Osnabrück  Campus Festival 2025: 10.000 Besucher feiern an der Halle Gartlage

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 21.09.2025 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
10.000 Besucher haben am Samstag beim Campus Festival in Osnabrück friedlich gefeiert. Foto: Lauren Rote
10.000 Besucher haben am Samstag beim Campus Festival in Osnabrück friedlich gefeiert. Foto: Lauren Rote
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Rund 10.000 Besucher haben am Samstag, 20. September, an der Halle Gartlage beim Campus Festival Osnabrück gefeiert. Wir waren von Anfang an mit dabei: Trotz einiger Zwischenfälle hätte es nicht besser laufen können.

Leonie tanzt, sie strahlt, wirft die Hände zum Himmel und für einen Moment hat sie das Gefühl, dass die Welt doch gar nicht so schlimm ist, wie die Nachrichtenlage es beinahe täglich vermuten lässt. An diesem Abend auf dem Campus Festival an der Halle Gartlage ist sie eine von 10.000, die sich ähnlich fühlen.

Auf der Bühne vor ihr steht Zartmann. Ein Typ mit lockigen Haaren, enges Muskelshirt, weite Hose. Er singt: „Wenn das der letzte Sommer war, fuck it, ich hab gelebt.“ Der Auftritt des Berliners, der irgendwo in seinen Zwanzigern steckt, sich aber wie ein ewig Vierzehnjähriger fühlt, ist der erste Höhepunkt an diesem Samstagabend.

Im vergangenen Jahr fand das Campus Festival noch auf dem Gelände der Hochschule am Westerberg statt. In diesem Jahr zog das eintägige Festival an die Halle Gartlage. Statt Jahrmarkt und Zirkus jetzt also auch Musik. Und die war am Anfang eher monothematisch. Die Großstadt, das Partyleben, Herzschmerz. Stilistisch ist das kaum zu unterscheiden. Bei den knapp 10.000 meist jungen Besuchern kommt das aber trotzdem gut an. Das sind Songs zum Wohlfühlen, zum Kopfausschalten. Und die beherrscht wohl keiner so gut wie Zartmann.

Mit seinem Nr. 1 Hit „Tau mich auf“ springt der Berliner pünktlich um 19.15 Uhr auf die Bühne und reißt sein Publikum sofort mit. Es folgen bekannte, weniger bekannte und neue Songs, mal melancholisch, mal ausgelassen, aber immer tanzbar und energiegeladen.

Ganz andere Töne schlägt dagegen Ikkimel an. Statt weichen Gitarrenriffs folgen schnelle Techno-Beats und ein Auftritt, den man als weibliche Antwort auf die teils misogyne Sprache des Deutschraps lesen kann. Ihre Songs sind explizit, derb, sexuell aufgeladen und gleichzeitig ein politisches Statement.

So singt sie etwa: „Steh auf blaue Flecke, nur nicht auf der Wahlkarte“ und nutzt ihren Auftritt dann auch, um klar Stellung zu beziehen. „Nur weil wir uns als Frauen freizügiger kleiden“, ruft sie ins Publikum, „ist das keine Einladung für Übergriffe“. Das kommt bei ihren Fans gut an.

Mit Bausa steht dann im Anschluss der eigentliche Headliner des Abends auf der Bühne. Auch er heizt der Menge ordentlich ein und schafft es noch um 21.30 Uhr bei seinen Fans die letzten Energiereserven zu aktivieren. Vor der Bühne: ein Meer aus Menschen, das tanzt, singt, grölt und kreischt und beinahe zu einem monolithischen Block verschmolzen ist.

Irgendwann ist hier kaum noch ein Durchkommen möglich. Auch nicht für die Sanitäter, die mit fortschreitendem Abend leider immer mehr zu tun haben. Mehrmals unterbrechen Ikkimel und Bausa ihre Bühnenshow und fordern medizinische Hilfe an, weil jemand im Publikum kollabiert – wegen der Enge dicht vor der Bühne, Kreislaufproblemen oder unterschätztem Alkoholkonsum. Für die meisten ging es danach aber trotzdem ausgelassen weiter.

Als Bausa seinen letzten Song anstimmt, strahlt Leonie noch immer. Für sie war es das erste Festival in diesem Jahr – und das letzte. Denn mit dem Campus Festival geht die Saison nun offiziell zu Ende. Im nächsten Jahr will sie wieder kommen. Das Datum steht bereits fest. Am 19. September 2026 geht das Campus Festival dann in die dritte Runde.

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