Osnabrück  Neue Kneipe, altes Spiel? Osnabrücker Bündnis ruft zu Demo gegen AfD-Treffen auf

Markus Pöhlking
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Von Markus Pöhlking
| 27.08.2025 12:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zuletzt im Juli mobilisierte das Bündnis „Den Rechten die Räume nehmen“ zu einer Demonstration in der Johannisstraße. Nun soll es am 6. September Proteste vor einer Kneipe in der Parkstraße geben. Foto: Michael Gründel
Zuletzt im Juli mobilisierte das Bündnis „Den Rechten die Räume nehmen“ zu einer Demonstration in der Johannisstraße. Nun soll es am 6. September Proteste vor einer Kneipe in der Parkstraße geben. Foto: Michael Gründel
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Die Osnabrücker AfD hat eine neue Stammkneipe gefunden. Nachdem es im Juli Proteste gegen eine Parteiveranstaltung in einer Bar in der Johannisstraße gab, lud Wirtin Melanie Kahr die Partei ein ins Parkhaus Rink. Die AfD folgte der Einladung – nun folgen die Proteste.

Eine Osnabrücker Traditionskneipe gerät ins Visier des Bündnisses „Den Rechten die Räume nehmen“. Die neue Wirtin des „Parkhaus Rink“, Melanie Kahr, hat dem Stadtverband der AfD angeboten, in ihrer Kneipe Veranstaltungen abzuhalten. Die Partei nahm das Angebot an. Nun mobilisieren ihre Gegner: Am 6. September wollen sie vor der Kneipe demonstrieren.

Die Haltung der Aktivisten ist eindeutig: „Keine AfD-Kneipe in der Wüste“, heißt es auf einem Flyer, den viele Bewohner in der Wüste dieser Tage im Briefkasten vorfanden. Mit vergleichbarer Vehemenz hatte das Bündnis noch im Juli einen Stammtisch der Partei in einer Kneipe in der Johannisstraße verhindern wollen. In gewisser Hinsicht mit Erfolg: Die AfD sagte die Veranstaltung ab – nach eigenem Bekunden, um den Gastwirt zu schützen. Das Bündnis demonstrierte dennoch in der Johannisstraße.

Der AfD wiederum öffneten sich andernorts Türen: Melanie Kahr, seit einigen Monaten Wirtin des Parkhaus Rink an der Parkstraße, offerierte der Partei ihre Kneipe als Treffpunkt. Die nahm das Angebot an. Sie wolle sich damit nicht parteipolitisch positionieren, sondern ein Zeichen für Meinungsfreiheit und Demokratie setzen, sagt Kahr auf Anfrage unserer Redaktion. „Ich bin ein Mensch, der andere Standpunkte respektiert.“

Genauso wie die AfD könnten auch Grüne, Linke, CDU oder SPD ihre Kneipe für Veranstaltungen nutzen. Es säßen schließlich auch Wähler all dieser Parteien bei ihr am Tresen. „Ausschlusskriterium für mich sind Aufrufe zur Gewalt und zur Ausgrenzung“, erklärt Kahr.

Nichts dergleichen sehe sie bei der AfD. Dass Kahr der Partei proaktiv ihre Räumlichkeiten angeboten hat, nehmen die Initiatoren des Protests zum Anlass, die Wirtin namentlich im Flyer zu benennen.

Das Bündnis sieht offenen Protest als bestes Mittel für sein Ziel, die AfD in Osnabrück kleinzuhalten. „Wo es keine Gegenproteste gibt, wird die AfD stark. Wo es Widerstand gibt, bleibt sie schwach“, so sieht es Markus Löwekamp, Sprecher der Initiative. Auch deswegen, weil der Partei im wahrsten Sinne des Wortes kein Raum für Wachstum bleibe. „Wenn wir ihnen die Räume nehmen, können sie sich nicht treffen, können sich nicht vernetzen, gewinnen im Zweifel auch weniger neue Mitglieder.“

Löwekamp sieht es als Erfolg der Aktivisten, dass die AfD in Osnabrück seit einiger Zeit öffentlich keine konkreten Treffpunkte und Termine für Parteiveranstaltungen mehr bewerbe. Die AfD warf den Aktivisten hingegen in der Vergangenheit vor, eine Art Kampagne gegen Gastwirte zu führen. Neben der Kneipe in der Johannisstraße geriet 2024 beispielsweise auch ein griechisches Restaurant in den Fokus des Bündnisses. Dort wollte die AfD ebenfalls einen politischen Stammtisch abhalten.

Der Restaurantbesitzer wie auch jener der Kneipe in der Johannisstraße hatten unserer Redaktion gegenüber jeweils erklärt, gar nicht gewusst zu haben, wer ihre Räumlichkeiten nutzen wollte. Die Räume seien jeweils unter privatem Namen und ohne Bezug zur Partei gemietet worden.

Das ist im Parkhaus Rink nun anders. Wirtin Melanie Kahr weiß immerhin, wen sie sich ins Haus geladen hat. Im Hinblick auf die angekündigten Proteste gibt sie sich entspannt: „In Deutschland haben wir alle das gleiche Recht. Also hat auch jeder das Recht, für oder gegen etwas zu demonstrieren.“

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