Berlin  Förderung der PV-Anlage läuft aus: Diese sechs Optionen haben Solaranlagen-Besitzer jetzt

Ralph Diermann
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Von Ralph Diermann
| 24.09.2025 08:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Nach 20 Jahren EEG-Förderung stehen 40.000 Photovoltaik-Anlagenbetreiber vor Entscheidungen zu Eigenverbrauch, Volleinspeisung oder Ausbau. Foto: IMAGO / Christian Ohde
Nach 20 Jahren EEG-Förderung stehen 40.000 Photovoltaik-Anlagenbetreiber vor Entscheidungen zu Eigenverbrauch, Volleinspeisung oder Ausbau. Foto: IMAGO / Christian Ohde
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Für zehntausende Photovoltaik-Anlagen fällt Ende 2025 die Einspeise-Vergütung weg. Die Betreiber haben dann mehrere Optionen – doch wirklich lukrativ ist nur eine.

Karin Nachtigal gehört zu den Pionieren der Energiewende: Bereits 2005 hat sie auf dem Dach ihres Einfamilienhauses in Wiesloch bei Heidelberg eine Photovoltaik-Anlage installiert. Einige Jahre zuvor hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen.

Es garantiert Anlagenbetreibern 20 Jahre lang eine feste Vergütung für den Strom, den sie ins Netz einspeisen. Nachtigal hat diese Schwelle fast erreicht – ihre Förderung läuft zum Jahresende aus. „Ich muss mir jetzt überlegen, was ich mit meiner Anlage mache“, sagt die IT-Produktmanagerin.

So wie Nachtigal geht es rund 40.000 privaten Anlagenbetreibern, für sie ist mit der EEG-Vergütung am 31. Dezember 2025 Schluss. Ende nächsten Jahres trifft das ähnlich viele Eigentümer.

„Aus technischer Sicht gibt es meist keinen Grund, eine Anlage nach Ende der EEG-Förderung außer Betrieb zu nehmen“, sagt Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Sie liefern normalerweise auch nach 20 Jahren noch viel Strom. „Module verlieren wegen der Alterung von Solarzellen in der Regel im Laufe der Jahre Leistung. Dafür geben Hersteller Leistungsgarantien“, erklärt Brandis. Die Leistung sei über die Jahre aber meistens höher als von den Herstellern garantiert.

Doch was machen mit dem Solarstrom, ohne die Förderung? Die Betreiber haben mehrere Optionen:

Die einfachste Lösung: nichts tun. Dann fließt die gesamte Strommenge wie gewohnt ins öffentliche Netz. Viel Geld bringt das jedoch nicht. Denn bei der Volleinspeisung erhalten Anlagenbetreiber nur den sogenannten Jahresmarktwert Solar.

Im vergangenen Jahr betrug er 4,62 Cent pro Kilowattstunde. Der Begriff bezeichnet die Summe, die mit einer Kilowattstunde Solarstrom an der Börse im mengen- und zeitgewichtigen Jahresmittel erlöst wurde.

Davon abgezogen wird ein Betrag, den die zuständigen Netzbetreiber für ihren Aufwand beim Verkauf des Solarstroms erhalten. Derzeit liegt er bei 0,72 Cent pro Kilowattstunde, 2024 waren es 1,81 Cent. Anlagenbesitzer, deren Förderung ausgelaufen ist, haben also 2024 insgesamt 2,81 Cent pro Kilowattstunde ausgezahlt bekommen. Bei einem Jahresertrag von 3.000 Kilowattstunden ergab das etwa 84 Euro.

„Angesichts der geringen Erlöse ist es finanziell nicht sehr sinnvoll, die Volleinspeisung fortzusetzen“, sagt Jörg Sutter, Photovoltaik-Experte der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS). „Und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Im Gegenteil, der Jahresmarktwert Solar dürfte mit dem weiteren Photovoltaik-Ausbau in Zukunft noch geringer ausfallen.“

Der Grund: Solarstrom ist umso weniger wert, je mehr davon zur gleichen Zeit ins Netz gespeist wird. Da mehr und mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden, fließt mehr und mehr Solarstrom ins Netz – und der Marktwert sinkt.

Hinzu kommt, dass die Anlage Kosten verursachen kann, etwa durch eine Betreiberhaftpflichtversicherung. Sie ist nicht Pflicht, wird aber von einigen Experten empfohlen, wenn die private Haftpflichtversicherung nicht greift. Sie schützt vor finanziellen Folgen, wenn durch den Betrieb der Anlage Schäden bei Dritten entstehen.

Rund 50 Euro kostet der Schutz pro Jahr. Außerdem rät die Verbraucherzentrale, nach dem Ende der EEG-Förderung einen Sicherheitscheck durchführen zu lassen. Er schlägt mit etwa 250 bis 300 Euro zu Buche.

Viel lukrativer ist, den hausgemachten Strom so weit wie möglich selbst zu verbrauchen. Sein Wert beträgt dann ungefähr 35 Cent pro Kilowattstunde – so viel, wie die Versorger heute im Durchschnitt ihren Kunden berechnen.

„Der Eigenverbrauch ist für die Betreiber ausgeförderter Anlagen normalerweise die wirtschaftlichste Option“, sagt Verbraucherschützer Brandis. Den überschüssigen Strom speisen sie zum Jahresmarktwert Solar ins öffentliche Netz ein.

Damit dieses Modell funktioniert, müssen die Eigentümer einen Elektriker beauftragen, die Anlage für die Einspeisung ins Hausnetz umzurüsten und einen neuen Stromzähler zu installieren. Laut Brandis belaufen sich die Kosten dafür meist auf wenige hundert Euro.

Was bringt der Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung finanziell? Ein Beispiel, kalkuliert mit einem kostenlosen Online-Rechner der DGS: Eine Vier-Kilowatt-Anlage liefert über einen Zeitraum von fünf Jahren einen Gewinn von 1100 Euro – bei einem für Vier-Personen-Haushalte typischen jährlichen Stromverbrauch von 3000 Kilowattstunden, einer Eigenverbrauchsquote von 24 Prozent, einer Einspeisevergütung von 3,2 Cent pro Kilowattstunde sowie jährlichen Betriebskosten von 50 Euro und einmaligen Umrüstkosten von 300 Euro.

Berücksichtigt man die Kosten für den Sicherheitscheck, sinkt der Gewinn auf 850 Euro.

Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauch deutlich steigern. Bei kleinen Photovoltaik-Anlagen lohnt sich ein Speicher jedoch nicht, sagt DGS-Experte Sutter. „Die erzeugten Strommengen sind zu gering, um einen Speicher auslasten zu können.“

Auch Brandis rät davon ab, nachträglich einen Speicher anzuschaffen. „Bei einer 20 Jahre alten Anlage würde ich auf jede Investition verzichten, die nicht unbedingt notwendig ist“, erklärt der Experte.

Alternativ können Anlagenbetreiber ihren gesamten Strom direkt an der Börse verkaufen. Statt des pauschalen Jahresmarktwerts Solar erhalten sie dafür die individuell erzielten Börsenerlöse, abzüglich einer Vermarktungsgebühr.

Für dieses Modell benötigen die Betreiber einen Direktvermarkter, der die damit verbundenen energiewirtschaftlichen Pflichten übernimmt. Große Auswahl haben Haushalte hier jedoch nicht, da sich die meisten Anbieter auf größere Anlagen beschränken.

Anlagenbetreiber brauchen für die Direktvermarktung zudem einen Smart Meter. Der Zähler verursacht jährliche Betriebskosten von 50 Euro. Dazu kommen einmalige Kosten für die Installation.

„Die wenigen Angebote, die es für die Direktvermarktung von Strom aus Kleinanlagen gibt, sind wegen der hohen Kosten für die Betreiber durchweg unrentabel“, sagt Sutter.

Vor 20 Jahren waren Photovoltaik-Module so teuer, dass die meisten Eigentümer nur kleine Dachflächen damit bestückten. Sie könnten ihr altes Solarsystem also erweitern – und ihren Stromertrag damit stark steigern, denn moderne Module arbeiten viel effizienter als die alten. Das lohnt sich bei hohem Stromverbrauch, etwa durch ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe.

Für den neuen Anlagenteil erhalten die Eigentümer ebenfalls 20 Jahre lang eine EEG-Vergütung. Gehen die neuen Module bis zum 31. Januar 2026 in Betrieb, gibt es für den eingespeisten Überschuss-Strom 7,86 Cent pro Kilowattstunde.

Alternativ können die Betreiber auch die gesamte Strommenge ins Netz speisen. Dann bekommen sie für den Strom aus dem neuen Anlagenteil 12,47 Cent pro Kilowattstunde. Die Volleinspeisung kann sinnvoll sein, wenn der Haushalt nicht viel Strom benötigt.

Kommt keine dieser Möglichkeiten infrage, können die Eigentümer das Solarsystem als Ganzes oder die einzelnen Module und den Wechselrichter auf Online-Handelsplattformen anbieten.

Sutter dämpft jedoch die Erwartungen. „Wer seine Module auf dem Gebrauchtmarkt verkaufen will, sollte nicht hoffen, damit nennenswerte Erlöse erzielen zu können.“ Der DGS-Experte hat aber einen anderen Tipp: „Ausgediente Module lassen sich gut als Balkonsolaranlage verwenden – ein schönes Geschenk!“ Dafür braucht es nur einen Mikro-Wechselrichter und eine Halterung. Solche Wechselrichter gibt es ab etwa 80 Euro zu kaufen.

Und Karin Nachtigal? Sie hat sich noch nicht entschieden, was sie mit ihrem Solarstrom machen wird. „Die Anlage hat sich längst amortisiert. Daher steht für mich nicht im Vordergrund, die wirtschaftlichste Lösung zu finden“, sagt sie. „Mir geht es vor allem darum, weiterhin klimaneutralen Strom zu erzeugen.“

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