Konzert in der Stadthalle Tim Kamrad bringt Aurich zum Kochen
Rund 800 Besucher erleben in der Auricher Stadthalle ein energiegeladenes Konzert von Tim Kamrad. Der Musiker verspricht, bei seiner nächsten Tour wiederzukommen.
Aurich - Auf den einschlägigen Internetplattformen werden die Lieder von Tim Kamrad millionenfach geklickt. Wie sie sich live anhören, davon konnten sich am vergangenen Freitagabend rund 800 vorwiegend jüngere Fans in der Auricher Stadthalle überzeugen. Ihr Idol sollte sie nicht enttäuschen und ihnen ein mitreißendes Konzerterlebnis bescheren.
Laut seiner Biografie hätte Tim Kamrad dank seiner exzellenten Abiturnote wohl problemlos ein Medizinstudium machen dürfen. Zu dumm nur, dass er nach eigenem Bekunden kein Blut sehen kann. BWL und Jura sagten ihm ebenso wenig zu, weil er dafür zu viel hätte lesen müssen. Stattdessen schreibt er lieber Songs und das sehr erfolgreich. Zwei seiner bis dato größten Hits, nämlich „I Believe“ und „So Good“, brachte er am Freitag gleich zu Beginn seines Auftritts. Sie funktionieren ähnlich wie fast der gesamte Rest seines Repertoires nach einem schlichten, aber effektvollen Strickmuster: Eingängiger Pop mit einer Prise Soul und vor allem permanent wiederkehrenden Refrains, die sofort ins Ohr gehen und sich leicht mitsingen lassen.
Die Füße standen nicht still
Das bestens aufgelegte Auricher Publikum lieferte denn auch den ganzen Abend über jede Menge Interaktionen, die sich nicht nur auf akustische Unterstützung beschränkten. Es wurde fleißig geklatscht, mit den Armen hin und her geschwungen, und die Füße standen im dichten Gedränge kaum einen Moment still. Tim Kamrad heizte seinen Fans zusätzlich ein, indem er sie animierte, im Takt zu Hüpfen oder sich hinzusetzen und auf sein Kommando hochzuspringen. Darüber hinaus verließ er ab und an die Bühne, um seinerseits mit dem Publikum zu interagieren. Er wollte eine „richtige“ Party feiern und keinen 60. Geburtstag, meinte er irgendwann im Verlaufe des Konzertes.
„Da bin ich schon ein bisschen beleidigt“, schmunzelte Birthe, die mit ihrer achtjährigen Enkelin Svenja extra aus Duisburg nach Aurich gekommen war, „weil wir anderswo keine Karten mehr bekommen haben“, erklärte die Seniorin, die vor ein paar Wochen 60 Jahre alt geworden ist, sich am Freitag aber dennoch nicht fehl am Platze fühlte. „Tim Kamrad ist ein sympathischer Typ“, so Birthes Urteil. Und was ist das Besondere an seiner Musik? „Die macht gute Laune und man kann prima dazu tanzen“, ergänzte Enkelin Svenja. In der Tat überzeugte die Live-Band bestehend aus einem E-Gitarristen und einem Schlagzeuger sowie einem Keyboarder, der nebenher einen E-Bass bediente, mit einem druckvollen Sound inklusive einiger gelungener Reminiszenzen an den Rock und Pop der 1980er Jahre, was erklärt, warum außer Teenagern auch ältere Generationen damit etwas anfangen konnten.
Kamrad will wiederkommen
Dass Tim Kamrad keineswegs nur Gute-Laune-Lieder drauf hat, bewies er bei seinem Auftritt in der Stadthalle unter anderem mit der getragenen Blues-Nummer „You Don’t Owe Me Your Love“ oder der Folk-Ballade „Find“, zu der er sich alleine auf einer akustischen Gitarre begleitete. Gegen Ende des Konzertes ging es aber zielstrebig zurück auf die bewährte Erfolgsspur. Vorläufiger Höhepunkt war die aktuelle Single „Be Mine“. Deren markante Refrainzeile „You Got Me So High“ wurde von den Fans wie gehabt ausgiebig zelebriert und lautstark mitgesungen.
Bei der obligatorischen Zugabe schien Tim Kamrad dann allerdings allmählich das Material auszugehen. Jedenfalls wiederholte er seinen Hit „ IBelieve“ und die aktuelle Single „Be Mine“. Am Schluss tönte die Musik bloß noch aus der Konserve. Während die Bandmitglieder auf der Bühne wild herumtanzten, begab sich ihr Frontmann ein letztes Mal ins Publikum, um sich artig zu bedanken und zu versprechen, dass er bei seiner nächsten Tour erneut in Aurich Station machen will. Die Fans nahmen es sichtlich erfreut und unter großem Jubel zur Kenntnis.