Osnabrück Mit Glück und letzter Kraft: VfL Osnabrück schlägt Erzgebirge Aue 3:1
Mit nun 12 Punkten aus sieben Spielen steht der VfL Osnabrück gut da in der 3. Fußball-Liga nach dem 3:1-Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue. Nach einer schwachen ersten Halbzeit steigerten sich die Lila-Weißen und kamen dank etwas Glück, aber vor allem nimmermüden Kampfes zum Ende der Englischen Woche zu drei Punkten.
VfL-Trainer Timo Schultz tauschte im Vergleich zum 1:1 bei RW Essen auf drei Positionen: Auf der linken Schiene begann Kevin Schumacher für Frederik Christensen, auf der Sechs startete Fridolin Wagner für Bryan Henning - und im Sturm feierte Luc Ihorst seine Startelf-Premiere - auf der Doppel-Zehn. Kai Pröger saß dafür zunächst auf der Bank.
Aue-Trainer Jens Härtel setzte im 4-2-3-1-System exakt auf jene Elf, die am Mittwochabend in Cottbus zwar 1:2 verlor, aber dort eine durchaus gute Leistung zeigte.
Die Startphase gehörte Aue - Jannik Müller hatte Glück, dass Aues Julian Guttau die Gelegenheit verpasste, einen Elfmeter zu ziehen, als der VfL-Abwehrchef eine für den eigenen Strafraum und seine Verhältnisse recht wilde Grätsche ansetzte. Kurz darauf gab Jannic Ehlers für Aue den ersten Warnschuss ab, verfehlte aber knapp das Ziel.
Nach etwa zehn Minuten kam Osnabrück besser ins Spiel und übernahm für 20 Minuten die Kontrolle, ohne allerdings zu klaren Abschlüssen zu kommen. Jacobsens Kopfball nach einer Ecke in Rücklage ging klar drüber - Müller hinter ihm wäre besser postiert gewesen. Auch Fridolin Wagners Schlenzer ging klar am Tor vorbei (20.). Zudem flogen in dieser Phase einige gefährliche Flanken vor allem von rechts in den Auer Strafraum, ohne dass es vor dem Tor einen Abnehmer in Lila-Weiß gab.
Dann brachte der VfL vor allem durch eigene Fehler die Auer nach etwa 25 Minuten zurück ins Spiel. Maximilian Schmids Abschluss aus 13 Metern halblinks blieb harmlos, nachdem die Osnabrücker im eigenen Zentrum den Ball verzockt hatten - Jacobsen musste ins Dribbling nach einem nicht ganz glücklichen Anspiel von Kammerbauer. Dann unterlief dem sonst erneut guten Robin Fabinski ein eklatanter Stockfehler, in dessen Folge Marvin Stefaniak acht Meter vor dem Tor haöbrechts in Schussposition kam: Der Auer Kreativspieler ließ zwei Osnabrücker ins Leere gräschen, wurde dann aber vom Dritten - Fabinski - doch noch abgeblockt.
Dazu strich ein Guttau-Freistoß aus 20 Metern nur haarscharf am oberen Tordreieck vorbei. Und kurz vor der Pause hätte der zentral-offensive Mittelfeldspieler fast die zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Führung für die Auer markiert - mit einem Schlenzer mit links aus 20 Metern an den Innenpfostern. Der Ball rollte hinter dem machtlosen Jonsson die Torlinie entlang - und zum Glück vor dem anderen Pfosten in Richtung Seitenaus.
Von der Nord- und Südtribüne gab es für die VfL-Vorstellung zur Pause Pfiffe - Applaus nur von der Ostkurve, die sich darauf freute, dass die VfL-Profis nach dem Wechsel in ihre Richtung spielen würden. Sie sahen gleich nach Wiederbeginn eine gelungene Aktion von Ihorst, der sich an der Seitenlinie durchsetzte und Wagner bediente - doch der zog überhastet ab und schoss klar drüber. Der nächste Ihost-Sprint brachte eine Ecke - und diese die Führung für den VfL: Kammerbauer brachte den Ball auf neun Meter zentral vor den Kasten - und dort blockte sich Bjarke Jacobsen frei zum Kopfball und drückte diesen in unwiderstehlicher Manier ins lange Eck (49.).
Direkt darauf hätte Robin Meißner erhöhen können - sein Abschluss nach Schumachers Zuspiel strich aber hauchzart am langen Pfosten vorbei. Aue versuchte, mit wütenden Angriffen zu antworten, der VfL aber überstand die fünfminütige Druckphase, die nur einen Fallmann-Schuss über den Querbalken als Abschluss für die Westsachsen brachte, mit Einsatz und ein wenig Glück. Schultz reagierte, brachte Ismail Badjie und Frederik Christensen für die offensichtlich ausgepumpten Luc Ihorst und Kevin Schumacher - und der VfL übernahm wieder das Kommando.
Nach einem starken Spielzug über Meißner und Kammerbauer rettete Aues Abwehrchef, Einwurf-Weitwerfer Ryan Malone, in höchster Not. Lars Kehl hätte fast aus dem Spiel heraus das 2:0 erzielt - dies aber war ihm wenig später per Handelfmeter vorbehalten. Seine nach einer abgewehrten Ecke abgefeuerte Direktabnahme aufs Tor traf Ehlers klar an der vom Körper abstehenden Hand - korrekte Entscheidung von Schiedsrichtwe Yannick Rupert. Martin Männel erahnte wie schon beim Strafstoß gegen Aue am Mittwoch gegen Tolcay Cigerci von Energie Cottbus die Ecke, kam aber nicht mehr an den Ball, weil Kehl den Schuss zu präzise ins lange Eck platzierte (63.).
Die Entscheidung? Nein, auch weil Badjie aus spitzem Winkel nach einem Konter nur das Außennetz traf. Aue blieb dran und nutzte eine einkehrende Passivität in der Osnabrücker Deckung zum Anschlusstreffer durch den eingewechselten Mika Claussen, der ungedeckt aus Nahdistanz keine Probleme hatte, Fallmanns Zuspiel von rechts zu vollenden (71.).
Es folgte eine lange Schlussphase für den VfL, in der es aufgrund fehlender Luft und technischer wie spielerischer Unzulänglichkeiten zunächst viel zu selten gelang, Entlastung zu schaffen. Aue drückte , kam durch Malones Kopfball (Jonsson pariert) nach einer Ecke zur ersten Ausgleichschance. Der Kopfball des eingewechselten Julian Günther-Schmidt, der nach Stefaniaks präzise Flanke völlig frei zentral abschloss, hätte das 2:2 sein müssen (84.), doch Aues Stürmer zielte viel zu zentral, sodass Jonsson den Ball parieren konnte.
Dann sorgte der eingewechselte Bernd Riesselmann für Entspannung: In seiner ersten Aktion klaute er Aues Abwehrchef Ryan Malone, der es offensichtlich nicht mehr gewohnt war, von einem VfL-Stürmer angelaufen zu werden, den Ball. Und der 33-Jährige konnte Riesselmann nur durch ein Foulspiel daran hindern, allein aufs Tor zu laufen - eine klare Rote Karte, die Rupert auch gab (88.). Über die fünfminütige Nachspielzeit ließen sich die VfL-Profis vom Publikum tragen, das die stetige Willensleistung sowie die klare Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit honorierte - ehe Badjie gegen die entblößte Auer Abwehr einen Sprint zum 3:1 abschloss.
Mit nun 12 Punkten aus sieben Spielen reiht sich der VfL erst einmal im Verfolgerfeld der Tabellenspitze 3. Liga ein - die englische Woche endet ungeschlagen und mit fünf Punkten mit einer ebenso guten Bilanz. Auch wenn das VfL-Spiel nicht in allen Phasen vom Hocker reißt: Die defensive Stabilität stimmt und die Waffen treffen aktuell. Man darf gespannt sein, wohin dies die Lila-Weißen in dieser Saison führen kann.