Osnabrück  "Einparken ist jetzt nicht so prickelnd"

Frank Jürgens
|
Von Frank Jürgens
| 23.09.2025 15:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Ans Aufhören denkt Schauspielerin Ulrike Kriener nicht einmal in ihrem neuen Film „Petra geht baden“ (ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr), wo der Ruhestand droht. Foto: Christian Geisselmann
Ans Aufhören denkt Schauspielerin Ulrike Kriener nicht einmal in ihrem neuen Film „Petra geht baden“ (ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr), wo der Ruhestand droht. Foto: Christian Geisselmann
Artikel teilen:

Ulrike Kriener über Wohnmobile, drohenden Ruhestand und neue Herausforderungen anlässlich ihres neues ZDF-Filmes „Petra geht baden“ mit Rolf Lassgård.

Vor zwei Jahren hat Ulrike Kriener ihre Rolle der „Kommissarin Lucas“ an den Nagel gehängt. Aber ans Aufhören denkt die beliebte Schauspielerin, die es vom Ruhrpott über Hamburg in ihre Wahlheimat München verschlagen hat, noch lange nicht. Anders als im Film „Petra geht baden“ (ZDF, Sonntag, 28. September, 20.15 Uhr und jetzt schon im ZDF Streamingportal), wo sie zwangsweise in den Ruhestand versetzt wird, darf sich die vielfach preisgekrönte Darstellerin weiterhin auf neue Rollen und Herausforderungen freuen. Ob sie selber schon einmal ans Aufhören gedacht hat, warum es für sie kein Problem war, für den ZDF-Sonntagsfilm ein Wohnmobil zu fahren und noch viel mehr lesen Sie hier im Interview.

Frage: Guten Morgen, Frau Kriener. Ihr neuer Film „Petra geht baden“ beginnt damit, dass Ihre Figur der Petra in den verdienten Ruhestand geschickt wird. Ist doch eigentlich eine verlockende Vorstellung, oder?

Antwort: Im Prinzip ja, natürlich. Wenn man ein wenig vorgesorgt hat für die Rente, kann man sich dann eine ganz gute Zeit machen.

Frage: Genug vorgesorgt hat die Petra ja offensichtlich. Aber was macht dieser dann doch unfreiwillige Freizeitzuwachs mit ihr?

Antwort: Die Petra möchte eigentlich gar nicht aufhören zu arbeiten. Sie fühlt sich in ihrem Beruf wohl und fühlt sich auch noch jung und vital und kompetent genug, um zu sagen, ‚ich muss eigentlich das Ruder noch nicht abgeben. Ich würde gerne weiterarbeiten‘. Die Vorstellung, was sie nun mit dieser freien Zeit anfangen soll, die Gedanken scheint sie sich noch nicht gemacht zu haben.

Frage: Aber dann lässt sie sich, sehr widerwillig, mit ihrem Göttergatten Erik auf einen Abenteuerurlaub nach Tschechien ein. Kein Handy. Kein Navi. Keine Hotels. Urlaub mit dem Wohnmobil wie in den 1980ern. Wäre das was für Sie?

Antwort: Ich hab‘ das früher oft gemacht, als mein Sohn klein war. Mein Mann ist Drachenflieger, extrem sportlich, fliegt auch jetzt noch. Es war damals für uns eine schöne Möglichkeit Urlaub und sein Hobby zu verbinden. (lacht). Aber die Zeit ist vorbei.

Frage: Dann waren die Umstände der Dreharbeiten ja nichts Neues für Sie?

Antwort: Überhaupt nicht. Ich hätte mit dem Wohnmobil – bin ich ja auch – rumfahren können. Einparken ist jetzt nicht so prickelnd. Aber ansonsten habe ich überhaupt kein Problem mit dem Wohnmobil.

Frage: Der Film ist als Komödie angelegt, enthält aber auch dramatische Elemente und einen Schuss Melancholie.

Antwort: Ich find‘s toll, diese Mischung finde ich ideal und sehr gut gelungen!

Frage: Wird man mit wachsendem Alter melancholischer?

Antwort: Das weiß ich nicht. Nicht unbedingt. Ich kann das gar nicht beantworten, ich habe mir diese Frage noch nie gestellt. Ich finde mich selbst nicht melancholischer. Ich habe zwar einen Blick auf die Verluste, die habe ich auch, die spüre ich auch an mir selber, natürlich. Aber das ist ja der normale Lauf der Dinge, und insofern entwickele ich nicht unbedingt viel Melancholie. Es gibt Dinge, die ich schade finde, z.B., dass unser Sohn nicht mehr klein ist und nicht mehr bei uns wohnt. Dass Dinge gegangen sind, die man eigentlich immer, immer, immer halten möchte. Aber auch das sind ja nur Momente.

Frage: Der Film „Petra geht baden“ ist ja auch ein Liebesfilm über eine Ehe, die nach 37 Jahren in die Brüche zu gehen droht. Woran hapert es da bei den beiden?

Antwort: Im Wesentlichen daran, dass man in der Lebensphase, in der Arbeit das zentrale Thema war – zumindest bei Petra, er ist ja freiberuflicher Maler – von der Ehe erwartet, dass man sich den wirtschaftlichen Anforderungen des Arbeitslebens unterordnet und anpasst. Das ist jetzt ein Problem. Die beiden haben sich im Laufe der Jahre sehr weit auseinander entwickelt und müssen nun versuchen, sich wieder als Paar zusammenzufinden.

Frage: Ihr Filmpartner war der ebenfalls sehr bekannte schwedische Schauspieler Rolf Lassgård. In welcher Sprache wurde gedreht?

Antwort: Wir haben auf Deutsch gedreht und Rolf hat seine Texte auf Schwedisch gesprochen.

Frage: Kannten Sie sich schon vorher?

Antwort: Nein, wir kannten uns vorher nicht. Wir haben uns zu dem Film kennengelernt, und es war eine große Freude beiderseits.

Frage: Dann muss ich gar nicht mehr fragen, wie die Dreharbeiten waren?

Antwort: Großartig. Ganz toll! (lacht) Wir hatten sehr viel Spaß, haben uns wahnsinnig gut verstanden. Ich hatte zum Schluss das Gefühl, ich verstehe Schwedisch. Rainer Kaufmann, der Regisseur, hat uns mit freier Hand geleitet, war aber auch immer ein Fels in der Brandung für uns. Es war eine wunderbar freie und kreative Arbeit miteinander im Sommer in Tschechien. Ich sag‘s Ihnen – schöner kann man den Beruf nicht haben.

Frage: Ich möchte noch einmal kurz zur Ausgangssituation des Filmes zurückkommen. Können Sie sich als Ulrike Kriener vorstellen, von heute auf morgen in den Ruhestand verabschiedet zu werden? Wie würden Sie mit dieser Situation umgehen?

Antwort: Sie wissen ja, dass man als Schauspielerin mit diesem Beruf alt werden kann. Für mich ist das Spekulation. Aber ich glaube, mir würde das schwerfallen, wenn ich aufhören müsste. Das wäre sicherlich schmerzlich für mich. Aber es ist natürlich auch abhängig von dem Beruf, den man hat. Es gibt schon Berufe, die einen sicher sehr auslaugen und schwächen, Dienstleistungsberufe wie Pflegeberufe beispielsweise. Aber wenn ich, Ulrike, jetzt von heute auf morgen aufhören müsste, würde ich mir mit Sicherheit eine andere Form von Beschäftigung suchen. Etwas Ehrenamtliches. Das fände ich toll, weil das befriedigend ist, weil man das Gefühl hat, noch gebraucht zu werden, weil man Menschen kennenlernt. Und weil man etwas Sinnvolles tut. Weil das doch am Ende immer das Entscheidende ist, wenn wir unserem Tun einen Sinn geben können.

Frage: Aber ans Aufhören als Schauspielerin haben Sie noch nie gedacht?

Antwort: An das gänzliche Aufhören nicht. Aufgehört habe ich ja nach 20 Jahren mit „Kommissarin Lucas“. Ich wünsche mir nun für die kommenden Jahre, in denen sicher weniger Angebote kommen werden, dass ich mir aussuchen kann, was mir Freude macht und was ich noch spielen möchte.

Frage: Trotzdem – wie schwer fiel Ihnen denn nach 20 Jahren der Abschied von „Kommissarin Lucas“?

Antwort: Überhaupt nicht. Ich hatte mich mit dem Thema schon vorher länger beschäftigt. Es war klar, dass ich irgendwann aufhören möchte und werde. Das Einzige, was mir schwer fiel, war, die vielen Menschen, die ich über viele, viele Jahre regelmäßig gesehen habe – meine Maskenbildnerin, die Kostümbildnerin, den Fahrer, die Produktionsleitung und all die anderen, mit denen ich gut drei Monate im Jahr gearbeitet habe – aufzugeben. All die Menschen, die nun nicht mehr so regelmäßig in meinem Leben sind, das war schmerzlich. Aber die Rolle an sich war für mich zu Ende gespielt.

Frage: Unsere Zeit ist leider auch fast vorbei. Mögen Sie uns zum Schluss noch kurz verraten, was Ihre Pläne für die allernächste Zukunft sind, wo man Sie demnächst sehen kann?

Antwort: Ja, ich drehe demnächst in Hamburg mit meiner jungen Kollegin Tamara Romera Ginés eine Tragikomödie im Stil eines Roadmovies, in dem es um eine an Demenz erkrankte ältere Dame und eine Krankenschwester geht.

Frage: Frau Kriener, dann danke ich Ihnen sehr für Ihre Zeit und das Interview!

Ähnliche Artikel