Osnabrück Im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost soll Wohnraum für hunderte Menschen entstehen
Nach einer teilweise emotionalen Debatte hat der Stadtentwicklungsausschuss das städtebauliche Konzept für ein neues Wohnquartier an der Osnabrücker Windthorststraße beschlossen, das nun weiterverfolgt wird. So soll es aussehen.
Ein großes geplantes Bauprojekt auf heutigen Ackerflächen mit mehr als 300 Wohneinheiten an der Windthorststraße im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost hat am Donnerstag nach einem gescheiterten Versuch vor fünf Jahren eine wichtige Hürde genommen: Mehrheitlich stimmte der Stadtentwicklungsausschuss für das städtebauliche Konzept, das nun weiterverfolgt werden soll. Grüne/Volt und SPD gaben ihren Segen, von der CDU und Gruppe FDP/UWG blieb er aus.
Was ist geplant? Darüber berichtete ein Architekt des verantwortlichen Planungsbüros Must (Köln/Amsterdam).
Die Bebauung: Auf den rund 93.500 Quadratmetern des Plangebiets sind 333 Wohneinheiten vorgesehen: 242 in Mehrfamilienhäusern, 63 in Reihenhäusern, 20 in Doppelhaushälften sowie acht in frei stehenden Einfamilienhäusern. Das höchste Wohngebäude, nur eines, soll fünfgeschossig werden, die anderen maximal viergeschossig.
Verkehr und Parken: Das Auto spielt in dem Projekt eine untergeordnete Rolle. Auf dem Teil südlich der Windthorststraße ist eine Quartiersgarage mit 238 Stellplätzen geplant.
Im nördlichen Teil sollen 115 Autos in einer Tiefgarage Platz finden. Hinzu kommen 26 private und 37 Besucherparkplätze. Macht in Summe 416 Stellplätze.
Die Erschließung des Quartiers soll primär über die Windthorststraße erfolgen.
Sonstiges: Knapp 40.000 Quadratmeter öffentliche Grünflächen sind vorgesehen, rund 47.000 Quadratmeter sollen bebaut werden. In dem Quartier sind ferner eine Kita und eine Bäckerei geplant. Für Kinder und Jugendliche soll es zwei Spielplätze sowie eine Calisthenics-Anlage geben. Im Süden soll sich der Kleingartenverein Weseresch erweitern dürfen.
„Wir brauchen nennenswert mehr Wohnungen“, begann Stadtbaurat Thimo Weitemeier die Debatte. Andernfalls könnte die Stadt Einwohner ans Umland verlieren, was noch mehr Pendelverkehr nach sich zöge. „Wir brauchen Lösungen innerhalb der Stadt.“
Der von den Planern vorgestellte Entwurf „gefällt mir gut“, sagte der Stadtbaurat. „Eine wirklich schöne Arbeit.“
Es ist ein überarbeiteter Entwurf, denn über das Projekt in Schinkel-Ost wird bereits seit 2020 gestritten. Ein damaliger Kritikpunkt: Das neue Quartier beschneide eine für die Stadt wichtige Kaltluftschneise, die geplante Siedlung habe diesbezüglich ein „sehr hohes Konfliktpotenzial“, hieß es damals vom Gutachter von Geo-Net aus Hannover.
Das Vorhaben wurde trotz der Vorlage mehrerer Varianten letztlich auf Eis gelegt – und wieder herausgeholt. Im November 2023 beschloss die Politik ein städtebauliches Leitbild sowie die Ausarbeitung eines städtebaulichen Entwurfs. Die Pläne wurden überarbeitet, ein neues Klimagutachten wurde erstellt.
Dieses Gutachten von Geo-Net anhand der überarbeiteten Pläne besagt, knapp zusammengefasst: Natürlich habe jede Bebauung Einfluss auf Kaltluftströme. Aber die nun vorgestellte Variante sei für das Stadtklima wie auch für die Kaltluftströme in dem Plangebiet selbst verträglich. Mehrfach versicherte ein Experte von Geo-Net dies dem Ausschuss.
Das sagt die Gruppe Grüne/Volt: Christiane Balks-Lehmann von den Grünen begrüßte den sparsamen Umgang mit dem Grund. Trotz der vielen Mehrfamilienhäuser zeige die Planung „alles andere als anonymes Wohnen“. Sie betonte, die Siedlung knabbere keinen Grünen Finger an.
Das sagt die SPD: Robert Alferink (SPD) griff nach dem „unglücklichen Start“ im Jahr 2020 die damaligen Kritikpunkte auf. Mehr Platz für die Kaltluftschneise? „Erfüllt.“ Eine möglichst geringe Versiegelung? „Erfüllt.“ Die 2800 Quadratmeter als potenzielle Erweiterungsfläche für den Kleingartenverein bezeichnete er hingegen als „nicht erfüllt“. Er wünschte sich mehr Platz für die Laubenpieper.
Stadtbaurat Weitemeier versicherte, das Thema Kleingärten noch mal mitzunehmen.
Ferner begrüßte Alferink „den Platz für Menschen, nicht für parkende Autos“. Sein Parteikollege, Eric Lanfer, bat darum, die Parkplätze außerhalb der Quartiersgarage zu begrenzen. Ohnehin seien mehr als 400 Parkplätze in Summe zu viel.
Es sei schon viel über das Projekt gestritten worden, sagte Heiko Panzer, ebenfalls SPD. Aber „die Lernkurve beim Investor ist sehr hoch“, auch wenn das etwas gedauert habe. Die Lernkurve bei einigen Ausschussmitgliedern sei hingegen nicht so hoch, sagte Panzer zu den kritischen Äußerungen bezüglich der Befürchtungen negativer Auswirkungen auf die Kaltluftschneise.
Die jetzigen Pläne nannte Panzer gut und vernünftig. Fünfmal habe man den Investor losgeschickt, und dieser habe geliefert. Was wolle die CDU denn noch, um dem Projekt zustimmen zu können, fragte er.
Das sagt die CDU: Damals habe das Gutachten das Bauvorhaben kritisch gesehen, und nun sei das plötzlich nicht mehr so, fragte Claudia Schiller. Die Bedenken wegen der Kaltluftschneise hätten weiterhin Bestand. „Wir sehen das etwas kritisch.“
Sie argumentierte, die Reihenhäuser im Norden würden wie ein Riegel wirken, zudem ende die Kaltluftschneise nun vor dem Wäldchen im Süden.
Nicht zuletzt äußerte sie Befürchtungen wegen der Zunahme des Verkehrs – ein Detail, das erst später im Verfahren geklärt wird.
Das sagt die Gruppe FDP/UWG: Die Pläne hätten gute Ansätze – „sieht alles sehr schön aus“, sagte Oliver Hasskamp (FDP). Das Aber folgte auf dem Fuße: Er bemängelte den Standort der Siedlung am Rande eines Grünen Fingers, der negativ für die Kaltluftschneise sei. Auch er befürchtete Probleme beim Verkehr, erachtete die Kleingarten-Erweiterung als zu gering („nicht akzeptabel“), und das neue Quartier stehe in Konkurrenz zu anderen großen Projekten wie dem Lok-Viertel.
Gegen die Stimmen von CDU und FDP/UWG beschloss der Ausschuss, das nun vorgestellte städtebauliche Konzept weiterzuverfolgen – nicht mehr, nicht weniger. Details werden erst im Bauverfahren ausgearbeitet und geklärt, das aufgrund der jetzt beschlossenen Konzepts fortgeführt wird.
Umsetzen möchte das Quartier die Investorin Brawo RE Development Münster GmbH (ehemals Blueorange Development West GmbH).
Der Bürgerverein Schinkel-Ost ist auch mit den neuen Plänen nicht zufrieden, teilte dieser mit. Zusammengefasst: Die Gebäude seien in einem von Ackerland und Wald geprägten Gebiet am Stadtrand zu hoch. Bemängelt wird zudem der zunehmende Verkehr, insbesondere in Hinblick auf die Schüler der Diesterweg- und Gesamtschule. Die angrenzende A33 sei zu laut für die neuen Bewohner, und auch der Bürgerverein sorgt sich um die Kaltluftschneise.
Für den 3. November, 17 bis 20 Uhr, kündigt die Stadt eine Informationsveranstaltung mit Themenständen im Foyer der Gesamtschule Schinkel an.