Osnabrück Der SC Lüstringen sagt „Obrigado, Alvaro“ - ein Vollblut-Fußballer geht in den Ruhestand
Als Offensivspieler vom Gegner gefürchtet und dem eigenen Team geliebt, nach der Karriere als Betreuer von allen Sportfreunden in Stadt und Landkreis nachhaltig geschätzt: Mit Alvaro Vicente verabschiedet sich eine prägende Persönlichkeit des Osnabrücker Amateurfußballs in den sportlichen Ruhestand.
Alvaro Vicente ist ein höflicher Mensch. Einer, der hinter jedem Fußballer zuerst den Menschen sieht, dem die Frage nach dem persönlichen Befinden immer bedeutender war als die nach dem sportlichen Werdegang. Der Mensch Alvaro Vicente hat nun entschieden, dass es für den Fußballer und Betreuer an der Zeit ist, sich aus dem aktiven Sportlerdasein zurückzuziehen. Nach mehr als 40 Jahren im Osnabrücker Vereinssport beendet der heute 61-Jährige seine lange und beeindruckende Karriere.
„Da ich die letzten Jahre gesundheitlich auf so viel verzichten musste und es mir jetzt besser geht, möchte ich mehr Zeit mit meiner Familie und meinem Enkelkind verbringen und vieles nachholen. Ich bleibe natürlich weiter dem SC Lüstringen treu und werde mich am Platz sehen lassen - aber ich habe nicht mehr diesen Druck, da sein zu müssen“, gibt Vicente einen Einblick in seine Entscheidungsfindung. Spricht man mit alten Weggefährten wie Sascha Krolik, der heutzutage am Königsfeld den Job des Kassenwartes mit Leben füllt, wird ein Wort auffallend häufig genannt - Teamplayer: „Alvaro ist ein absoluter Teamplayer. Und er ist genauso einfühlsam wie begeisterungsfähig“, so Krolik.
Diese Qualitäten weiß man auch beim Stadtnachbarn VfR Voxtrup an Alvaro Vicente zu schätzen. Im Jahr 2008 übernahm Vicente einen Verein, bei dem damals nicht viel auf eine derartig positive Entwicklung zu einem der städtischen Zugpferde hindeutete. Als Trainer übernahm er mit 46 Jahren den VfR und entwickelte die Mannschaft innerhalb von fünf Jahren zu einem Spitzenteam der damaligen Kreisliga Stadt, die Aufstiegssaison 2012/2013 beendete der VfR ohne Niederlage. Für Spieler wie Marcel Mentrup oder Bastian Sutmöller war Vicente ein Wegbereiter zum Einstieg in den Herrenfußball - der Voxtruper Weg, der heute noch mit regional verwurzelten Spielern gegangen wird, wurde unter Vicente zum Leitbild.
Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt in der Bezirksliga zog es Vicente zum SC Lüstringen, für den er zehn Jahre an der Seitenlinie stand - interessanterweise nie als Cheftrainer: „Oliver Villar hatte mich damals angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, ihn zu unterstützen.“ Zur Saison 2017/2018 kam Vicente der Bitte des damaligen Übungsleiters nach, als Co-Trainer wieder direkter in den Trainingsbetrieb integriert zu werden. Diese Tätigkeit behielt Vicente auch unter Markus Lepper bei und war ein elementarer Förderer heutiger Landesligaspieler wie Sercan Cam oder Mladen Djuric.
Genau wie in Voxtrup wissen sie auch in Lüstringen die Verdienste von Vicente im gebührenden Rahmen zu schätzen. Bei der Players Party 2023 wurde Alvaro Vicente mit dem Sonderpreis für das Lebenswerk bedacht, den er sichtbar gerührt entgegennehmen durfte. Der SC Lüstringen bereitete Vicente damals den großen Bahnhof, viele Vereinsmitglieder und alte Freunde begleiteten Vicente ins Alando Palais. Zweieinhalb Jahre später hieß es nun vor dem Kreisligaspiel des SC Lüstringen gegen RW Sutthausen erneut und endgültig „Obrigado, Alvaro“ - Vicente wurde mit 61 Jahren in den sportlichen Ruhestand verabschiedet.
Man wird den sympathischen Deutsch-Portugiesen auch weiter an Osnabrücks Fußballplätzen antreffen, wie Vicente selber betont. Mitunter auf der Sportanlage des SSC Dodesheide, für den sein Sohn Philipe aktuell die Schuhe schnürt. Aber auch in Lüstringen und Voxtrup wird Papa Vicente ein gern gesehener Gast sein - dort, wo man den Sportler, vor allem aber auch den Menschen Alvaro Vicente viele bleibende Erinnerungen zu verdanken hat.