg hinter die Kette und einer punktgenauen Ablage auf Meißner am Elfmeterpunkt vor, der das 1:0 machen muss.

#11 Robin Meißner (bis 71. Minute): War vorne wieder viel unterwegs, fleißig im Pressing und suchte häufiger die Tiefenläufe, zeigte sich im Abschluss jedoch glücklos und steht weiterhin bei einem Saisontor. Blieb mit seinem Dribbling oder Schüssen zu oft an Gegenspielern hängen. Machte zudem zu selten die hohen Bälle von Jonsson oder tiefe Zuspiele aus dem Zentrum fest. Hatte das 1:0 auf dem Fuß, als er nach Kammerbauer-Pass aus elf Metern freistehend mit voller Kraft direkt auf Torhüter Schulz zielte, der in die linke Ecke unterwegs war. Mehr Abgezockheit und Ruhe im Abschluss hätten hier den VfL-Führungstreffer bedeutet.

#37 Ismael Badjie (bis 46. Minute): Er war zwar bemüht und versuchte sein Tempospiel miteinzubringen, zu oft blieb er aber an seinen Gegenspielern hängen oder traf die falsche Entscheidung beim Abspiel. Unterbrach mit einem taktischen Foul einen Kölner Konter und bekam die Gelbe Karte. Musste nach einem harten Einsteigen von Kloss in den Rücken nach der Pause angeschlagen draußen bleiben.

#23 Tony Lesueur (ab 46. Minute): Kam zur Pause für Badjie und war ein belebendes Element im VfL-Spiel. Erfüllte defensiv seine Aufgaben und band sich gut in das Offensivspiel mit ein. Ließ seinen Gegenspieler mit einem starken Tempolauf locker stehen und brachte eine maßgenaue Flanke auf den Kopf von Kehl (70.).

#26 Fridolin Wagner (ab 71. Minute): Ersetzte Bryan Henning positionsgetreu auf der Sechs. Spielte unauffällig ohne Fehler, war immer anspielbar und hatte defensiv gute Balleroberungen. Offensiv hatte er diesmal keine zündenden Ideen.

#22 Bernd Riesselmann (ab 71. Minute): Spielte die letzten 20 Minuten in der Spitze für Meißner und bot sich im Zentrum gut für Klatsch-Bälle an. Lief als erster Pressingspieler energisch an und war bemüht, wurde offensiv aber nicht mehr richtig in Szene gesetzt.

#13 Kevin Schumacher und #29 David Kopacz (ab 89. Minute): Kamen beide kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit ins Spiel und hatten keine nennenswerten Aktien in den Schlussminuten. Schumacher verlor am Ende etwas zu leichtfertig den Ball auf der linken Defensivseite und hatte Glück, dass Jonsson den Zank-Kopfball sicher festhielt.

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