Osnabrück CDU im Kreis Osnabrück kündigt Gegenkandidaten zu Landrätin Kebschull an
Ablehnung bei CDU und AfD. Zurückhaltung bei SPD, FDP, Wählergemeinschaften und Die Linke. Lob aus den eigenen Reihen – von den Grünen. Die Ankündigung von Anna Kebschull, erneut für das Amt der Osnabrücker Landrätin zu kandidieren, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.
Christian Calderone hat eine klare Meinung. Anna Kebschull wollen er und seine Partei, die CDU, im September 2026 nicht unterstützen, wenn im Osnabrücker Land die Neuwahl des Landrates ansteht. „Mir fehlt die Muße zu glauben, dass jemand, der seit sechs Jahren grüne Politik macht, plötzlich mit grünem Parteibuch in der Hand für eine unabhängige Politik stehen will“, sagt Calderone über Kebschull.
Der CDU-Kreisvorsitzende beurteilt die bisherige Amtszeit der Landrätin negativ. Als Beispiele nennt er den „Niedergang der Krankenhauslandschaft im Landkreis“, eine „historisch desaströse Haushaltslage“ und eine „völlig überteuerte Kreishaussanierung“. Die Frage nach einer Unterstützung stelle sich somit nicht, schlussfolgert der Christdemokrat.
Die CDU werde demnächst „natürlich einen eigenen Kandidaten der Öffentlichkeit vorstellen“, so Calderone, denn es sei „Zeit für einen Neuanfang“.
Adrian Maxhuni dürfte diese Aussagen überwiegend teilen. Der Sprecher des AfD-Kreisverbandes nennt Landrätin Kebschull „keine Option“. Deren Politik „entspricht nicht unseren Vorstellungen“, erklärt Maxhuni in einer schriftlichen Stellungnahme. Ob die AfD einen eigenen Landratskandidaten aufstellen werde, prüfe die Partei gerade. Ausgang offen.
Anna Kebschull jedenfalls hatte am vergangenen Wochenende gegenüber unserer Redaktion ihre erneute Bewerbung um das Führungsamt an der Spitze der Kreisverwaltung am Schölerberg in Osnabrück angekündigt – „als parteiübergreifende Einzelbewerberin“. Also nicht nur für die Grünen.
Die sind mit dieser Entscheidung und parteiunabhängigen Positionierung von Kebschull übrigens ausdrücklich einverstanden. „Sie hört zu und sucht unermüdlich den Dialog. Es gelingt ihr immer wieder, unterschiedliche Meinungen an einen Tisch zu bringen und gute Lösungen für alle zu finden“, betont Grünen-Fraktionsvorsitzender Rainer Kavermann. Diese Fähigkeit, Brücken zu bauen, sei „heute wichtiger denn je.“ Auch im Osnabrücker Kreistag.
Am Samstag, 27. September, wollen die Grünen mit einem Votum auf einer Delegiertenkonferenz in Georgsmarienhütte Anna Kebschull offiziell zur Wiederwahl empfehlen.
Ob andere Parteien und Wählergemeinschaften zu Unterstützern der Kebschull-Kandidatur werden, bleibt unterdessen abzuwarten. Die FDP lobt zwar das bisher vertrauensvolle Miteinander und die zielorientierte Lösungsfindung mit der Landrätin, will aber „das Gespräch mit allen demokratischen Bewerberinnen und Bewerbern suchen“, erklärt Matthias Seestern-Pauly für die Liberalen.
Ähnlich lesen sich die Kommentare der SPD und der Wählergemeinschaften UWG und CDW. „Wir nehmen das Gesprächsangebot der Landrätin an“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Jutta Olbricht. Eine Festlegung der Sozialdemokraten erfolge aber „in unseren Gremien erst zum Ende des Jahres 2025“.
Für die UWG erklären die Kommunalpolitiker Gunars Libeks und Detert Brummer-Bange, dass sie es zwar ausdrücklich begrüßen, dass Anna Kebschull als parteiunabhängige Einzelbewerberin kandidiert. Über eine Unterstützung wollen aber auch sie erst entscheiden, wenn alle Bewerbernamen auf dem Tisch lägen. Die Unabhängige Wählergemeinschaft werde „unvoreingenommen Gespräche führen“, so der Kreistagsabgeordnete Brummer-Bange.
Letzteres ist wohl auch das Ziel der CDW, die mit Michael Lührmann immerhin einen der drei stellvertretenden Osnabrücker Landräte stellt. Die Wählergemeinschaft wolle zunächst „offen in alle Richtungen bleiben“ und in den kommenden Wochen und Monaten „Gespräche mit allen demokratischen Bewerbern“ führen, teilt Lührmann mit. Er selbst sieht sich offenbar nicht als Gegenkandidat zu Kebschull, soll aber nach Informationen unserer Redaktion Interesse am Bürgermeisteramt in Wallenhorst haben.
Bleibt noch die Linke: Die hofft bei der Kommunalwahl 2026 auf eine Rückkehr in den Kreistag. Mit Blick auf die Landratskandidatur von Anna Kebschull sei die Linke laut Vorstandsmitglied Erik Frerker „grundsätzlich zu Gesprächen bereit“, schließe eine Unterstützung nicht aus, wolle jedoch zunächst Unterredungen mit allen Parteien führen. Kritik übt Frerker übrigens am Umgang der Landrätin mit der Krankenhausschließung in Ostercappeln sowie der geplanten Medizin-Hochschule in Osnabrück. Das werde auch Teil möglicher Gespräche mit Kebschull sein.