Osnabrück  VfL Osnabrück bei BW Schinkel: 26 Tore und viel Geld für Waisenkinder

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 24.09.2025 10:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Einlauf der beiden Mannschaften zum Benefizspiel. Foto: Michael Titgemeyer
Der Einlauf der beiden Mannschaften zum Benefizspiel. Foto: Michael Titgemeyer
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26 Tore haben viele vor allem junge Fans des VfL Osnabrück beim Benefizspiel bei den wackeren Kreisklassen-Kickern von BW Schinkel gesehen. Wichtiger: Knapp 1000 Zuschauer haben viel Geld für die Sicherung des Lebensweges der Waisenkinder nach dem schrecklichen Femizid im Juni generiert.

„Das war super, genau wie so ein Benefizspiel sein soll. Eine schöne Anlage, ein toller Platz, viele Zuschauer, eine gute Organisation. Rundum gelungen, auch wenn der Anlass natürlich ein trauriger war.“ So lautete die Bilanz von Timo Schultz als Trainer des VfL Osnabrück zum 26:0-Testspielsieg beim Team von BW Schinkel aus der 1. Kreisklasse.

1000 Zuschauer waren zur Partie gekommen. Vor allem die jungen Fans hatten Spaß, ihre Idole ganz aus der Nähe beim Kicken zu beobachten - und zu erkennen, wie riesig die Unterschiede bezüglich Tempo, Handlungsschnelligkeit und Technik im Vergleich zu den Verwandten und Bekannten aus dem Kreisklassen-Team dann doch sind. Die Hüpfburg der VfL-Fanabteilung sowie die freien wilden Spiele kreuz und quer auf diverse Tore auf dem neuen Kunstrasenfeld hinter der Haupttribüne sorgten für viel Bewegung beim Nachwuchs und eine tolle Atmosphäre auf der schmucken neuen Anlage am Gretescher Weg.

„Meine Karriere hat damals begonnen mit einem Testspiel gegen den VfL Osnabrück, das 0:7 ausging - damals hatte mein Team Landesliga gespielt“, berichtete Jörg Dilge. Die Torwart-Legende der Blau-Weißen durfte in seinem 60. Lebensjahr in der zweiten Halbzeit noch einmal das Tor der Blau-Weißen hüten - und zeigte bei einigen starken Paraden und weiten Abschlägen, was er immer noch drauf hat. „Heute kriegste zum Karriereende 26 Stück - kann man nichts machen“, bilanzierte der ehrgeizige Dilge, der dies aber ob des Erlebnisses dennoch mit ehrlicher Freude und grinsend sagte.

„Der Unterschied ist vor allem die Geschwindigkeit im Kopf, die Handlungsschnelligkeit, wenn sie zum Beispiel klatschen lassen und automatisch sofort wieder in die Räume gehen“, sagte Christian Ramb über die Gegenspieler aus der 3. Liga. Der Abwehrrecke, ebenfalls ein Urgestein der Blau-Weißen, hatte sich mit seinen Kollegen um den spielenden Co-Trainer Aleksandar Kotuljac in der ersten Halbzeit gegen den Lila-Weißen Ansturm gestemmt.

Und dabei fast ein Tor für seine Farben erlebt: Als Adorit Alijaj zuerst Yigit Karademir den Ball abnahm und dann Tom Langsenkamp in die Gasse schickte. Der Kapitän der Schinkelaner zog aus etwa 23 Metern direkt ab - und der unkontrolliert mit der Fußspitze geschlagene Ball flog tatsächlich über VfL-Keeper Niklas Sauter hinweg und senkte sich hinter ihm gefährlich nach unten. „Leider hat er sich am Ende seitlich rausgedreht - das wäre natürlich großartig gewesen, hier zu treffen“, so Langsenkamp.

„Im Stadion beim Zuschauen denkt man ja immer, man könne bisschen mitkicken und mithalten. Heute hat man gemerkt, wie krass das täuscht“, so der 31-Jährige, der ergänzte: „Einmal wollte ich ins Sprintduell gehen - da habe ich schnell gemerkt: Ist nicht“, so Langsenkamp, der im Amateurbereich nicht gerade als langsamster Kicker gilt.

In der Tat sind alle VfL-Profis - gefehlt haben nur der im Aufbau befindliche Niklas Wiemann sowie die zuletzt hoch belasteten Führungsspieler Jannik Müller, Bjarke Jacobsen, Patrick Kammerbauer, Lars Kehl und Torwart Lukas Jonsson - die Aufgabe mit höchster Seriösität angegangen: Kein Mitleid für das Kreisklassen-Team und keine überflüssigen Zweikämpfe dank temporeichem Kombinationsfußball. Daraus folgten Tore im Dreieinhalb-Minuten-Takt. „Die Jungs sollten in ihren Positionen schon zuerst die gewohnten Abläufe einbringen. Am Ende nutzen wir so ein Spiel aber natürlich auch, um ein wenig Spaß zu haben“, sagte Schultz.

Der VfL-Trainer reichte dafür gegen Ende der 40-minütigen ersten Halbzeit einen Zettel ins Spielfeld an Bryan Henning - darauf eine personelle Rochade in der bewährten Grundordnung. So agierte der kurz zuvor mit einem mächtigen Distanzschuss erfolgreiche Robert Tesche plötzlich als Mittelstürmer - offensiv unterstützt von Yigit Karademir, während etwa Luc Ihorst und Nikky Goguadze hinten abräumen sollten. Das Spielchen wiederholte sich gegen Ende des zweiten Durchgangs - wodurch Theo Janotta und Robin Fabinski jeweils auch zu eigenen Toren kamen. 16 verschiedene VfL-Profis trafen, darunter auch Luca Kröger aus der U19 (drei Tore).

Die wichtigste Kenngröße aber kommt von den Organisatoren von Blau-Weiß, dem rührigen Team um die Vorstände Stefan Kenning und Andre Stuntebeck: Weil sie noch mit Lieferanten für Essen und Getränke abrechnen müssen, können sie noch keine exakte Summe nennen, die am Einde für die Ausbildung und weitere Absicherung des Lebensweges der drei Waisenkinder aus Eintrittsgeldern, Catering-Erlösen und weiteren Spenden zusammengekommen ist. Was aber recht sicher ist: Die 10.000er-Marke dürfte überschritten und damit eine fünfstellige Summe erreicht werden.

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