Osnabrück Kreistag Osnabrück vor Weichenstellung zum fünften Nahverkehrsplan
Am Montag berät der Kreistag über den Entwurf des fünften Nahverkehrsplans. Grüne, FDP und CDW wollen konkrete Leitplanken setzen – haben dafür aber keine eigene Mehrheit. Ihre Initiative könnte den Ton für die künftige ÖPNV-Politik vorgeben.
Der fünfte Nahverkehrsplan für die Region Osnabrück rückt im Kreistag ins Zentrum. Am Montag, 29. September, wird er einer der entscheidenden Punkte auf der Tagesordnung sein – neben Fragen der Schülerbeförderung, neuer Rufbus-Vereinbarungen und einem Zwischenbericht zum Radverkehrskonzept.
Allein 35 Punkte umfasst die öffentliche Sitzung, hinzu kommt ein nichtöffentlicher Teil. Auf die 68 Abgeordneten und Landrätin Anna Kebschull (Grüne) wartet also ein stattliches Programm (ab 15 Uhr live im Internetstream). Einmal mehr steht eine Reihe von Entscheidungen zum öffentlichen Personennahverkehr und zur Mobilität im Mittelpunkt.
Aufgerufen wird dabei auch der fünfte Nahverkehrsplan für die Region. Dieser soll spätestens im Dezember 2025 endgültig ausformuliert sein und vom Kreistag beschlossen werden – als maßgeblicher Orientierungsrahmen für die Mobilität im Landkreis in den kommenden Jahren.
Besondere Brisanz verspricht ein Antrag der Gruppe Grüne/FDP/CDW. Sie fordert, den Entwurf des fünften Nahverkehrsplans zu überarbeiten. Die Verwaltung solle darin einen Maßnahmensteckbrief aufnehmen, um eine kreisweite Strategie für flexible Angebotsformen – das könnten etwa Rufbusse nach dem bisherigen Modell „Lütti“ sein – zu entwickeln.
Ziel ist es, im Rahmen des Landkreis-Netzes On-Demand-Verkehre so einzubinden, dass in allen Kommunen ein Basisangebot zur Verfügung steht. Dieses Basisangebot soll sich an Einwohnerzahlen und Fläche orientieren, eine Bündelung über mehrere Kommunen hinweg soll dabei möglich sein. Zudem beantragt die Gruppe, die Möglichkeit der Fahrradmitnahme als weitere Maßnahme in den Nahverkehrsplan aufzunehmen und bis zur Beschlussfassung im Dezember zu konkretisieren.
Klar ist allerdings: Mit ihren Stimmen allein kommt die Gruppe nicht weit. Grüne, FDP und CDW haben im Kreistag keine eigene Mehrheit. Um den Antrag durchzubringen, bräuchten sie die Unterstützung von SPD/UWG oder von der CDU. Ob es dazu kommt, dürfte die Debatte am Montag prägen – und ist ein Vorgeschmack auf die Verhandlungen über den endgültigen Nahverkehrsplan, der im Dezember 2025 beschlossen werden soll.
Schon der erste Entwurf des neuen Nahverkehrsplans war 264 Seiten stark. Gut möglich, dass sein Umfang weiter wächst. Am Ende muss der Kreistag entscheiden, ob es eine große Reform des ÖPNV gibt oder nur ein „Reförmchen“. Welche Rolle sollen künftig Rufbusse spielen? Welche Linien haben Vorrang? Und – eine der aktuell wohl wichtigsten Fragen – wie lässt sich das alles in Zeiten knapper Kassen finanzieren?
Neben der ÖPNV-Debatte stehen auch andere Mobilitätsfragen an: Eine Bürgereingabe zur Buslinie 533 von Wallenhorst-Rulle über Haste in die Osnabrücker Innenstadt wird beraten. Zudem geht es um Anpassungen bei der Schülerbeförderung sowie Vereinbarungen zu Rufbussen für Melle und Bramsche. Das Radverkehrskonzept steht ebenfalls auf der Agenda: Ziel ist eine zusammenhängende Infrastruktur für durchgängige, sichere und schnelle Radwegeverbindungen im Landkreis.
Wegen der Kreishaussanierung tagt der Kreistag diesmal nicht am Schölerberg in Osnabrück, sondern in der Freizeitlandhalle Hasbergen. Es ist die erste öffentliche Zusammenkunft nach der Ankündigung von Landrätin Kebschull, 2026 erneut zu kandidieren. Damit könnte der beginnende Kommunalwahlkampf zusätzlich Einfluss auf die Debatten nehmen.
Darüber hinaus liegt ein gemeinsamer Antrag von CDU und SPD/UWG auf dem Tisch: Die Landrätin soll die Nachfolge der im nächsten Jahr ausscheidenden Ersten Kreisrätin Bärbel Rosensträter so vorbereiten, dass der Kreistag im März 2026 darüber entscheiden kann.