Osnabrück VfL Osnabrück: Geschäftsführer Welling gefallen die Stadionpläne „unglaublich gut“
Michael Welling kämpft als alleiniger Geschäftsführer an fast allen Fronten für den VfL Osnabrück. Im „Brückengeflüster“-Podcast sprach der 54-Jährige vor allem über vier Themen, die den VfL in diesen Wochen beschäftigen: den Stand der Pläne in Sachen Stadionsanierung, das Trainingszentrum am Schinkelberg, den Vandalismus durch VfL-Fans im Stadion des TSV Havelse und den DFB-Sportgerichtsprozess gegen Ex-Trainer Marco Antwerpen und seinen Assistenten Frank Döpper.
Zum 18. Mal seit Beginn seiner Amtszeit im Februar 2021 war Michael Welling als Geschäftsführer des VfL Osnabrück zu Gast im „Brückengeflüster“-Podcast der NOZ-Sportredaktion. Themen gab es reichlich: Über die aktuelle fußballerische Entwicklung und die Neustrukturierung der sportlichen Führung im Sommer ging es vor allem in vier Aspekten ins Detail. Welling sprach über den Stand der Pläne in Sachen Stadionsanierung, den erwarteten Baustart des Trainingszentrums am Schinkelberg, die Nachwirkungen des Vandalismus durch VfL-Fans im Stadion des TSV Havelse und seine Gedanken über den DFB-Sportgerichtsprozess gegen Ex-Trainer Marco Antwerpen und seinen Assistenten Frank Döpper. Dazu bezog der 54-Jährige auch Stellung zu der im Prozess verhandelten Whatsapp-Nachricht. Das sind die zentralen Aussagen aus dem Podcast.
... die Pläne zur Stadionsanierung: Wir sind in einem sehr engen Prozess glücklicherweise sehr weit und werden die selbst gesteckten zeitlichen Ziele, die sehr eng sind, einhalten. Konkret heißt das: Wir haben den Planungsauftrag an den Generalplaner erteilt, das ist die Firma ppp aus Lübeck, die eben die Generalplanung dieser Gruppe von Teildienstleistern übernommen hat. Die sind gerade in einem sehr engen Zeitplan dabei, das auszudifferenzieren, die Planung voranzubringen, um dann am 4. November im Rat der Stadt etwas zu präsentieren. Da wird hoffentlich der Rat auch sagen: Mensch, das ist überzeugend und in den Parametern, die wir vorher als Auftrag verteilt haben. Es ist unfassbar dynamisch, geht immer weiter voran. Dinge werden ausprobiert, geprüft und konkretisiert. Es ist wirklich faszinierend, wie intensiv die Planer arbeiten und wie viel schon erarbeitet wurde. Ich bin sehr zuversichtlich, dass da etwas herumkommt, bei dem durch die Bank alle sagen: Wow, damit haben wir nicht gerechnet.
Alles, was ich gesehen habe, gefällt mir unglaublich gut. Weil ich das Gefühl habe, dass alle Parameter, die uns beschränken (Zeit, Finanzrahmen, Bebauungsplan, Anm. d. Red.), sehr gut gelöst worden sind. Jetzt müssen wir gucken, dass auch alles funktioniert. Anfang November muss der Rat entscheiden - es gilt das Primat der Politik. Ich denke aber - das ist gerade in der Diskussion - dass wir Anfang Oktober einen Blick durchs Schlüsselloch erlauben können, um einer breiteren Basis zu zeigen, was der Stand der Planungen ist. Was man dort erwarten kann, kann ich aber noch nicht sagen, weil eben immer weiter geplant wird. Es ist aber wichtig zu sagen, dass dort nicht das fertige Stadion präsentiert wird. Es ist eine Entwurfsplanung, die basierend auf der funktional-geometrischen Grobplanung, die wir letztes Jahr gemacht haben, weiterentwickelt und konkretisiert wurde. Sie wird erlauben, die Kostenschätzung weiter zu verifizieren und plausibilisieren. Da muss herauskommen, dass das Ding nicht teurer werden wird. Das ist das, was wir immer gesagt haben und auch einhalten werden. Man wird aber einen Eindruck bekommen und die Sachen, die ich gesehen habe, haben mir einen sehr positiven Eindruck verschafft. Denn ich habe gesehen: Das ist und bleibt die Bremer Brücke.
... den erwarteten Baubeginn des Profi-Trainingszentrums am Schinkelberg: Mit Start der Sommerferien haben wir das Gelände komplett übergeben bekommen. Die Schlösser sind getauscht. Auch wenn man momentan noch nichts sieht, geht es voran. Das Projekt am Schinkelberg ist eines der größten in der Vergangenheit des VfL, läuft aber angesichts des Stadionthemas ein bisschen unter ferner liefen. Die Dinge sind aber interdependent. Mit Blick auf die Sanierung der Bremer Brücke gilt es, immer zu überlegen, welche Funktionalitäten dort unterzubringen sind. Egal, was wir da entwickeln können: Platz ist immer das größte Problem. Auch deswegen haben wir gesagt: Wenn wir den Schinkelberg entwickeln, werden wir auch mit der Geschäftsstelle umziehen. Wir werden zukünftig mit allen Arbeitsplätzen, die jetzt an der Brücke sind, demnächst nicht mehr an der Brücke sein, um so die Möglichkeit zur Sanierung dort überhaupt erst zu schaffen. Die Investition, die wir am Schinkelberg tätigen - etwa sechs bis sieben Millionen Euro für das Funktionsgebäude - sind so auch ein Beitrag zur Sanierung des Stadions.
Wir haben gemeinsam mit den Brückenpfeilern eine Tochtergesellschaft gegründet, die dann der Träger aller Aktivitäten am Schinkelberg werden soll. Dabei ging es darum, die Investitionen dort auch dauerhaft zu schützen. Von dieser Gesellschaft wird dann wieder eine Tochtergesellschaft gegründet, die dann den Bauauftrag erteilt, die final die Finanzierung stemmen wird und den Bauantrag stellt. Wir sind in den Gesprächen der Abstimmung, dass wir in Kürze den Bauantrag stellen können. Wir haben das Unternehmen ausgesucht, das die Funktionsbereiche bauen wird. Die sind dabei, den Bauantrag zu finalisieren - in Absprache mit der Baubehörde, um dann die Genehmigungsphase schnell hinzukriegen. Sobald die Genehmigung erteilt ist, können auch Bagger rollen. Parallel wollen wir auch eineinhalb Fußballplätze bauen und die Schnittstellen zwischen beiden Projekten herstellen. Das dritte ist, dass wir gewillt sind, eine Geothermie als Wärme- und Energiequelle nutzen. Das macht es komplex, aber funktioniert ganz gut. Ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen wollen: Die meisten werden überrascht sein, wenn sie im April/Mai zum Schinkelberg gehen, wie viel von den Gebäuden dann schon steht. Das geht dann nämlich sehr schnell. Weiter ist der Plan, dass wir mit Geschäftsstelle und Lizenzmannschaft im Winter 2026/27 umziehen.
... den Vandalismus in Havelse und die Nachwirkungen: Wir haben erst Gerüchte gehört, dann versucht das zu verifizieren und dann vom TSV Havelse gehört, dass es extremer war und die Bilder gesehen. In dem Ausmaß war es unfassbar und selbst, wenn es nur ein Graffiti gewesen wäre, total daneben. In der Art war es Irrsinn. Da fehlt einem der Hauch von Verständnis. Es ist nicht zu entschuldigen. Die Transparente, die während des Spiels gezeigt wurden, offenbarten, dass es in Teilen der Szene eine Aktion, die besprochen und geplant war. Das ist nochmal eine ganz andere Dimension.
Die Stellungnahme aus der Fanszene - man kann mutmaßen, dass sie von der Violet Crew (führende Ultragruppe, Anm. d. Red.) kam, auch wenn sie von ihr nicht unterschrieben war - zeigt, dass über das Thema sehr intensiv gesprochen wurde und darauf basierend eine sehr differenzierte Meinung zum Vorschein kam. Dass da keine Entschuldigung kommt, wie einige kritisiert haben, kann auch daran liegen, dass sich die Verfasser nicht für die Taten von anderen entschuldigen können. Ich fand die Stellungnahme in Form des Fehlereingeständnisses bemerkenswert, weil das in Ultraszenen fast ein Novum ist. Das ist gut für den Moment, aber das heißt nicht: Pflaster drauf und alle Wunden heilen. Es gilt, das in den nächsten Wochen und Monaten weiter aufzurollen - strafrechtlich und mit Blick auf die Atmosphäre bei uns im Verein. Es ist notwendig, dass wir wieder zueinander finden mit denjenigen, mit denen man sich verlässlich austauschen kann. Aber nicht mit denjenigen, die so einen Akt gutheißen.
... den DFB-Sportgerichtsprozess gegen Antwerpen und Döpper: Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Zeuge war. Das war irritierend, gehört aber dazu. Am schwierigsten für mich war, dass ich warten musste und nichts mitbekommen habe, wie alles ablief.
... seine Whatsapp-Nachricht an Antwerpen, die im Prozess zum Thema wurde: Ich habe sie geschrieben am Tag nach dem feststehenden Klassenerhalt in der Euphorie. Ich habe einen Spruch gemacht, mit einem Smiley versehen. Im Lichte der Ereignisse war das nicht die schlauste Whatsapp, die ich in meinem Leben geschrieben habe und nicht der beste Witz, den ich gemacht habe. Das steht außer Frage. Das ist natürlich nervig, dass es da aufkommt - aus meiner Sicht kontextlos. Dass das im Nachgang doof aussieht, ist so. Und natürlich denkt man seitdem häufiger darüber nach, ob man einen dummen Spruch macht. Meine flapsige Art ist manchmal nicht angebracht, das war in dem Moment einfach nicht der schlauste Spruch. Ich glaube aber, dass man den Kontext sehen muss und dass man die Nachricht nicht als Rechtfertigung ansehen kann, das zu tun, was Marco Antwerpen und Frank Döpper gemacht haben.