Osnabrück Frederik Heede zu 25 Jahre Alando Palais: „Wir brauchen am Wochenende volle Bürgersteige“
Das Alando-Palais feiert 25. Geburtstag – ein guter Anlass, mit dem Chef Frederik Heede übers die schönen und auch die hässlichen Seiten des Nachtlebens zu sprechen. Und darüber, wie sich das Partyverhalten verändert hat.
Frederik Heede wartet in der Hotellobby des Holliday Inn, und er hat sich Zeit genommen. Deshalb hakt er unser Interview zum 25. Geburtstag an diesem Freitag, 26. September und am Samstag, 27. September, des Alando-Palais nicht kurz und bündig ab, sondern führt seinen Besuch durch das Reich, das er geschaffen hat.
Der Rundgang beginnt im Vier-Sterne-Hotel, führt dann ins Ballhaus und von da durch die verschiedenen Partyzonen und Terrassen des Alando Palais. Dabei rollt Heede die Geschichte des Alando auf, erzählt von Künstlerbegegnungen und davon, wie er sein Palais weiterentwickelt hat, um im Wandel der Zeiten zu bestehen. Er erzählt auch von unschönen Begebenheiten, aber bei allem merkt man eins: Der Mann liebt es zu arbeiten, damit seine Gäste eine gute Zeit haben. Egal, ob die zu einem Konzert oder einer Firmenfeier kommen, oder einfach am Wochenende das Leben feiern.
Frage: Herr Heede, wie sahen Ausgehlandschaft und Partyverhalten im Jahr 2000 aus?
Antwort: Damals haben klassische Clubs und Partylocations das Nachtleben geprägt. Osnabrück hatte eine lebendige Szene, das Angebot war überschaubar und trotzdem vielseitig. Die Idee des Alando war es dann, einen Ort zu schaffen, der mehrere Musikrichtungen und Konzepte unter einem Dach vereint – das war ein Novum in der Region. Durch die mediterrane Optik und Atmosphäre haben wir auf eine gemütliche Verweildauer gesetzt.
Frage: Wie ist die Idee zum Alando überhaupt entstanden?
Antwort: Genaugenommen hatte die Idee der damalige Oberbürgermeister Hans Jürgen Fip: Der sagte, mach doch was mit Veranstaltungen. Viele der älteren Osnabrückerinnen und Osnabrücker kennen das Gebäude noch als Pottgrabenbad. Nach einigen Ideen, die sich nicht realisieren ließen, kam mir die Vision, das einstige Schwimmbad in ein Eventhaus zu verwandeln, das in seiner Vielfalt und in seinen Möglichkeiten möglichst vielen Belangen gerecht wird. Genau daraus entstand das Alando.
Frage: Was sind die größten Herausforderungen, um das Alando ein Vierteljahrhundert lang am Laufen zu halten?
Antwort: Eine große Herausforderung war und ist es, am Puls der Zeit zu bleiben – sowohl musikalisch als auch konzeptionell. Wir machen nicht jeden Trend mit, und das Publikum erwartet Kontinuität und Verlässlichkeit. Gleichzeitig müssen wir wirtschaftlich stabil arbeiten und unseren Gästen ein sicheres Umfeld bieten. Und so haben wir uns stetig verändert, erweitert und optimiert. Hier vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo gehämmert, repariert oder neugestaltet wird.
Frage: Wie hat sich die Konkurrenz im Lauf eines Vierteljahrhunderts verändert?
Antwort: Eigentlich hatten wir in Osnabrück lange Zeit ein großes Angebot an Clubs und Möglichkeiten. Ich halte das auch für wichtig, denn Vielfalt lockt viele Menschen und sorgt gleichzeitig dafür, dass man sich gegenseitig befruchtet. Wir brauchen am Wochenende voIle Bürgersteige! Früher war Club-Hopping ausgeprägter. Heute entscheiden sich die Leute nicht zuletzt aus finanziellen Gründen für eine Location. In den letzten Jahren haben aber viele Locations aufgegeben, während neue Formen wie Festivals oder Open-Air-Events stärker geworden sind.
Frage: Es gab immer wieder schlechte Nachrichten aus dem Alando, was den Einlass angeht, bis hin zu Rassismus-Vorwürfen. Erst im August hat die NOZ über einen prügelnden Türsteher berichtet. Wieso ist es immer wieder zu derartigen Vorfällen gekommen?
Antwort: Ins Alando kommen Gruppen, es sind Alkohol und zunehmend andere Substanzen im Spiel. Oft ist es die Kombination aus beidem, die zu schwierigen Situationen führt, und da ist es für unsere Securitiys nicht immer leicht, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber was im August passiert ist, ist uns allen sehr nah gegangen. Deshalb sind wir auch nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen: Die laufenden Events zum Jubiläum stehen zwar an, alle Extras und weiterreichenden Einladungen haben wir aber gestoppt. Nach dem Vorfall war uns nicht zum Feiern zumute.
Frage: Was unternehmen Sie, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern?
Antwort: Das ist und bleibt immer sensibel, da es um Sicherheit, Jugendschutz und Hausrecht geht. Leider sind in 25 Jahren auch Vorfälle passiert, die wir nicht gutheißen. Nach dem Vorfall im August, einem wirklich außergewöhnlichen Fall, haben wir direkt die personelle Konsequenz gezogen. Heute schulen wir unser Sicherheitspersonal regelmäßig, arbeiten mit externen Fachleuten zusammen und haben klare Richtlinien für einen fairen, respektvollen Umgang. Gewalt hat bei uns keinen Platz.
Frage: Es gab auch anderen Ärger ums Alando: Zum Beispiel sorgte Ihre Terrasse für Schlagzeilen, die angeblich ohne Baugenehmigung erweitert wurde.
Antwort: Wir hatten von Anfang an die Genehmigung, eine Ausbuchtung der Terrasse zu bauen, mit der Auflage, einen bestimmten Abstand zum Haseufer einzuhalten. Die zuständige Behörde ist dafür der Unterhaltungsverband Mittlere Hase, mit der habe ich das für die Erweiterung der Terasse besprochen. Wir haben weder Pfeiler noch Fundamente in die Böschung gesetzt, weil die für den Fall von Überschwemmungen frei bleiben müssen. Ich habe das Maß eingehalten, hatte alles mit der Behörde besprochen, habe gebaut. Ich hatte aber nicht das Bauamt der Stadt Osnabrück informiert, weil ich die Notwendigkeit nicht sah – ich hatte ja mit der zuständigen Behörde gesprochen. Der damalige Stadtbaurat Wolfgang Griesert hat das anerkannt und sich dann für die Baugenehmigung eingesetzt, die ich im Nachhinein auch bekommen habe. Dass es rechtliche Fragen zu berücksichtigen gab, ist uns im Nachhinein bewusst geworden. Heute stimmen wir Projekte enger mit Behörden ab.
Frage: Corona hat die Gastroszene schwer getroffen. Wie sind Sie durch die verschiedenen Lockdowns gekommen, wie hat Corona das Geschäft verändert?
Antwort: Corona war eine der größten Herausforderungen unserer Geschichte. Monate ohne Gäste bedeuteten Stillstand, trotzdem liefen Kosten weiter. Auch heute leiden wir noch sehr unter den Nachwirkungen: Vor allem die jungen Gäste haben ihr Ausgehverhalten verändert. Zum Glück sind wir als Eventlocation extrem breit aufgestellt, neben Partys, Festen und Hochzeiten finden bei uns auch Konzerte, Lesungen, Messen, Tagungen, Konferenzen und sogar Prüfungen statt. Das hilft uns sehr.
Frage: Wie viele Besucher kommen jährlich ins Alando? Und wie haben sich die Zahlen nach Corona entwickelt?
Antwort: Vor Corona lagen wir bei rund 300-320.000 Besuchern jährlich. Während der Pandemie hatten wir – mit kurzen Unterbrechungen – rund 24 Monate geschlossen. Auch jetzt haben wir noch deutlich weniger Gäste als vor der Pandemie, und mit diesen Zahlen werden wir sicherlich noch einige Zeit leben müssen. Aber wir sehen Anzeichen, dass es langsam wieder besser wird. Aber durch die niedrigere Besucherfrequenz kostet uns Corona immer noch viel Geld und schränkt die allgemeine Planungssicherheit ein.
Frage: Woher kommen Ihre Besucher?
Antwort: Die meisten Gäste kommen aus Osnabrück und dem Umland bis zu einem Umkreis von 50 Kilometern. Aber wir haben auch viele Besucher, die von deutlich weiter anreisen, aus Hamburg, Düsseldorf oder aus den Niederlanden. Das ist aber von Veranstaltung zu Veranstaltung sehr unterschiedlich.
Frage: Angeblich haben sich Investoren aus Dubai fürs Alando interessiert. Was war dran an den Gerüchten?
Antwort: Das war quasi das Sommermärchen 2024 der Medien in Osnabrück. Wie auch immer dieses Gerücht entstanden ist – es hat bei Ihnen für reichlich Klicks gesorgt, war aber letztlich ohne Substanz. Fakt ist: Das Alando ist ein Familienunternehmen, und wir haben nie ernsthaft über einen Verkauf nachgedacht.
Frage: In 25 Jahren haben Sie etliche Konzerte veranstaltet und viele Prominente zu Gast gehabt. Welche sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Antwort: Da gibt es jede Menge, angefangen bei Max Mutzke über Jan Josef Liefers und Radio Doria, Till Brönner. Mickie Krause war oft bei uns zu Gast, Pur, Andrea Berg, La Toya Jackson, Howard Carpendale, Sido. Außerdem Gäste aus Politik und Gesellschaft wie Friedrich Merz oder Franz Beckenbauer – soll ich weitermachen?
Frage: Danke, das genügt. Was war Ihre persönliche Lieblingsveranstaltung?
Antwort: Da fällt mir vor allem das Sommermärchen zur WM 2006 ein. Auch das Alando Maidorf, das wir 17 mal auf der Maiwoche betrieben haben, habe ich in besonderer Erinnerung. Oder die großen Betriebsfeste, die wir hier hatten, wo dann unter anderem mit Robin Schulz aufgelegt hat.
Frage: Gibt es Dinge, auf die Sie besonders stolz sind?
Antwort: Ich bin immer drangeblieben, habe nie nachgelassen, das Alando weiterzuentwickeln. Froh bin ich außerdem über die Kontinuität bei den Mitarbeitern: Viele sind seit zehn, 15 Jahre im Unternehmen, manche sind von Anfang, seit 25 Jahren dabei. Und dann bin ich glücklich über die unbestritten großartige Partnerschaft zu meinem Mitgesellschafter Franz Ossenbeck.
Frage: Wovon träumen Sie noch?
Antwort: Ich wollte immer auf den Osnabrücker Weihnachtsmarkt.